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Phil Jackson (l.) gewann bereits als Spieler der New York Knicks zwei Meistertitel © getty

Der Ex-Champ bereitet dem "Zen-Meister" einen unwürdigen Abschied. Magic ist entsetzt. Um Gasol und Kobe ranken sich Gerüchte.

Von Eric Böhm

München/Dallas - Sein Lächeln hatte Phil Jackson nach dem blamablen Ausscheiden seiner Los Angeles Lakers bei den Dallas Mavericks nicht verloren.

Einer der größten NBA-Coaches aller Zeiten verabschiedet sich im Playoff-Viertelfinale mit dem ersten Sweep seiner langen Karriere in den Ruhestand.

Im Anschluss bestätigte Jackson den Eindruck, er sei eher erleichtert denn sauer: "Um ehrlich zu sein: Ich bin froh, dass diese Saison jetzt vorbei ist."

Für die erfolgsverwöhnten Lakers könnte der Muttertag 2011 auch das bittere Ende einer großen Ära bedeuten.

Unwürdiger Abschied

Dabei hätte Jackson nach 20 Spielzeiten - mit elf Titeln - als Cheftrainer einen würdigeren Abschied verdient gehabt.

Die Mission "Threepeat" endete nicht nur mit einer peinlichen 36-Punkte-Klatsche, sondern auch mit den groben Unsportlichkeiten von Lamar Odom und Andrew Bynum.

Die beiden Big Men erwiesen sich bei ihren bösen Fouls gegen Dirk Nowitzki respektive J.J. Barea als denkbar schlechte Verlierer und müssen mit Sperren rechnen. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Magic entsetzt

Nicht nur Lakers-Legende Magic Johnson schämte sich für den blutleeren Auftritt seines Klubs: "Ich habe die Lakers noch nie so schlecht gesehen in einem Spiel, das sie gewinnen mussten."

Lediglich Kobe Bryant (17 Punkte) stemmte sich gegen die Pleite, litt aber erneut unter fehlendem Wurfglück und fand nie seinen Rhythmus.

Der Superstar unterhielt seit Jahren eine besondere Beziehung zu Jackson und wirkte nach der Schlusssirene regelrecht geschockt.

"Ich kann mir nicht vorstellen, unter einem anderen Trainer zu spielen", sagte Bryant: "Phil hat mich groß gemacht, er kennt mich wie kein anderer, es wird hart ohne ihn."

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Vermächtnis bleibt

Das letzte Kapitel wird aber nicht an Jacksons Vermächtnis kratzen, schließlich ist er der einzige Trainer der NBA-Historie, der 70 Prozent seiner Spiele gewann. Außerdem machte er auch aus Michael Jordans Chicago Bulls ein Meisterteam.

Nach fast 45 Jahren - als Spieler und Coach - in der besten Basketball-Liga der Welt reitet der "Zen-Meister" nun in Richtung Sonnenuntergang und setzt sich auf seiner Farm in Montana zur Ruhe.

"Ich hoffe es und gehe auch davon aus, dass es mein letztes Spiel als Trainer war. Ich hatte eine wundervolle Zeit", sagte der 65-Jährige.

Nowitzkis Coach Rick Carlisle ist aber noch skeptisch: " Ich glaube, dass er sich nur für eine gewisse Zeit zurückzieht."

Shaw als Nachfolger?

So oder so muss Lakers-Manager Mitch Kupchak den Umbruch einleiten und einen geeigneten Nachfolger finden.

Jacksons Assistent Brian Shaw gilt als aussichtsreichster Kandidat. Der ehemalige NBA-Profi stand schon bei anderen Teams auf dem Wunschzettel.

"Ich würde mich über diese Möglichkeit natürlich freuen. Ich müsste sicher tief durchatmen und unseren Kader analysieren", brachte sich Shaw selbst ins Spiel.

"Chemie stimmt nicht"

Auf den neuen Verantwortlichen kommt jede Menge Arbeit zu.

"Die Chemie hat einfach nicht gestimmt. Wir haben uns mit dem Talent durchgemogelt, aber Dallas ist talentiert und hat als Team funktioniert", meinte Bankdrücker Luke Walton.

Diese Einschätzung überrascht nicht, immerhin wurde immer wieder über die Probleme zwischen Bryant und dem enttäuschenden Pau Gasol spekuliert.

Gerüchte um Gasol

Die "Black Mamba" hatte Gasol mehrfach für sein phlegmatisches Auftreten kritisiert, zudem wurde über Beziehungsprobleme des Spaniers spekuliert, in die auch Bryants Frau Vanessa involviert sein soll.

"Es ist schon traurig, dass ich solche Gerüchte kommentieren muss. Ich weiß nicht, wie so etwas entsteht, aber da ist nichts dran", wehrte sich der Bryant energisch gegen diese These.

Der Abschied Gasols ist nicht ausgeschlossen. Allerdings ist der Markt für einen talentierten aber auch labilen Power Forward, der in den nächsten drei Jahren jeweils 19 Millionen Dollar (ca. 13 Mio. Euro) verdient sehr klein.

Ungewisse Zukunft

Das sich in der Truppe etwas verändern muss ist überdeutlich. Mit Bynum und Shannon Brown sind nur zwei Spieler der Rotation unter 30. Außerdem fehlt es an Schnelligkeit.

Die großen Free Agnets Dwight Howard, Chris Paul und Deron Williams kommen allerdings erst 2012 auf den Markt.

Die Lakers stehen in jedem Fall vor einer ungewissen Zukunft.

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