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Tim Duncan (m.) stand bereits neunmal im All-NBA First Team © getty

San Antonio kämpft in Spiel fünf gegen Memphis ums Playoff-Überleben und wandelt auf Dallas' Spuren. Dem Ex-Champ droht ein Umbruch.

Von Eric Böhm

München/San Antonio - Am 4. März war die Welt für die San Antonio Spurs noch in Ordnung.

Mit einem grandios herausgespielten 125:95 wurden die Miami Heat aus der Halle gefegt und es gelang der 51. Saisonsieg - fünf mehr als Playoff-Gegner Memphis in der gesamten Saison holte.

Die Frage, die sich nicht nur San Antonios Anhänger stellen lautet: Was hat sich in diesen knapp zwei Monaten verändert? (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Denn nach dem Debakel in Tennessee liegen die topgesetzten Spurs in ihrem Erstrundenduell mit den Grizzlies 1:3 in Rückstand und stehen vor Spiel fünf (ab 2.30 Uhr LIVESCORES) vor dem Abgrund.

Ginobili als Schlüssel

Das verletzungsbedingte Fehlen von Manu Ginobili in Spiel eins der Serie als alleinigen Grund für San Antonios Probleme anzuführen wäre sicher falsch, dennoch ist der Argentinier ungemein wichtig für das Spiel der Spurs.

In den 212 Minuten mit Ginobili auf dem Parkett hat San Antonio gegen Memphis in dieser Spielzeit einen Vorteil von 42 Punkten. In 117 Minuten ohne ihn liegen sie mit 70 Zählern im Hintertreffen.

"Für uns steht viel auf dem Spiel. Wir haben einiges zu verlieren. Immerhin waren wir die Nummer eins der regulären Saison", so der All-Star-Guard.

Spurs auf Dallas' Spuren

Seit in der NBA auch in der ersten Runde zu dem Format Best-of-Seven wechselte, schied erst ein topgesetztes Team aus.

2007 überraschte der legendäre Don Nelson mit Golden State sein früheres Team und schaltete Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks mit 4:2 aus.

Dem texanischen Erzrivalen droht nun ein ähnliches Schicksal. Sollte das junge Grizzlies-Team tatsächlich den Sack zu machen, könnte sogar die Spurs-Dynastie früher als geplant zu Ende gehen.

Letzte Chance verspielt?

1997 begann mit der Verpflichtung von Tim Duncan eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, die neben vier Meisterschaften auch zu 13 aufeinanderfolgenden Teilnahmen an der K.o.-Runde führte.

Am 35. Geburtstag des Centers wurde in Memphis nun vielleicht die letzte große Chance auf den fünften Titel der Duncan-Dynastie verspielt. Speziell der Center selbst erlebte mit sechs Pünktchen ein Desaster.

"Wir haben uns selbst in diese Situation manövriert. Jetzt geht es ums Überleben", so der dreimalige MVP der Finals.

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61 Siege verdeckten Probleme

Die 61 Siege täuschten sicher ein wenig über die Probleme der Truppe von Coach Gregg Popovich hinweg.

Denn in der zweiten Saisonhälfte war von der großen Konstanz der Monate zuvor nur noch wenig zu sehen. Dem großen Sieg gegen Miami folgte wenig später eine Pleitenserie von sechs Spielen - die längste in der Duncan-Ära.

Von den sechs Spielern, die die meisten Minuten erhalten, sind vier bereits 30 oder älter. Zudem fehlen auf Shooting Guard und Small Forward vollwertige Alternativen.

Grizzlies decken Schwächen auf

Die Spurs sind mit mehr Spielanteilen für DeJuan Blair und Neuzugang Gary Neal zwar etwas spritziger geworden, doch der überfällige Umbruch wurde zu spät eingeleitet. Ein vorzeitiges Ausscheiden würde sicher einschneidende Veränderungen bringen.

Die Grizzlies decken in dieser Serie bisher die Schwächen der erfahrenen Texaner schonungslos auf.

Das athletischere, schnellere und jüngere Team dominiert in der Zone und neutralisiert mit starken Verteidigern wie Tony Allen auch die gefährlichen Dreierschützen San Antonios.

Während der Saison verwandelten sie noch mehr als acht Dreier pro Partie, während der zwei Spiele in Memphis verfehlten sie hingegen 26 ihrer 33 Versuche aus der Distanz.

Popovich bleibt cool

Nur acht Mannschaften holten in der NBA-Geschichte einen 1:3-Rückstand noch auf. Zuletzt gelang dies 2006 den Phoenix Suns.

Popovich macht sich darüber keine Gedanken: "Wir werden rausgehen und spielen. Alles anderes ist unwichtig."

Teambesitzer Peter Holt sagte an jenem 4. März, man müsse in Zukunft "von der Tim-Duncan-Ära in die nächste Ära" übergehen.

Eine weitere Niederlage gegen die Grizzlies, die vor diesem Duell noch nie ein Playoff-Spiel gewonnen hatten, und die Zukunft beginnt möglicherweise früher, als es Holt und den Spurs lieb ist.

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