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Paul Pierce wurde letzte Saison als Finals-MVP ausgezwichnet © getty

Paul Pierce dreht im letzten Viertel auf und führt Boston zum Sieg über Toronto. Kevin Garnett fühlt sich ans Kino erinnert.

Von Rainer Nachtwey

München/Boston - Kevin Garnett hatte die Antwort sofort parat. "Sie ist so heiß gelaufen, dass er sie jetzt kühlen muss", sagte der Power Forward mit einem Augenzwinkern.

Mit sie meinte Garnett die rechte Wurfhand von seinem Teamkollegen Paul Pierce, auf der ein Eisbeutel lag und die im Schlussviertel gegen die Toronto Raptors Akkordarbeit geleistet hatte.

Dank Pierce und seiner Hand gewannen die Boston Celtics ihr achtes Saisonspiel mit 94:87 gegen die Gäste aus Kanada. Es war bereits der siebte Erfolg in der laufenden Spielzeit für den Titelverteidiger.

Aufholjagd im letzten Viertel

Dabei sah es lange Zeit nicht danach aus, dass der Champ die zweite Niederlage verhindern könne.

Zur Halbzeit lagen die Celtics mit 36:48 hinten und nach drei Minuten im dritten Viertel waren es bereits 15 Zähler Rückstand.

Doch die Celtics holten auf und verkürzten bis zum Start der letzten zwölf Minuten auf 59:65.

Dann lief Pierce heiß. Nachdem Jason Kapono den Vorsprung der Raptors auf acht Zähler ausgebaut hatte, erzielte "The Truth" innerhalb der nächsten dreieinhalb Minuten acht Punkte, bereitete zudem den Slam Dunk von Leon Powe mustergültig vor und führte die Celtics auf einen Zähler heran.

Kino im TD Banknorth Garden

Doch damit war die Gala des 31-Jährigen noch lange nicht beendet. "Ich liebe es, wenn Clark Kent in die Telefonzelle geht und sich in Superman verwandelt", scherzte Garnett. "Und ich hatte den besten Platz in der ganzen Halle."

Nach einem Dreier-Duell zwischen Pierce, Ray Allen und Eddie House auf Seiten der Celtics sowie Jose Calderon und Anthony Parker für die Raptors, stand es 100 Sekunden vor Schluss immer noch ausgeglichen 84:84.

Doch dann riss Pierce das Spiel komplett an sich. Erst schnappte er sich nach einem Block von Kendrick Perkins gegen Jermaine O'Neal den Rebound und versenkte anschließend drei Würfe in Folge und holte zusätzlich einen weiteren Rebound. Die Partie war entschieden

"Es ist unglaublich", staunte Torontos Trainer Sam Mitchell. "Sicherlich ist er auch einige Male zum Korb gezogen, aber er hat viele Würfe aus fünf, sechs Metern Entfernung genommen, als die Gegner an ihm dranhingen."

O'Neal bei Fehleranlyse ratlos

Die letzten Punkte der Partie blieben Pierce vorbehalten. Mit seinen Zählern 21 und 22 im letzten Spielabschnitt stellte er von der Freiwurflinie den Endstand von 94:87 her.

Insgesamt kam der Small Forward auf 36 Punkte.

"Im letzten Viertel haben sie unglaublich gut getroffen", analysierte O'Neal. "Paul, Ray und die anderen sind unheimlich gut aufeinander abgestimmt. Wir müssen jetzt herausfinden, wie man die Jungs stoppt, damit es beim nächsten Mal klappt. Vor allem wenn man mit 15, 16 Punkten führt."

Nur Handgelenk bereitet Sorgen

Pierce selbst war erleichtert, dass er nach seiner zuletzt schwachen Wurfausbeute wieder zu gewohnter Treffsicherheit gefunden hatte. ?Das ist schon sehr angenehm. Ich hoffe, dass ich nach diesem Spiel die Form aufrecht halten kann. Aber es ist eine lange Saison und da werden solche Phasen sicherlich wieder kommen.?

Mehr Sorgen bereitet ihm sein Handgelenk. "Ich versuche nicht daran zu denken, aber es belastet mich schon ein wenig. Ich habe es mir vor einer Woche verstaucht. Deshalb behandeln wir es jetzt mit Eis."

Wenn Pierce unter Schmerzen und in einer schlechten Phase schon so eine Gala abliefert, können sich die Fans im TD Banknorth Garden bereits auf die nächsten Wochen freuen.

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