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Dirk Nowitzki kam 1999 aus Würzburg zu den Dallas Mavericks © getty

Nach der vierten Pleite ist bei den Mavs die Stimmung am Boden. Rick Carlisle, Dirk Nowitzki und Jason Kidd äußern sich kritisch.

Von Felix Götz

München - Nach der 92:103-Pleite bei den Los Angeles Clippers ist der katastrophale Saisonstart der Dallas Mavericks perfekt.

Dabei war Dirk Nowitzki vor der Saison überzeugt, dass seinen Mavs nicht viel zum Champion fehlt: "Ich will unbedingt den NBA-Titel gewinnen. Ich glaube, wir können eine gute Rolle spielen."

Jetzt wird bereits nach sechs Partien, vier Niederlagen und einem enttäuschenden vorletzten Platz in der Southwest Division deutlich: Es fehlt eine ganze Menge.

One-Man-Show Nowitzki

Ähnlich wie in der letzten Spielzeit bekommt Nowitzki bisher nicht die nötige Unterstützung, sondern muss zu oft als One-Man-Show die Geschicke der Mavericks steuern.

Auf Dauer ist der Deutsche allein mit seinen durchschnittlich 23,6 Punkten zu wenig. "Ich weiß nicht was los ist. Aber wenn man nicht hart arbeitet, dann hat man keine Chance", sagte der enttäuschte Würzburger nach der Niederlage gegen die bis dahin noch sieglosen L.A. Clippers.

In der Tat: Harte Arbeit, für die der neue Trainer Rick Carlisle doch eigentlich steht, sieht anders aus.

Ohne den nötigen Biss

Gegen die Clippers spielten die Mavs in der Verteidigung erneut ohne den nötigen Biss und vorne war außer von Nowitzki (33 Punkte) nicht viel Positives zu sehen.

"Wenn wir nicht punkten, dann müssen wir eben gut verteidigen. Das haben wir nicht geschafft", sagte Jason Kidd, der mit lediglich sieben Zählern auch nicht seinen besten Tag erwischte.

Den schwachen Auftritt in Los Angeles auf das Fehlen vom ohne Zweifel mit 17 Punkten im Schnitt wichtigen Josh Howard zu schieben, wäre zu billig.

Green ein guter Vertreter

Zumal dessen Vertreter Gerald Green 13 Punkte markierte und unter dem Korb als einer der wenigen mit 12 Rebounds harte Arbeit ablieferte.

Fakt ist: Die Handschrift des neuen Trainers ist bisher nicht zu erkennen. "Es zieht sich hin. Wir sind nicht da, wo wir sein wollten", gab Carlisle nach der Partie unumwunden zu.

In der jetzigen Verfassung sind die Mavericks nicht einmal ein Kandidat für die Playoffs.

Zu schwach besetzt

Was auch daran liegen könnte, dass Dallas für ihre Titel-Ambitionen einfach zu schwach besetzt ist. Neben Nowitzki ist Jason Terry (17,6 Zähler im Durchschnitt) noch der beste Scorer.

Das Problem beim 31-Jährigen ist: Ihm fehlt die Konstanz. 5 Punkte gegen Cleveland, 29 Zähler gegen San Antonio und 8 Punkte gegen die Clippers machen seine Leistungsschwankungen deutlich.

Die Mavericks brauchen einen weiteren konstanten Scorer, der Nowitzki unterstützt, um für die Gegner schwerer auszurechen zu sein.

Zu wenig einfache Punkte

Bisher erspielten sich die Mavs zu wenig einfache Punkte. "Wenn wir in Rückstand geraten, dürfen wir nicht überhastet abschließen. Wir müssen weiter den direkten Weg zum Korb suchen", ärgerte sich Carlisle schon nach der Niederlage gegen Denver über 35 Versuche von jenseits der Dreierlinie.

Zwar gehorchten seine Schützlinge und beließen es gegen die Clippers bei 18 Würfen, die Bilanz fiel allerdings mehr als ernüchternd aus.

Von 18 Dreiern versenkten die Mavs nur drei. Das macht 16,7 Prozent - eine unterirdische Quote.

Pistons machen es vor

Wenn es so weitergeht, dann werden die Mavericks sich überlegen müssen, ob sie noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen. Die Detroit Pistons und die Denver Nuggets haben es mit einem spektakulären Trade vorgemacht.

Die Pistons holten sich Allen Iverson aus Denver und schickten dafür Chauncey Billups, Cheikh Samb und Antonio McDyess zu den Nuggets.

Detroits Präsident Joe Dumas begründete den Wechsel auch damit, um festgefahrene Strukturen durcheinander zu wirbeln.

"Brauchen dritten Schützen"

Ein neuer Spieler könnte bei den Mavs einen ähnlichen Effekt bewirken und dazu beitragen, das neue System von Carlisle umzusetzen.

Immerhin forderte zuletzt selbst Nowitzki: "Wir brauchen einen dritten verlässlichen Schützen." Der 30-Jährige traut zwar eigentlich Terry diese Rolle zu, der konnte aber zumindest gegen die Clippers ganz ohne Dreier und mit einer Wurfquote aus dem Feld von 3 Treffern bei 15 Versuchen dieses Vertrauen nicht rechtfertigen.

Jetzt geht's gegen die Lakers

Ob Dallas bereits in der Nacht auf Mittwoch eine positive Wende einleiten kann darf bezweifelt werden. Dann geht es für Nowitzki Co. gegen die noch ungeschlagenen Los Angeles Lakers.

Aber vielleicht können die Mavs diesmal den Spieß umdrehen: Den Clippers bescherten die Mavericks ihren ersten Sieg.

Könnte ja sein, dass die Lakers dafür büßen müssen und ihre erste Niederlage kassieren.

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