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Dirk Nowitzki war 2007 als erster Europäer MVP der NBA © getty

Dallas hoff in Spiel zwei bei den Lakers wieder auf die Nervenstärke seines Topstars. Nowitzki ist Bryant statistisch überlegen.

Von Eric Böhm

München - Dirk Nowitzki und Kobe Bryant haben auf den ersten Blick nur wenige Gemeinsamkeiten.

Auf der einen Seite der exzentrische Lakers-Guard, der sich auf und neben dem Court zwischen gesundem Selbstvertrauen und Arroganz bewegt, auf der anderen Seite ein Big Man, der keinen Wert auf Show legt und als Traum einer jeden Schwiegermutter durchgehen würde.

Trotzdem verbindet die beiden Superstars nicht nur ihr Geburtsjahr. Sie gehören auch zu den besten "Closern" der letzten zehn Jahre.

Wie die Schlüssel-Pitcher im Baseball

Der Begriff "Closer" stammt ursprünglich aus dem Baseball und bezeichnet den Pitcher, der im letzten Inning den Sieg für sein Team sichern soll.

Eine ähnliche Funktion nehmen Nowitzki und Bryant bei ihren Mannschaften ein.

Wenn die Dallas Mavericks zum Spiel zwei gegen die Los Angeles Lakers antreten (ab 4.30 Uhr LIVESCORES), werden beide Teams ihr Schicksal wieder in die Hände der jeweiligen Führungsfigur legen.

"Dirk will immer den Ball"

Genauso war es auch bei dem für viele Beobachter überraschenden Auswärtserfolg der Mavericks im ersten Duell.(DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Nowitzki brachte Dallas innerhalb der letzten Minute eiskalt in Führung, ehe Bryant den letzten Wurf der Lakers nahm und verfehlte.

"Dirk will in der entscheidenden Phase immer den Ball. Er mag diese Situationen und enttäuscht uns in der Regel nicht", meinte Jason Kidd.

Nowitzki mit besseren Zahlen

Bryant bewies über seine gesamte Karriere mit zahllosen Buzzer-Beatern, dass er zu den nervenstärksten Werfern aller Zeiten gehört, in der K.o.-Runde hat Nowitzki in der Endphase allerdings eine bessere Quote.

In den letzten 24 Sekunden eines Playoff-Spiels traf die "Black Mamba" nur sieben von 25 Würfen, die den Ausgleich oder die Führung gebracht hätten.

Der Würzburger verwandelte in diesen Situationen dagegen vier von elf Versuchen. Dieser Trend setzte sich in Spiel eins fort. (393648DIASHOW: Die 2. Playoff-Runde)

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Kein Alleinunterhalter

Außerdem bestätigte sich, dass beide Mannschaften nicht in der Lage sind, den Schlüsselspieler des Kontrahenten zu stoppen.

"Sie sind die mit Abstand besten Spieler auf dem Parkett. Ihre mentale Stärke macht sie so stark. Ihre Leistung wird die Serie wohl entscheiden", so Kidd.

"Dirkules" sieht sich aber - ganz seinem Naturell entsprechend - nicht als Alleinunterhalter: "Ich habe in 13 Jahren viel erlebt. Du bist nicht immer in Topform. Wir haben aber noch einige andere erfahrene Scorer, die ein Spiel entscheiden können."

Mavs haben sich entwickelt

Auf einem Gebiet hat Bryant allerdings den klaren Vorteil. Denn er hat bereits fünf Meisterschaften gewonnen.

Nicht zuletzt mit dem Erfolg in der Höhle des Löwen haben die Mavs aber erneut ihre Weiterentwicklung unter Beweis gestellt und sich als ernsthafter Titelkandidat etabliert.

"Im Gegensatz zu den letzten Jahren sind wir vor allem mental viel stärker geworden. Nach dem Einbruch gegen Portland haben wir zwei Spiele in Folge gewonnen, obwohl uns jeder abgeschrieben hatte", erklärte Nowitzki. (STATISTIK: Der SPORT1-Nowitzki-Watch)

Lakers unter Druck

Die Lakers stehen dagegen nach der Pleite - trotz zwischenzeitlicher Führung mit 16 Punkten - gewaltig unter Druck.

Von 18 Playoff-Serien, in denen sie die ersten beiden Partien verloren, konnten sie nur zwei noch umbiegen.

"Wir spielen gegen eines der besten Teams der NBA. Da wird dir nichts geschenkt. Da ist keine Führung sicher. Fragen sie mich nach einer Niederlage ernsthaft, ob wir unsere Identität suchen?", reagierte Point Guard Derek Fisher auf eine relativ harmlose Frage erstaunlich gereizt.

Die Mavs scheinen die Rolle des labilen Favoriten 2011 jedenfalls endlich abgelegt zu haben und fühlen sich als Underdog sichtlich wohler.

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