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Shaquille O'Neal wurde 1992 von den Orlando Magic an erster Stelle gedraftet © getty

Shaquille O'Neal beweist in Milwaukee, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört. Eine alte Taktik geht für die Bucks nicht auf.

Von Rainer Nachtwey

München/Milwaukee - Als Shaquille O?Neal vor 16 Jahren sein Debüt in der NBA für die Orlando Magic gab, hatte er einen Spitznamen schnell weg: Riesenbaby.

In den letzten Jahren, als er durch Verletzungen und durch andere Gebrechen nur auf 160 Partien in drei Spielzeiten kam und seine Statistikwerte erheblich einbrachen, wurde aus dem viermaligen NBA-Champion ein alterndes Riesenbaby.

Zu alt, zu langsam, zu verletzungsanfällig und Freiwürfe trifft er auch nach 16 Jahren NBA nicht mehr, schrieben ihn die Experten bereits ab.

Doch gegen die Milwaukee Bucks hat der 2,16-Meter-142-kg-Koloss nun bewiesen, dass er mit seinen 36 Jahren noch nichts verlernt hat.

Pause für "Shaq" eine Frischzellenkur

Der Center mit Schuhgröße 54 1/2 führte seine Phoenix Suns in Wisconsin mit 29 Punkten und 11 Rebounds zu einem 104:96-Sieg. "Wenn ich jeden Abend 16 Würfe bekomme, dann geht es mit meinen Zahlen vielleicht auch wieder aufwärts", sagte O'Neal nach der Partie zufrieden.

Allerdings gab es noch einen weiteren Grund, warum der "Oldie" zufrieden war. Er hatte tags zuvor gegen die Chicago Bulls eine Ruhepause von Coach Terry Porter erhalten, nachdem er in der Partie gegen Indiana nur auf drei Punkte und sechs Rebounds gekommen war.

"Wenn du zwei Tage frei hast, kannst du dich nicht beklagen. Das war eine gute Entscheidung. Das hat sich für uns heute definitiv ausgezahlt", führte "Shaq" aus.

Und auch Coach Terry Porter ist von der Idee begeistert. "Von dem Tag Pause bin ich restlos überzeugt. Darüber müssen wir nicht mehr reden. Wenn er bei den Back-to-Back-Spielen eine Pause haben möchte, bitte. Er kann so viele Tage Pause haben wie er will, wenn er danach jedes Mal so spielt wie heute", sagte Porter und ergänzte grinsend: "Vielleicht sollte ich mir auch mal eine Pause nehmen, ich bin schließlich älter als er."

"Hack-a-Amare" nicht erfolgreich

Ein anderer 36-Jähriger wusste auch in seinem "NBA-Greisenalter" zu überzeugen. Grant Hill steuerte 13 Zähler und wie O'Neal 11 Rebounds zum fünften Saisonsieg der Suns bei.

Dass Phoenix nicht ausschließlich ein Seniorenstift ist - auch der 34 Jahre alte Steve Nash erzielte 16 Punkte und gab zusätzlich sieben Assists - zeigte Amare Stoudemire. Der 25-Jährige markierte 22 Punkte und bewies, dass er das Werfen von der Freiwurflinie gelernt hat. 18 seiner 20 Würfe versenkte im Korb und ließ die Bucks für ihre "Hack-a-Amare"-Taktik bezahlen.

"Ich habe sie dazu animiert, mich zu foulen. Wenn es bei der gegnerischen Mannschaft läuft, versucht man immer ihn durch Fouls aus dem Gleichgewicht zu bringen", sagte Stoudemire. "Es ist ihnen freigestellt, das zu tun. Ich habe die Freiwürfe heute gerne mitgenommen."

11:2-Lauf bringt die Entscheidung

Seine wichtigsten zwei Freiwürfe versenkte er dreieinhalb Minuten vor Schluss als er einen 11:2-Lauf der Gäste zum vorentscheidenden 92:82 abschloss.

Aber auch O'Neal tat sich in dieser Zeit hervor. Shaq erzielte in dieser Phase sechs Punkte und verwandelte beide seiner Würfe von der Linie.

"Als wir ihn in der Offensive gebraucht haben, war er für uns da", zeigte sich Porter zufrieden.

Milwaukee zu launisch

Bei den Bucks, die das dritte Spiel in Serie auf den am Knie verletzten Michael Redd verzichten mussten, war Ramon Sessions mit 23 Punkten bester Werfer.

"Wir haben zu launisch gespielt und waren nicht gut genug", analysierte Milwaukees Trainer Scott Skiles. "In der Verteidigung hat uns die Aggressivität gefehlt und in der Offensive haben wir es zu oft mit Eins-gegen-Eins-Situationen versucht."

Mit der Partie gegen die Bucks ging für Phoenix eine Serie von vier Auswärtsspielen zu Ende. "Es ist großartig, dass wir die Reise mit einer Bilanz von 3:1 abgeschlossen haben. Und vor allem zum Abschluss einen Sieg feiern durften", freute sich Porter. "Das haben wir unserem Riesenbaby zu verdanken."

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