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Derrick Rose wurde 2008 an 1. Stelle von den Chicago Bulls gedraftet © getty

Chicago erobert seit 13 Jahren wieder Platz eins im Osten. Dabei lässt es sich nicht einmal von einer Block-Parade aufhalten.

Von Rainer Nachtwey

München/Chicago - Lang ist es her. Es war der 18. April 1998.

Die Chicago Bulls um Michael Jordan und Scottie Pippen hatten sich gegen die New York Knicks mit 111:109 durchgesetzt und zogen mit ihrem 62. Saisonsieg als Nummer eins der Eastern Conference in die Playoffs ein.

Nach 12 Jahre und 331 Tage später stehen die Bulls erstmals wieder an der Spitze im Osten. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Chicagos großer Hoffnungsträger heißt nicht mehr Michael Jordan, sondern Derrick Rose.

Dank des MVP-Kandidaten besiegte die Mannschaft aus der "Windy City" die Washington Wizards mit 98:79 (50:46) und löste mit dem 48. Saisonsieg bei 18 Niederlagen die Boston Celtics (47:18) an der Tabellenspitze ab.

Vertrauen in jeden Einzelnen

"Wir haben eine großartige Truppe", meinte Keith Bogans, der mit 17 Punkten seinen persönlichen Höchstwert im Bulls-Trikot erzielte. "Wenn einer ausfällt, springen die anderen ein."

Und auch Rose sah hierin den Erfolgsweg. "Wir spielen mit viel Einsatz. Jeder, der auf dem Platz stand hat geholfen. Wir haben in jeden Einzelnen Vertrauen."

Erster Dreier seit 6 Jahren

Dies war vor allem auf Chicagos "Big Men" bezogen. Nachdem Joakim Noah und Carlos Boozer aufgrund einer Grippe bzw. einer Sprunggelenksverletzung nicht zur Verfügung standen, sprangen Kurt Thomas und Taj Gibson in die Bresche.

Thomas konnte es mit der Punkteausbeute der beiden nicht aufnehmen, wichtiger war aber seine Arbeit am Brett. Neben 8 Zählern schnappte sich Thomas 15 Rebounds.

Zudem gelang dem 38 Jahre alten Oldie ein seltenes Kunststück. Mit der Halbzeitsirene versenkte er seinen ersten Dreier seit April 2005.

Bulls dominieren die Bretter

Und auch Gibson überzeugte mit 9 Punkten und 13 Boards.

Trotz des Ausfalls der beiden Frontcourt-Starter dominierten die Bulls die Bretter. 51:42 Rebounds und 24:10 Zweite-Chance-Punkte belegten dies auch statistisch.

12 Blocks von McGee

Dabei gab Washingtons JaVale McGee sein Bestes, um die Bulls vom Korb wegzuhalten.

Der Center erzielte mit 11 Punkten, 12 Rebounds und 12 Blocks ein äußerst seltenes Triple-Double. (STATISTIK: Die Tagesbesten)

Dem letzten Spieler, dem 12 Blocks in einer Partie gelangen war Torontos Keon Clark vor fast exakt zehn Jahren am 23. März 2001.

"Ich hatte bereits im ersten Viertel drei, deshalb habe ich versucht im zweiten auch noch mal drei zu schaffen. Zur Halbzeit waren es dann sieben, deshalb waren 14 mein Ziel", verriet McGee sein Erfolgsrezept.

"Für mich ist es einfach gelaufen. In der zweiten Halbzeit hatten sie schon Angst vor mir und zögerten dabei, zum Korb hochzusteigen. Dadurch fiel mir das Blocken noch leichter."

Bol bleibt Washingtons Nummer eins

Den Klubrekord verpasste McGee dennoch. 1987 gelangen dem im Juni verstorbenen Manute Bol 15 für die damaligen Bullets.

Immerhin steht McGee nun in den Rekordbüchern der Bulls. Es waren die meisten Blocks eines Spielers gegen Chicago in einem regulären Saisonspiel.

Wizards auf Kings-Spuren

Doch auch McGee konnte Washingtons 30. Auswärtsniederlage der Saison nicht verhindern. Den Wizards droht nun die Einstellung eines zweifelhaften Rekords.

Erst ein Team verlor seit Einführung des 82-Spiele-Spielplans 1967/68 40 Saisonspiele: Die Sacramento Kings 1990/91.

Derzeit stehen die Wizards bei 1:30.

Indiana Pacers - New York Knicks 119:117 (57:54)

Eine Niederlage setzte es auch für die New York Knicks. Bei den Indiana Pacers verlor die Mannschaft um das neue Traum-Duo Carmelo Anthony/Amare Stoudemire mit 117:119 (54:57).

Danny Grangers Wurf in der Schlusssekunde besiegelte die dritte Neiderlage der Knicks in Serie und die zweite gegen Indiana innerhalb von zwei Tagen.

Schwache Verteidigung

"Das fühlt sich schlecht an. Wir wissen, dass wir irgendwie ins Laufen kommen müssen", meinte Shawne Williams. "Ich habe das Gefühl, jeder von uns müsste in den Spiegel sehen und seine Einstellung überprüfen. Wir müssen mit mehr Stolz verteidigen."

Eine Verteidigung fiel den Knicks insbesondere gegen Tyler Hansbrough nicht ein. Dem Power Forward gelang mit 30 Punkten ein neuer Karriere-Bestwert.

Bereits am Sonntag hatte er mit 29 Zählern einen persönlichen Rekord aufgestellt.

Nichts gelernt

"Wir alle wissen, zu was er fähig ist. Wir haben uns einfach nicht darauf eingestellt, unsere Verteidigung angepasst. Vor allem nach dem Spiel im Garden hätten wir das aber müssen", sagte Anthony, der mit 29 Punkten New Yorks Bester war.

Hansbrough hatte eine einfache Erklärung für seine gute Leistung: "Ich liebe New York. Vielleicht fällt es mir deshalb so leicht, gegen die Knicks gut zu spielen."

Atlanta Hawks - Milwaukee Bucks 110:85 (55:39)

Die Milwaukee Bucks haben nach dem Debakel in Boston ihre zweite Klatsche innerhalb von zwei Tagen kassiert. Bei den Atlanta Hawks ging die Mannschaft aus Wisconsin mit 25 Punkten unter.

Für Atlanta war Joe Johnson mit 36 Punkten bester Werfer, Josh Smith gelang mit 17 Zählern und 14 Rebounds ein Double-Double.

Bei den Bucks wusste lediglich der australische Center Andrew Bogut mit 21 Punkten und 13 Rebounds zu überzeugen.

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