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Carmelo Anthony spielte von 2003 bis Februar 2011 für die Denver Nuggets © getty

Die Euphorie bei den Knicks hat sich längst gelegt. Die Bilanz nach dem Anthony-Trade fällt negativ aus, das Zusammenspiel hakt.

Von Olaf Mehlhose

Durch die Verpflichtung von Carmelo Anthony wähnten sich die New York Knicks im Konzert der ganz Großen angekommen.

Und der 91:86-Sieg über die Miami Heat wenige Tage nach dem großen Trade weckte sogar Titel-Hoffnungen

Doch spätestens nach der Niederlage gegen die Boston Celtics ist beim Team vom Big Apple Ernüchterung eingekehrt.

New Yorks Bilanz nach dem Anthony-Wechsel fällt bislang negativ aus.

Seit der 26-Jährige in New York anheuerte, gewannen die Knickerbockers gerade mal sieben von 16 Partien.

Hohe Playoff-Hürden warten

Zwar liegt das Team von Mike D'Antoni erstmals seit sieben Jahren auf Playoff-Kurs. Dort würde der zweimalige NBA-Champion nach derzeitigem Stand allerdings auf Boston oder die Chicago Bulls treffen. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

In der augenblicklichen Verfassung eine fast unlösbare Aufgabe.

Anthony macht sich keine Sorgen

Ziel muss es sein, die Philadelphia 76ers noch von Platz sechs im Osten zu verdrängen. Dann würde es in der ersten Playoff-Runde vorraussichtlich gegen die Miami Heat gehen.

"Miami Thrice" scheint New York besser zu liegen als die defense-orientierten Teams aus Chicago und Boston. Immerhin wurden aus den letzten zwei Partien zwei Siege eingefahren.

"Wir haben ungefähr einen Monat, um uns in Form für die Playoffs zu bringen", sagte Anthony: "Es ist manchmal frustrierend zu verlieren, doch solange wir es bis zu den Playoffs schaffen, bin ich nicht besorgt."

Noch keine Einheit

Doch auch der viermalige All-Star kann nicht versprechen, dass es den Knicks noch in dieser Spielzeit gelingt, ein Team zu formen:

"Auch wenn jeder 100 Prozent gibt, könnte es bis zur nächsten Saison dauern. Im Moment ist es wichtig eine Einheit zu formen. Aber bis alles genauso läuft, wie wir es wollen, dürfte es einige Zeit in Anspruch nehmen."

Kritik wird laut

Mit Zeit ist es im hektischen Umfeld von New York jedoch so eine Sache. Insbesondere Anthony steht unter immensem Druck.

Nach sechs Niederlagen aus den vergangenen sieben Spielen werden nun auch wieder die Stimmen laut, die bereits nach dem Megatrade unkten, dass die Knicks zu viel für den Superstar aufgegeben haben.

Drei Millionen US-Dollar, vier Spieler, einen First-Round-Pick sowie zwei Second-Round-Picks gab New York dafür ab.

Führungsrolle statt Scorer

Fakt ist: Trotz einiger guter Auftritte ist Anthony noch nicht hundertprozentig in das Spiel der Knicks integriert.

In New York wird von ihm mehr denn je erwartet, eine Führungsrolle zu übernehmen, anstatt ein reiner Scorer zu sein.

"Hat Anthony realisiert, dass er in der Lage sein muss, seine Mitspieler besser zu machen und die Mannschaft mit den immateriellen Qualitäten eines Championship-Teams auszustatten?", fragte die "New York Times".

Knicks leicht auszurechnen

Tatsächlich schafft es Melo bisher nicht, das Niveau seiner Teamkollegen zu erhöhen.

Der Small Forward ist zwar in jeder Partie für rund 25 Punkte gut, doch gleichzeitig schränkt er die Ball-Zirkulation im Angriffsspiel ein. Dadurch ist New York leichter auszurechnen ? und leichter zu schlagen.

Gegen die knüppelharte Defense der C?s zeigte sich dies vor allem im Schlussabschnitt: Sowohl Anthony als auch "STAT" versenkten keinen einzigen Wurf aus dem Spiel - die Knicks gingen in der entscheidenden Phase mit 4:23 unter.

Stoudemire kritisiert Anthony

"Wir müssen Mike D?Antonis System noch besser verinnerlichen - es funktioniert", sagte Stoudemire: "Vor dem Trade haben wir gezeigt, dass es geht, und es sollte auch mit den neuen Spielern machbar sein. Für die meisten ist es neu, aber es ist nur eine Frage der Zeit."

Ohne dass der 28-Jährige jemanden direkt ansprach, war klar, dass es sich um eine eindeutige Aufforderung an Anthony handelte.

Denn das D?Antoni-Team ist auf das Funktionieren seiner Offensive angewiesen, Defense wird den Knicks - gerade gegen die Top-Teams - nur wenige Spiele gewinnen.

Rivers verbreitet Hoffnung

Celtics-Coach Doc Rivers macht den Knicks etwas Hoffnung: "Sie sind jetzt besser. Auf dem Papier - und früher oder später auch auf dem Feld. Aber hoffentlich erst in zwei oder drei Jahren."

Aber: Solange wird in New York sicherlich niemand warten wollen.

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