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Peja Stojakovic war 1998 MVP der griechischen Liga © getty

Für die Verpflichtung von Peja Stojakovic sind die Mavericks verspottet worden. Doch der Serbe stopft den Kritikern den Mund.

Von Eric Böhm

München - Predrag Stojakovic verpflichten? Gute Idee, hieß es vor einem Monat.

Mark Cuban möge da aber bitte noch nachlegen: "Hol doch auch noch Vlade Divac, Chris Webber, Jason Williams und Doug Christie", riet ihm ein Internet-Kritiker.

Der hämische Vergleich mit diesen vier Namen verdeutlichte, als was die meisten Beobachter den serbischen Neuzugang der Dallas Mavericks sahen: als einen "Has-Been", einen Gewesenen. Eine zu alte und verletzungsanfällige Verschwendung eines Kaderplatzes.

Die Beobachter irrten: Der Serbe erlebt in Texas nach einem etwas holprigen Einstand seinen gefühlten vierten Frühling - und hat großen Anteil daran, dass die Mavericks wieder in der Erfolgsspur sind.

"Der alte Peja"

Nicht nur Dirk Nowitzki fühlte sich nach dem Spiel gegen Utah an den alten Stojakovic erinnert, der zwischen 2002 und 2004 dreimal in Folge am All-Star Game teilnahm.

"Das war heute der alte Peja. Deshalb haben wir ihn verpflichtet", lobte Nowitzki seinen neuen Teamkollegen.

Im Auswärtsspiel gegen sein Ex-Team in Toronto (ab 0 Uhr LIVESCORES) will er an diese Leistung anknüpfen. (Auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

Stojakovic denkt an Sacramento

Gegen die Jazz verwandelte der 33-Jährige vier von fünf Dreiern, markierte 18 Punkte und fühlte sich selbst an seine Glanzzeit in Sacramento erinnert.

"Damals hatten wir ein ähnlich gutes Team mit vielen selbstlosen Spielern, die immer den besser postierten Mann suchten", sagte Stojakovic. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

In den letzten vier Partien punktete er jeweils zweistellig und Dallas blieb mit starken 113 Zählern pro Partie ungeschlagen. Seit seinem Debüt gab es nur eine Pleite.

"Wir haben ein unglaublich ausgeglichenes Team. Jeder ist in der Lage, Spiele zu entscheiden. Da ist es für mich einfach mitzuwirken", gibt sich Stojakovic bescheiden.

Kritik nach der Verpflichtung

Dass er so stark aufspielt, verblüfft.

Schließlich hatte Stojakovic immer wieder mit immensen Knieproblemen zu kämpfen, die Toronto Raptors hatten ihn gerade entlassen und die Dreierquote des Scharfschützen sackte in den vergangenen kontinuierlich ab.

Da klang Teampräsident Donnie Nelsons markante Ankündigung ("Er muss bewacht werden, sobald er die Halle betritt") wie das berühmte Pfeifen im Walde.

"Einer der Besten"

Doch die Nummer vier der ewigen Dreierrangliste der NBA erweist sich nun immer mehr als Volltreffer.

Seit sieben Partien steht er nun in der Startformation und entwickelt speziell nach dem All-Star-Break eine immer bessere Chemie mit seinen Teamkollegen. Im Schnitt kommt er auf 15,5 Punkte.

In der Pause arbeitete der zweimalige Weltmeister in New Orleans, wo seine Familie nach wie vor wohnt, intensiv an seiner Fitness.

"Er hat seinen Rhythmus gefunden. Er ist einer der besten fünf, sechs Schützen aller Zeiten. Wenn wir ihm offene Würfe ermöglichen, wird er sie reinmachen", ist sich Coach Rick Carlisle sicher.

Carlisle lobt Schützling

Der Disziplinfanatiker schätzt sogar Stojakovics Einsatz in der Verteidigung, obwohl er noch nie als Defensivspezialist bekannt war.

"Peja zeigt in der Abwehrarbeit großen Einsatz und spielt sehr clever. Er kennt das System und kommt damit gut zurecht", sagt Carlisle, der den Forward bereits in Indiana trainierte.

Zudem ist der Forward auch wirtschaftlich ein echtes Schnäppchen, verdient er doch das sogenannte "Veterans Minimum" von etwa 1,3 Millionen Dollar.

System kommt ihm entgegen

Die "Free-Flow-Offense" der Mavericks kommt dem Routinier besonders gelegen. Es wird nicht jeder einzelne Spielzug von Coach oder Point Guard vorgegeben. Stattdessen vertrauen die Spieler auf ihre Instinkte und können sich frei bewegen.

"Es kommt mir wirklich entgegen. Mit Jason Kidd oder Dirk haben wir erfahrene Spieler. Also kann ich mich ein bisschen verstecken und mir Freiräume erarbeiten", erklärt Stojakovic.

In Dallas hat er eine neue Heimat gefunden und fühlt sich pudelwohl.

Das Einzige, was ihm in seiner langen NBA-Karriere noch fehlt, ist eine Meisterschaft. Ein Makel, den Stojakovic und die Mavericks nur allzu gern tilgen würden.

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