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P.J. Carlesimo ist seit dem 31. Mai 2010 für die Toronto Raptors tätig © getty

P.J. Carlesimo ist ein NBA-Veteran. Bei SPORT1 spricht der Assistenzcoach der Raptors über Nowitzki und eine Franchise in Europa.

Aus London berichtet Rainer Nachtwey

London - P.J. Carlesimo kennt die ganz großen der NBA-Geschichte.

Ob Michael Jordan, Larry Bird, Magic Johnson oder Charles Barkley, der mittlerweile 61 Jahre alte Assistenztrainer der Toronto Raptors hat mit ihnen bereits gearbeitet.

1992 betreute er an der Seite von Head Coach Chuck Daly das "Dream Team" bei den Olympischen Spielen. (Auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

Über 30 Jahre Trainer-Erfahrung, darunter drei Titel mit den San Antonio Spurs als Co von Gregg Popovich zwischen 2002 und 2007, weist Carlesimo auf.

Und auch Dirk Nowitzki kennt der Basketball-Guru, der unter anderem auch in Italien, dem ehemaligen Jugoslawien und Puerto Rico Teams trainierte, sehr gut.

"Ich würde Dirk als einen guten Freund bezeichnen", sagt Carlesimo zu SPORT1. "Was er geleistet hat, ist sehr beeindruckend. Er hat sicherlich großen Anteil daran, dass die NBA auch in Deutschland so populär ist."

Im Interview mit SPORT1 spricht der ehemalige Head Coach der Portland Trail Blazers, Golden State Warriors und Seattle SuperSonics über die Vorreiterrolle des "Dream Teams", die Aussichten auf eine NBA-Franchise in Europa, Dirk Nowitzki und die Titelchancen der Dallas Mavericks.

SPORT1: Mister Carlesimo, als Sie vor 30 Jahren ihre Trainer-Karriere begannen, haben Sie sich damals vorstellen können, dass ein reguläres Saisonspiel in Europa ausgetragen werden könnte?

P.J. Carlesimo: Nein. Ich habe zwar zu Beginn meiner Karriere in den Sommermonaten viel im Ausland trainiert. In Italien, dem ehemaligen Jugoslawien, in Puerto Rico, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass die NBA so internationale Ausmaße annimmt. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

SPORT1: War 1992 mit dem "Dream Team" bei den Olympischen Spielen in Barcelona der Knackpunkt zu dieser Entwicklung?

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Carlesimo: Wir hatten nicht erwartet, dass es ein solches Medienaufkommen erzeugen würde. Wir wussten, dass es mit diesen Spielern etwas Besonderes werden würde. Bereits die Woche zuvor, als wir in Monte Carlo trainierten, nahmen wir das wahr. Das war sehr gut für den Basketball auf der ganzen Welt. Das hat die Olympischen Spiele und den Basketballsport noch einmal neu aufleben lassen. Danach wagten viele europäische Spieler den Sprung in die NBA, spielten sehr erfolgreich und machten die Liga um einiges bekannter.

SPORT1: Wie hat sich das bemerkbar gemacht?

Carlesimo: Meine ersten beiden Spiele, die ich in der NBA gecoacht habe, fanden in Japan statt. Mit den Trail Blazers waren wir zu Vorbereitungsspielen gegen die Clippers in Yokohama. Das muss 1994 gewesen sein. Dann war ich mit den Spurs in Europa. Die NBA unternahm viel, um die Popularität zu steigern.

SPORT1: Können Sie sich vorstellen, dass es in Zukunft eine Europa Division mit NBA-Franchises geben wird?

Carlesimo: Es hatte ja auch niemand damit gerechnet, dass wir hier Regular-Season-Spiele austragen würden. Die Leute reden immer wieder davon. Hoffentlich bin ich dann noch Trainer, wenn es einmal so weit ist, dass wir europäische NBA-Teams haben.

SPORT1: Sie haben die vielen internationalen Spieler in der NBA angesprochen: Die Raptors sind ja geradezu ein Paradebeispiel mit einem Spanier, einem Italiener, einem Franzosen, einem Brasilianer, einem Litauer. Warum ist das ausgerechnet in Toronto so?

Carlesimo: Ich denke, es gibt zwei Gründe dafür. Einmal, dass wir ein kanadischer Klub sind und wir dadurch eine Art Vorreiterrolle innehaben. Zum anderen, weil wir sehr großen Erfolg mit internationalen Spielern hatten und haben. Das gehört zu unserer Philosophie. Mir gefällt es sehr gut, mit diesen unterschiedlichen Typen zusammenzuarbeiten. Daher finde ich es umso besser, dass wir hier in London die NBA vertreten.

SPORT1: Für uns deutsche Medien nimmt Dirk Nowitzki einen besonderen Stellenwert ein. Was halten Sie von ihm?

Carlesimo: Ich kenne ihn schon sehr lange und würde ihn als guten Freund bezeichnen. Er gehört definitiv zu den fünf besten Spielern in der Liga. Jedes Team würde sich glücklich schätzen, ihn bei sich zu haben. Er ist ein großartiger Repräsentant seines Landes. Wir haben ja erst vor ein paar Tagen gegen ihn gespielt. Ich mag ihn wirklich gerne. Was er geleistet hat, ist sehr beeindruckend. Er hat sicherlich großen Anteil daran, dass die NBA auch in Deutschland so populär ist.

SPORT1: Wie sehen Sie denn seine Meisterschaftschancen mit den Dallas Mavericks?

Carlesimo: Die hat er ganz bestimmt. Die Mavericks gehören zur Gruppe der vier, fünf besten Teams dieses Jahr. Die Mavs sind sehr ausgeglichen und tief besetzt. Also, er hatte richtig gute Aussichten, dass sich der Meistertraum dieses Jahr erfüllt.

SPORT1: Wen zählen Sie denn noch zu den vier, fünf Teams?

Carlesimo: Die Lakers, San Antonio, die Boston Celtics, Miami. Und vielleicht schließen Chicago und Orlando noch zu dieser Gruppe auf. Aber eines dieser Teams wird den Titel holen.

SPORT1: Was halten Sie denn von den neuformierten Knicks? Sind Sie durch den Carmelo-Anthony-Trade eine weitere Mannschaft, die man dazuzählen muss?

Carlesimo: Das ist ein sehr gutes Team, das wird ein sehr starkes Team in der kommenden Saison werden. Sie haben sich sehr gut verstärkt. Aber sie sind jetzt noch nicht soweit, um es mit diesen Mannschaften aufzunehmen und eine Meisterschaft zu gewinnen.

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