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Dirk Nowitzki (2.v.l.) wurde 2007 als MVP ausgezeichnet © getty

Robert Horry rechnet bei SPORT1 mit einem wertvollsten Spieler aus Chicago oder Miami. Nowitzkis starke Leistungen spielt er herunter.

Von Rainer Nachtwey und Olaf Mehlhose

München - Das Publikum feiert ihn.

"M-V-P, M-V-P" hallt es durch das Target Center von Minnesota.

Kevin Love steht an der Freiwurflinie, seine Gesichtszüge leicht grimmig, angestrengt. Die Rufe gelten ihm.

Nur wenige Minuten zuvor hat er mit einem Dreier einen neuen Rekord aufgestellt.

Keinen neuen Rekord der NBA-Statistik-Freaks a la die meisten Pässe in einem dritten Viertel mit der linken Hand bei einem Auswärtsspiel nördlich des 44. Breitengrads, sondern einen, der seit 32 Jahren bestand. Die meisten Double-Doubles in Serie.

Loves Problem heißt Minneosta

Mit dieser Leistung wäre Kevin Love ein absoluter MVP-Kandidat. 20,3 Punkte und 15,4 Rebounds gelingen dem Power Forward im Schnitt bei Spielen seiner Minnesota Timberwolves.

Und hier liegt das Problem: Minnesota Timberwolves. Der Klub aus Minneapolis streitet sich erneut aufs Heftigste mit Sacramento, Washington und Cleveland um den letzten Platz der NBA.

"MVP wird derjenige, dessen Mannschaft die beste Bilanz hat", vereinfacht es Andrea Bargnani bei SPORT1.

Kein Spur ein MVP-Kandidat

Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn geht man rein nach dieser Statistik, müsste ein Akteur der San Antonio Spurs MVP werden. Bei noch neun ausstehenden Spielen und drei Siegen Vorsprung ist ihnen der Titel des Vorrunden-Meisters kaum noch zu nehmen (DATENCENTER: Alle Ergebnisse).

Aber mehr als eine kurze Erwähnung eben aufgrund dieser Tatsache erhalten Manu Ginobili, Tony Parker und Tim Duncan, die drei Granden der Spurs, nicht.

Spieler votieren für Rose

Vielmehr bestimmt derzeit der Name Derrick Rose alles. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein Spieler, Trainer, ehemaliger Spieler oder Funktionär den Point Guard der Chicago Bulls in den Himmel lobt und zum neuen MVP ausruft. (STATISTIK: Die Tagesbesten)

"MVP. Er ist mein MVP", sagte Zach Randolph nach der Niederlage seiner Memphis Grizzlies gegen Roses Bulls.

"Er hat sie die gesamte Saison getragen. Er ist der dominanteste Spieler, gegen den wir dieses Jahr gespielt haben. Meine Stimme als MVP hat er", sagte Danny Granger nach dem Erfolg nach Overtime gegen die Bulls.

Journalisten wählen

Allerdings lehnt sich Granger mit dem Versprechen, seine Stimme Rose zu geben, weit aus dem Fenster: Er kann das nämlich gar nicht.

Der MVP wird von einem ausgewählten Journalisten-Kreis gewählt, die ihre Stimme bis zum 14. April, dem letzten Spieltag der Regular Season abgeben müssen.

Spieler, Trainer, Funktionäre, sie alle haben nichts zu entscheiden, daher verkommen die Äußerungen zu einer Art Wahlkampf.

Jordan spricht sich für Rose aus

Wahlkampf betreibt Rose selbst mit seinen Leistungen genug. Zuletzt gegen die Milwaukee Bucks mit 30 Punkten und einer Karriere-Bestleistung von 17 Assists.

Chicagos Point Guard zeigt vor allem kurz vor Abgabe der Stimmen seitens der Journalisten seinen besten Basketball und erhält prominente Fürsprecher wie Bulls-Legende Michael Jordan oder Lakers-Coach Phil Jackson.

"Er hat im wahrsten Sinne des Wortes das Team getragen als Boozer und Noah ausgefallen sind", meint Jackson.

Howard und James als Konkurrenten

Rose hat andere Namen auch dank seiner Fürsprecher aus dem MVP-Rennen verdrängt. Als härteste Konkurrenz gelten Dwigth Howard und LeBron James.

Kobe Bryant? Der vor der Saison als MVP gehandelte Kevin Durant? Dirk Nowitzki? Sie alle spielen in den amerikanischen Medien nur eine Nebenrolle.

"Nowitzki kein MVP-Kandidat"

"Dirk spielt sicherlich eine überdurchschnittliche Saison. Aber in meinen Augen ist er kein MVP-Kandidat. Er spielt eine typische Dirk-Saison. Er ist ein Top-10-Player, aber kein MVP-Player. Es gibt andere, die ich vorne sehe", sagt auch Robert Horry bei SPORT1.

Der Tipp des siebenmaligen NBA-Champions: " Derrick Rose oder LeBron James - trotz Wade und Bosh in Miami. Die Jungs spielen auf einem sehr hohen Niveau."

"Dwight beeinflusst das Spiel mehr"

Ein weiterer Fürsprecher für Rose - etwas, das Orlandos Coach Stan Van Gundy missfällt.

"Ich glaube nicht, dass es ein offenes Rennen ist. Es hat den Anschein, als hätten die Medien ihre Entscheidung bereits getroffen, und sie sind diejenigen die abstimmen", sagt der Trainer des Ost-Vierten und ergreift Partei für seinen Center Dwight Howard.

"Ich habe das bereits zuvor gesagt. Mit seinen Rebounding, seinem Scoring und seiner Defense ist Dwight unerreicht", erklärte van Gundy: "Derrick war großartig, ich habe kein Problem damit, wenn er MVP wird. Er hat die Bulls im Osten an die Spitze geführt, aber ich glaube immer noch, dass Dwight das Spiel mehr beeinflusst."

Ewing lobt Howard

Sein Assistent, der elfmalige All-Star Patrick Ewing, vertritt die gleiche Ansicht.

"Alle sprechen nur über Derrick Rose. Ich will seine Leistung nicht schmälern, er hat ein fantastisches Jahr, aber sie müssen auch Dwight Howard auf der Rechnung haben. Wer weiß, wo die Magic ohne ihn ständen."

"Nowitzki hat den Power Forward revolutioniert"

Gleiches gilt für die Mavericks und Nowitzki. Wo die Texaner ohne den Würzburger ständen lässt das 2:7-Desaster während Nowitzkis Kniverletzung Ende Dezember bis Mitte Januar vermuten. (STATISTIK: Der SPORT1-Nowitzki-Watch)

Sein ehemaliger Coach Avery Johnson schwärmt bei SPORT1 immer noch in höchsten Tönen von Nowitzki. "Er ist einer der besten Power Forwards, der jemals gespielt hat. Er hat die Position revolutioniert. Wie er werfen kann, wie er mit dem Ball umgehen kann, und vor allem seine Würfe aus der Halbdistanz", sagt Johnson, unter dem Nowitzki 2007 die Auszeichnung zum wertvollsten Spieler erhielt.

Über 80 Prozent Siege

Wie wertvoll Nowitzki für die Mavericks ist, hielt Philadelphias Trainer Doug Collins nach der Heimniederlage seiner 76ers Anfang März fest: "Dirk hat einen unglaublichen Einfluss auf das Team. Ich glaube seine Bilanz ist 42:9, wenn er spielt (mittlerweile 50:14, Anm. d. Red.) wenn er spielt. Mit ihm gewinnen die Mavericks also über 80 Prozent ihrer Spiele."

Für Collins ein eindeutiges MVP-Argument.

Dieses haben nicht einmal Rose und James zu bieten. Und Love schon gar nicht.

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