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Derrick Rose ist bereits zweimaliger NBA-All-Star © getty

Derrick Rose ist der erste Youngster, der in Chicago mit Jordans Schatten fertig wird. Sogar gegnerische Fans feiern ihn.

Von Eric Böhm

München - Die Szenerie in der Hauptstadt hatte dem zurückhaltenden Protagonisten einen Schauer über den Rücken gejagt.

Beim 105:77-Sieg seiner Chicago Bulls bei den Washington Wizards wurde Derrick Rose von nahezu der gesamten Halle mit unüberhörbaren "MVP"-Sprechchören minutenlang gefeiert.

"Es ist schon ziemlich verrückt, auswärts so angefeuert zu werden. Ich liebe es", meinte der 22-Jährige.

Als die Bulls den Guard im NBA-Draft 2008 mit dem ersten Pick in seine Heimatstadt zurückholten, konnten die Verantwortlichen seine rasante Entwicklung nur erträumen. (Auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

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Traum wird wahr

Dass sie Rose überhaupt bekamen, war ein Lotteriegewinn in jedem Sinne des Wortes.

Denn in der NBA wird die Draft-Reihenfolge zwischen den Teams, die es nicht in die Playoffs schaffen, tatsächlich ausgelost.

Chicago hatte damals eine Chance von 1,7 Prozent den ersten Pick zu ergattern und damit den Wunschkandidaten einer gesamten Stadt zu verpflichten: Ein 19 Jahre alter Sohn der Stadt mit dem Spitznamen "Pooh" - als babybespecktes Kleinkind hatte er seine Großmutter an Comic-Bär Winnie Puh erinnert.

"Ein Traum ist für mich wahr geworden. Ich werde in der NBA spielen - und dann auch noch in meiner Stadt. Ich kann es kaum glauben", sagte D-Rose damals bei seiner Vorstellung.

Jordan als Vorbild

Sein großes Vorbild war von Kindesbeinen an der große Michael Jordan. Deshalb trug er in der High School und am College in Memphis dessen Nummer 23.

Mit den Memphis Tigers schaffte er es unter dem ehemaligen NBA-Coach John Calipari im Übrigen bis ins Finale der College-Meisterschaft und scheiterte erst in der Verlängerung an Kansas.

Bei den Bulls angekommen sah sich der Hometown-Hero schon früh mit den unendlich großen Fußstapfen von "His Airness" konfrontiert - und einer beklemmend langen Liste an hoffnungsvollen Talenten, die dort an dem Erwartungsdruck, der neue Jordan zu werden, gescheitert waren.

Rose machte es besser - von Anfang an: Als erster Neuling seit Jordan punktete er schon in seinen ersten zehn Spielen durchgehend zweistellig. Dass am Ende der Titel als Rookie des Jahres stand - Ehrensache.

Der große "Poohdini"

Mittlerweile hat sich der Weltmeister von 2010 als Superstar etabliert: Als Spitzname gebräuchiger ist mittlerweile "The Great Poohdini".

Die Art und Weise, wie er Spielfeld und Fans mit seinen Dribblings, Zauberpässen und eleganten Zügen zum Korb entfesselt, bietet auch viele Gründe für den Vergleich mit dem legendären Zauber-Genie Harry Houdini.

Rose ist mehr als nur ein Top-Ten-Scorer (fast 25 Punkte pro Partie). Er sammelt in dieser Saison im Schnitt auch über acht Assists.

"Derrick ist ein ganz besonderer Spieler, der schon in jungen Jahren erstaunliche Führungsqualitäten aufweist", adelte ihn Jordan bereits.

In der Tat trägt er nicht nur die Nummer eins auf dem Trikot, sondern ist in den entscheidenden Situationen auch der "Go-to-Guy" seines Teams.

Bulls gehören zur Elite

Nicht wenige Experten trauen den Bulls deshalb schon jetzt den ganz großen Wurf zu.

Immerhin hat die Truppe von Coach Tom Thibodeau in der Eastern Conference Tuchfühlung zur Spitze. Im bisherigen Saisonverlauf gelangen Siege gegen die Spitzteams Miami (zweimal), San Antonio Spurs und Los Angeles Lakers.

Das großartige Spiel von Rose ist der Hauptgrund für den Höhenflug der Bulls, die bereits zum jetzigen Zeitpunkt mit so viele Siege feiern konnten, wie in der gesamten letzten Saison (41).

Neue Dynastie?

Besitzer Jerry Reinsdorf und Manager Gar Forman haben um ihren Point Guard ein Team geformt, dass an die Glanzzeiten der Jordan-Dynastien anknüpfen könnte.

Mit Eigengewächsen wie Rose, Joakim Noah, Luol Deng oder Taj Gibson, sowie der Verpflichtung von etablierten Größen wie Carlos Boozer wurde eine richtige Mischung gefunden.

Egal wie weit Chicago in den Playoffs auch kommen wird, noch viele Fans werden "MVP" Rufen, wenn sie den großen "Poohdini" erblicken.

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