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Die Hornets spielten vor ihrem Umzug nach New Orleans von 1988 bis 2002 in Charlotte © getty

Die NBA steht vor einer Übernahme der New Orleans Hornets. Was ändert sich dadurch für die Spieler? Zieht die Franchise um?

Von Rainer Nachtwey

München/New Orleans - Man stelle sich mal vor: Roman Abramowitsch ist pleite oder hat keine Lust mehr auf den FC Chelsea London und bietet den Klub zum Verkauf an.

Und der Käufer und damit neue Besitzer des Klubs ist die Premier League.

Gibt's nicht? Gibt es schon.

Zwar nicht im englischen Fußball, aber in der NBA.

Die New Orleans Hornets stehen unmittelbar davor, von der Liga übernommen zu werden.

NBA-Commissioner David Stern bestätigte, dass er sich mit den Noch-Besitzern George Shinn, der 65 Prozent an den Hornets hält, und Gary Chouest (35 Prozent) auf einen Deal geeinigt hat.

Stabilität gewährleisten

George Shinn war ein außergewöhnlicher Besitzer, und Gary Chouest war als Minderheiten-Eigner enorm unterstützend", lobte Stern die Vorgänger. "Aber in der augenblicklichen unsicheren wirtschaftlichen Situation, hat sich Gary dazu entschieden, Georges Anteile nicht zu kaufen."

Da es derzeit keinen Käufer gibt, der die Hornets in New Orleans belassen will, habe Stern dem NBA Board of Governors empfohlen einzuschreiten, "um die Stabilität und die ausreichende Finanzierung der Franchise weiterhin zu gewährleisten".

Als Aufsichtsperson setzt die Liga Jac Sperling, Vizepräsident des NHL-Klubs Minnesota Wild, ein. Sperling hatte zuletzt immer wieder bei den Verkäufen einer Franchise im Profi-Sport beratend zur Seite gestanden.

Gewisse Fragen drängen sich bei dem Deal auf. SPORT1 gibt Antworten.

Warum kauft die Liga die Hornets?

Noch-Besitzer Shinn kann sich den Klub nicht mehr leisten. Ein Verkauf an den Minderheiten-Eigner Chouset scheiterte im Mai, seitdem gibt es keine Interessenten für die Hornets.

NBA-Commissioner Stern will den Klub unbedingt in New Orleans halten und sichert sich der NBA das alleinige Recht, über den Käufer zu entscheiden. Zwar müssen die weiteren 29 Klub-Besitzer bei einem Kauf zustimmen, die Auswahl potentieller Käufer liegt aber allein bei Stern und der Liga.

Wie hoch ist der Kaufpreis?

Bei den gescheiterten Verhandlungen zwischen Chouest und Shinn soll sich der Kaufpreis für den 65-prozentigen Anteil Shinns in der Gegend von 300 Millionen Dollar bewegt haben.Wie hoch die Summe für die gesamten 100 Prozent ist, wurde bisher nicht bekanntgegeben. Rein rechnerisch würde sich der Kaufpreis bei rund 460 Millionen Dollar bewegen, allerdings gilt ein Summe von um die 300 Millionen als wahrscheinlicher.

Wer führt die Hornets weiter?

Das Tagesgeschäft leitet weiterhin Präsident Hugh Weber. Sperling hält sich raus, beaufsichtigt nur die Verhandlungen mit potentiellen Käufern.

Droht den Hornets der Umzug?

Zwar ist es Sterns Ziel, einerseits einen Umzug der Hornets zu verhindern, andererseits einen finanziell potenten Käufer zu finden. New Orleans und die Louisiana-Region gelten jedoch nicht als vielversprechender Markt. Als bessere Absatzmärkte haben mehrere Liga-Offizielle bereits Seattle, Kansas City und Anaheim ins Auge gefasst.

Zudem vereinfacht der Hallen-Deal mit dem Staat Louisiana einen Umzug. Für 10 Millionen Dollar können sich die Hornets aus dem bis 2014 laufenden Kontrakt herauskaufen, sollten sie bis zum 31. Januar 2011 keinen Zuschauerschnitt von 14.735 aufweisen. Derzeit liegt der Zuspruch bei durchschnittlich 13.860.

Allerdings reisen mit Meister Los Angeles Lakers, den Orlando Magic, Utah Jazz, Oklahoma City Thunder und San Antonio Spurs noch die derzeitigen Top-Teams nach New Orleans.

Wie betrifft der Kauf die Spieler?

Chris Paul gibt den Hornets ein Gesicht. Der Aufbauspieler soll den Klub für Käufer attraktiv machen. Daher gilt ein Trade als äußerst unwahrscheinlich, es sei denn die Klubführung hegt diesen Wunsch.

Weber schmetterte jedoch bereits im Sommer jegliche Trade-Anfragen der Klubs ab. Paul steht noch bis Ende der Saison 2011/2012 bei den Hornets unter Vertrag mit einer Option auf ein weiteres Jahr. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Paul selbst hatte die Trade-Spekulationen angeheizt, als er verkündet hatte, er könne sich einen Trade vorstellen, sollten die Hornets nicht in der Lage sein, sportlich und finanziell mit den Topklubs der NBA mithalten können.

Seither haben die Hornets ihren Kader mit mehreren Trades stark verändert, auch um unter die Luxussteuer-Grenze zu kommen. Dies haben sie umgesetzt, derzeit liegen die Hornets rund 4 Millionen unter der Gehaltsobergrenze.

Allerdings dürfte der Klub wegen der unsicheren Zukunft bei den begehrten Free Agents 2011 wie Carmelo Anthony, Caron Butler, Zach Randolph, Jason Richardson, Andrej Kirilenko oder Tayshaun Prince auf wenig Interesse stoßen. Zudem läuft bei David West der Vertrag nach der Saison aus. 315872(DIASHOW: Die Bilder der 6. NBA-Woche)

Die NBA und Sperling müssen sich also bemühen, möglichst schnell einen Käufer zu finden. Sonst gehen den Hornets die Topspieler aus, und Paul könnte schnell die Lust verlieren.

Was sagen Spieler und Trainer dazu?

Coach Monty Williams wollte ebenso wenig auf genaue Details eingehen wie seine Spieler. Er habe die Situation mit seiner Mannschaft vor der Partie besprochen, allerdings auch kaum Antworten auf die Fragen der Spieler parat gehabt.

"Ich werde die Fragen der Spieler sicher nicht an die Medien weitergeben. Das ist Privatsache", kündigte Williams nach dem Spiel in San Antonio an.

Paul hielt sich völlig zurück: "Ich versuche rauszufinden, wie uns die Spurs so den Hintern versohlen konnten. Ich kontrolliere nur das, was ich kontrollieren kann und das ist wie die Mannschaft spielt."

Allerdings schienen die Ereignisse Spuren hinterlassen zu haben. Die deutliche 25-Punkte-Klatsche, bei der insbesondere die ersten beiden Viertel völlig verschlafen wurden (23:34, 18:34), machte dies deutlich.

Gab es einen Kauf eines Klubs durch eine Liga schon einmal?

Ja. Im Februar 2002 kaufte die Major League Baseball die Montreal Expos von Jeffrey Loria ab. Erst vier Jahre später im Juli 2006 fand die Liga in Ted Lerner einen neuen Besitzer.

Während dieser Zeit bestritten die Expos - und später nach dem Umzug und die Umbenennung 2005 unter dem Namen Washington Nationals - als Besitz der MLB Spiele.

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