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Dirk Nowitzki stand mit den Mavericks 2006 im NBA-Finale und verlor 2:4 gegen Miami © getty

Das Nowitzki-Team nutzt die Schwächen der blutleeren Lakers und führt 2:0. Andrew Bynum meckert. Der "Zen-Meister" ist ratlos.

Von Eric Böhm

München/Los Angeles - Selbst Dirk Nowitzki hatte damit nicht gerechnet.

Nach dem zweiten Sieg der Dallas Mavericks im Viertelfinale der NBA-Playoffs bei den Los Angeles Lakers war nicht nur der Superstar völlig überrascht.

"Wenn mir jemand vorher gesagt hätte, dass wir hier beide Spiele gewinnen würden, hätte ich das nicht geglaubt. Wir haben es uns aber verdient", so "Dirkules". (STATISTIK: Der SPORT1-Nowitzki-Watch)

In der Tat trat über die gesamten 48 Minuten nur sein Team wie ein Titelfavorit auf. Der Meister konnte seinem Anspruch dagegen zu keinem Zeitpunkt gerecht werden.

"Bekommen, was wir verdienen"

So wie die Reichen und Schönen im Schockzustand das Staples Center verließen, taumelten die müden Lakers vom Court.

"Sie haben uns den Kampfgeist genommen. Es sah so aus, als hätte Dallas mehr Energie. Das ist besorgniserregend", meinte die ratlose Coaching-Legende Phil Jackson.

Die Mission "Threepeat" verwandelt sich immer mehr in ein kolossales Fiasko, das sich bereits gegen im Achtelfinale gegen die Hornets andeutete, aber von allen Beteiligten als Startschwierigkeiten abgetan wurde.

"Wir haben in den letzten Jahren immer wieder mit dem Feuer gespielt. Jetzt haben wir bekommen, was wir verdienen", fand Kobe Bryant klare Worte.

Barea wirbelt wie Paul

New Orleans gewann ohne seinen besten Big Man David West zwei Spiele und deckte die Abwehrschwächen der Lakers auf.

Mavs-Backup J.J. Barea wirbelte speziell im letzten Viertel ähnlich mühelos durch die unbewegliche Abwehr wie All-Star Chris Paul in Runde eins. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Außerdem fanden sie trotz zahlreicher Experimente auch nach zwei Spielen noch keine Antwort auf Nowitzki, der jetzt auch noch sein Händchen wiederzufinden scheint - in Spiel zwei traf er neun seiner 16 Würfe.

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Lakers wirken ausgelaugt

In ihrem 75. Playoff-Spiel innerhalb der letzten vier Jahre wirkten die Kalifornier ausgelaugt und wurden von alles andere als herausragend spielenden Mavericks dominiert.

"Wir sind einfach zusammengebrochen. Wir haben offensichtlich Vertrauensprobleme. Wir helfen einander nicht mehr. Wenn wir darüber nicht offen diskutieren, wird sich nichts ändern", polterte Andrew Bynum.

Der Center wurde nach einer starken ersten Hälfte völlig ignoriert und fiel später nur noch durch sein anfängerhaftes Deckungsverhalten auf (393648DIASHOW: NBA - Die 2. Playoff-Runde).

Artest gesperrt

Die Frustration über die blutleere Vorstellung mag auch Ron Artests grob unsportlichen Schlag gegen Barea erklären.

Der für seine Ausraster berüchtigte Flügelspieler wurde von der NBA für eine Partie gesperrt und fehlt somit in Spiel 3 in Dallas.

"Ich werde mich dazu nicht weiter äußern. Mit Basketball hatte das jedenfalls nichts zu tun", so Dallas' kleiner Spielmacher.

Gasol gibt weiter Rätsel auf

Zudem gibt Power Forward Pau Gasol weiter Rätsel auf.

In der Abwehr hat er Nowitzki kaum etwas entgegenzusetzen, in der Offensive bringen seine verfehlten Korbleger die Fans immer mehr gegen den Spanier auf.

In einer symptomatischen Szene wurde er bei einem Dunk-Versuch von dem 17 Zentimeter kleineren DeShawn Stevenson von hinten geblockt und fortan gnadenlos ausgebuht.

Legenden schreiben L.A. ab

Nach Charles Barkley ("Sie sind am Ende") rückt in Magic Johnson eine weitere NBA-Legende von seinen Lakers ab.

"Ich sehe kaum noch Chancen. Ich habe es noch nie erlebt, dass ein Team die Lakers im eigenen Haus in zwei Spielen so niedergemacht hat", twitterte der langjährige Spielmacher.

Viel Anlass zur Hoffnung besteht auch nicht mehr, denn nur drei Teams bogen eine Serie noch um, wenn sie vor heimischer Kulisse mit 0:2 in Rückstand gerieten.

Es bleibt nur die Metapher vom angeschlagenen Boxer, der bekanntlich besonders gefährlich sein soll, allein es fehlt der Glaube.

Carlisle bleibt cool

Dallas schwimmt dagegen weiter auf einer Erfolgswelle und tritt so selbstbewusst und konzentriert auf, als wären sie der Titelverteidiger.

"Es ist nur einer von 16 Siegen, die wir brauchen, um unser Ziel zu erreichen. Es fehlen noch zehn weitere Erfolge", blieb Coach Rick Carlisle so cool wie seine Spieler, die ohne übermäßigen Jubel zur Tagesordnung übergingen.

Vor heimischer Kulisse könnten die Mavs in der Nacht auf Samstag (3.30 UhrLIVESCORES) bereits eine Vorentscheidung herbeiführen und den Willen ihrer Kontrahenten endgültig brechen.

Jason Terrys Statement klingt da schon fast wie eine Drohung: "Wir spielen nicht unseren besten Basketball. Es ist durchaus noch Luft nach oben."

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