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Derrick Rose (l.) und LeBron James stehen gemeinsam im All-NBA First Team 2011 © getty

Im Ost-Finale treffen die Heat-Stars auf Chicago. Dort wären LeBron und Co. fast gelandet. Für die Bulls ist es ein Glücksfall.

Von Eric Böhm

München - Neun Monate sind seit "The Decision" vergangen. Jetzt wird sich entscheiden ob LeBron James auf das richtige Pferd gesetzt hat.

Das Conference-Finale zwischen den Chicago Bulls und den Miami Heat (Spiel eins, ab 2 Uhr LIVESCORES) bietet eine einzigartige Dramaturgie.

Denn bevor der zweimalige MVP in seiner unsäglichen Entscheidungs-Show den Wechsel nach Miami zelebrierte, dachten er und Dwyane Wade ernsthaft daran, sich den Bulls anzuschließen. James traute Chicago aber offenbar den Titel nicht zu.

"Es gab sicher einen oder zwei Tage, an denen ich aufgewacht bin und dachte, ich würde ein Bull werden. Die sportliche Perspektive gab den Ausschlag für Miami", bestätigt der "King".

SPORT1 blickt auf das Finale der Eastern Conference:

(1) Chicago Bulls - (2) Miami Heat

Aufeinandertreffen in der Regular Season: 3-0 (99:96, 93:89, 87:86)

Für Wade war es dagegen eine deutlich emotionalere und schwierigere Entscheidung, den Bulls abzusagen, schließlich stammt er aus Chicago.

Außerdem besuchte er die nahegelegene Marquette University in Milwaukee und bezeichnet Michael Jordan als sein Kindheitsidol.

"Es war hart. Ich bin hier aufgewachsen und habe als Kind davon geträumt für die Bulls zu spielen. Ich fühle mich aber mittlerweile mit den Heat verbunden und sehe hier mehr Möglichkeiten", so der All-Star.

Niederlage als Glücksfall

Power Forward Chris Bosh - auch er stand in der "Windy City" auf der Wunschliste - komplettierte "Miami Thrice", während sich Chicago mit Olympiasieger Carlos Boozer und einigen Rollenspielern begnügen musste.

Das Schicksal bescherte den beiden Klubs nun ein Wiedersehen. Diesmal geht es jedoch nicht um Überredungskünste und Dollars, sondern um einen Platz in den NBA-Finals. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Für die Bulls erwies sich dabei die Niederlage auf dem Transfermarkt in den folgenden Monaten als absoluter Glücksfall.

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Rose wäre wohl nicht MVP geworden

Die Truppe des neuen Coaches Tom Thibodeau schloss die reguläre Saison mit der besten Bilanz (62 Siege - 20 Niederlagen) ab und sicherte sich für die gesamten Playoffs den Heimvorteil.

Auch die unglaubliche Entwicklung des Derrick Rose zum legitimen Superstar und unumstrittenen MVP wäre als Mitspieler von James und Wade wohl kaum möglich gewesen.

"Ich weiß es nicht. Ich kann nur sagen, dass ich mit meinen jetzigen Mannschaftskameraden sehr zufrieden bin. Wir passen auch charakterlich exzellent zusammen", meint Rose.

Bulls gern Underdog

Dennoch ist das fantastische Abschneiden der Bulls vor allem auf die spektakuläre Show des jüngsten MVPs aller Zeiten zurückzuführen.

In den Playoffs legte der 22-Jährige noch eine Schippe drauf und erzielt im Schnitt 28,8 Punkte sowie 8,2 Assists pro Partie.

Trotz des erfolgreichsten Jahres seit der Jordan-Ära und drei - wenn auch knappen - Siegen gegen die Heat im Saisonverlauf, geht Chicago sehr gern als Außenseiter in die Serie.

"Wir mögen die Rolle des Underdogs. Es heißt: Wir gegen den Rest der Welt. Mit dieser Einstellung gehen wir in die Spiele", betont D-Rose.

Teamgeist stimmt

Dass es in Chicagos Team stimmt, unterstreicht die Wiederauferstehung von Boozer, der seinem Team mit 23 Zählern sowie zehn Rebounds im sechsten Spiel gegen Atlanta zum Sieg verhalf. (393648DIASHOW: Die 2. Playoff-Runde)

In den Spielen davor konnte er von einer Zehenverletzung gehandicapt nicht überzeugen und wurde von den eigenen Fans ausgebuht.

"Wir sind eine Familie. Ich liebe meine Teamkollegen. Sie haben mich unglaublich unterstützt. Das hat mir geholfen, diese schweren Momente wegzustecken", sagt der 29-Jährige.

Heat haben Rechnung offen

Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl werden die Bulls gegen das Starensemble aus Florida auch dringend brauchen. Die Rose-Show allein wird den sechsmaligen Champion nicht ins Finale bringen, denn die Heat werden den Jungstar nicht aus den Augen lassen.

Außerdem hat Miami mit Chicago noch eine Rechnung offen. Denn nach der 86:87-Heimpleite Anfang März - 27 Punkte von Rose - ergoss sich Hohn und Spott über die Truppe.

Trainer Erik Spoelstra hatte damals gesagt, dass diverse Spieler in der Kabine geweint hätten und löste die "Crygate-Affäre" aus. Diese Demütigung haben James und Co. nicht vergessen.

"Es war für uns eigentlich nie ein großes Thema. Aber angenehm war das Echo in den Medien nicht. So etwas behälst du im Hinterkopf", gab Bosh zu.

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