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Jason Kidd (M.) blieb mit 9 Punkten und 5 Assists in Spiel 4 blass © getty

Dallas gibt in Spiel 4 einen 23-Punkte-Vorsprung aus der Hand. Im Schlussabschnitt bestaunen die Spieler die "Brandon Roy Show".

Von Rainer Nachtwey

München/Portland ? Die 3:1-Führung in der Best-of-Seven-Serie mit den Portland Trail Blazers scheint den Dallas Mavericks nicht mehr zu nehmen zu sein.

75 Sekunden vor Ende des dritten Viertels trifft Peja Stojakovic einen Dreier zum 67:44.

23 Punkte Vorsprung.

Doch nur 13 1/2 Minuten später schleichen Dirk Nowitzki und Co. mit gesenkten Köpfen vom Spielfeld.

82:84 prangt es vom Video-Würfel. Der 23 Punkte Vorsprung verspielt, die zweite Niederlage in Folge, der Ausgleich zum 2:2 im Erstrunden-Duell. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

"Haben wir nachgelassen, ich denke ja. Keine Frage", gab sich Dallas' Coach Rick Carlisle enttäuscht, scheinbar ratlos, die Niederlage zu erklären.

Carlisle nimmt Schuld auf sich

Bereits während des Schlussabschnitts sahen die Zuschauer im Rose Garden von Portland das Kopfschütteln des Trainers, der hilflos mitansehen musste, wie ein Spieler seine Mannschaft scheinbar im Alleingang auseinandernahm.

Brandon Roy, Portlands Buhmann nach den ersten beiden Niederlagen in Dallas.

18 seiner insgesamt 24 Punkte erzielte der Shooting Guard im letzten Viertel, darunter ein Vier-Punkt-Spiel 66 Sekunden vor Ende zum 82:82 und ein Sprungwurf zum entscheidenden 84:82. (STATISTIK: Die Tagesbesten)

"Er ist im letzten Viertel heiß gelaufen und hat dadurch erst alles ermöglicht. Dafür nehme ich die Schuld auf mich", sagte Carlisle und präzisierte: "Wir hätten in der Verteidigung einiges anders machen können."

"Spezielle Nacht" für Roy

Für Matchwinner Roy war es nach einer schweren Saison mit zwei Knie-Operationen das Highlight seiner Berg-und-Tal-Fahrt.

"Das fühlt sich alles noch nicht real an. Das war ein unglaubliches Comeback. Mit all dem, was ich diese Saison durchgemacht habe, war das ein unheimlich emotionaler Moment, als mir die Jungs um den Hals gefallen sind", beschrieb er seine Gefühlslage.

"Das war eine spezielle Nacht, diesen Abend werde ich nie vergessen."

Portland fast zehn Minuten ohne Treffer aus dem Feld

Dabei sah es 35 Minuten nicht danach aus, als würden Roy und Portland eine spezielle Nacht erleben.

Nachdem die Trail Blazers Ende des zweiten Viertels durch einen 10:2-Lauf den Rückstand zur Pause auf 35:37 verkürzt hatten, starteten die Mavericks furios in die zweite Spielhälfte.

Die Texaner trafen einen Wurf nach dem anderen, während die Gastgeber 9:29 Minuten auf den ersten Korberfolg aus dem Feld warten mussten.

Nur ganze sieben Zähler hatten sie zuvor durch Freiwürfe erzielt.

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McHale gerät ins Schwärmen

Dallas hingegen hatte bis dahin 9 seiner 12 Würfe versenkt, unter anderem Nowitzki einen Fade-Away-Jumper, der Celtics-Legende Kevin McHale ins Schwärmen brachte.

"Das ist perfekt, einfach nicht zu verteidigen", lobte der Co-Kommentator des Spiels den Würzburger.

Doch auch die 20 Punkte des Würzburgers reichten am Ende nicht. (STATISTIK: Der SPORT1-Nowitzki-Watch)

Denn dann drehte Roy auf.

Roy, Roy, Roy: Immer wieder Roy

Mit einem Dreier eine Sekunde vor Ende der dritten zwölf Minuten zum 49:67 leitete er die 18-Punkte-Aufholjagd der Mannschaft aus Oregon ein.

Pass auf Nicolas Batum zum 54:69, Korbleger zum 56:71, Sprungwurf zum 62:73, Pass auf LaMarcus Aldridge 64:75, Jumper zum 66:75, zum 70:77, Pass auf Wesley Matthews 72:80, erneut ein Korbleger 74:80, Pass auf Aldridge 76:80 und wieder ein Sprungwurf zum 78:80.

Und dann folgten sein Vier-Punkt-Spiel und der Jumper zu den Sieg bringenden Punkten.

"Wenn die Leute mich eines Tages fragen werden, was ich im letzten Viertel gemacht habe, werde ich ihnen erzählen, dass ich in der Ecke stand und mir die 'Brandon Roy Show' angesehen habe", brachte es Gerald Wallace auf den Punkt.

Nowitzki bemüht Durchhalteparolen

Für Dallas heißt es nun, die zwei Niederlagen bis zu Spiel 5 in der Nacht auf Dienstag (ab 2.30 Uhr LIVESCORES) - dann wieder in Texas - aus den Köpfen zu bekommen.

"Im Nachhinein kann man immer sagen, das hätten wir anders machen können oder sollen. Da bist du immer schlauer. Aber das hilft keinem weiter", flüchtete Nowitzki in Durchhalteparolen. "Wir müssen es hinnehmen und weiter positiv denken."

Butler vor dem Comeback

Immerhin: etwas Positives gibt es aus Portland mitzunehmen. Der Langzeitverletzte Caron Butler steht nach seinem Patellasehnenriss Anfang des Jahres vor einem Comeback.

Wie er den Journalisten am Rande der Partie mitteilte, steigt er in der kommenden Woche ins "Full-Contact-Practice" ein und wird diese Playoffs noch für Dallas auflaufen.

Das bedeutet spätestens in Spiel 6 in der Nacht auf Freitag (ab 4.30 Uhr LIVESCORES) wieder in Portland.

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