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Kevin Durant (r.) wurde 2010 zum MVP der Weltmeisterschaft gewählt © getty

Kevin Durant führt Oklahoma City ins Conference-Finale gegen Dallas. Der bescheidene Topscorer bringt den kometenhaften Aufstieg.

Von Eric Böhm

München - Für die Oklahoma City Thunder hat die Zukunft endgültig begonnen.

Nach dem souveränen Erfolg im entscheidenden siebten Spiel gegen die Memphis Grizzlies steht das jüngste und talentierteste Team der NBA im Finale der Western Conference (Alle Spiele im SPORT1-LIVESTREAM).

Dabei arbeitete sich das Team um den schweigsamen Superstar Kevin Durant in Rekordzeit aus dem Keller der Liga nach oben.

Gegen Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks wollen die Thunder nun ins Finale stürmen und ihren kometenhaften Aufstieg krönen.

Aller Anfang ist schwer

Als das Team 2008 aus Seattle (SuperSonics) nach Oklahoma umsiedelte, rechneten nicht einmal die kühnsten Optimisten mit dieser Entwicklung.

Schließlich verlor die blutjunge Truppe 29 ihrer ersten 32 Spiele in der neuen Heimat. Die schmächtigen Youngster Durant und der damalige Rookie Russell Westbrook mussten viel Lehrgeld zahlen.

"Es war richtig hart, aber Kevin hat das gesamte Team mit seiner tadellosen Einstellung jeden Tag mitgerissen. So verbesserten wir uns Schritt für Schritt", sagt Coach Scott Brooks.

"Ich liebe Kevin"

Zweieinhalb Jahre später sind "Durantula" und Westbrook bereits Weltmeister, nahmen am All-Star Game teil und gehören zu den explosivsten Kombinationen der NBA. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Vor allem dem bescheidenden Durant sind Starallüren trotz seiner beiden Scoring-Titel völlig fremd. In einer Liga voller Egomanen und Selbstdarsteller stellt er die rühmliche Ausnahme dar und ist fast schon ein Anti-Star.

"Ich liebe Kevin. Es ist erstaunlich, wie reif er sich in seinem Alter benimmt. Außerdem ist er ein einmaliger Athlet", schwärmt Brooks, der trotz des holprigen Starts immer das Vertrauen des Managements genoss.

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Star ohne Allüren

Durant braucht keine auffälligen Tattoos oder extravagante Auftritte. Meistens kommt er in kurzen Hosen und Flip-Flops daher.

Seine Kindheit hat den 22-Jährigen geprägt und erstaunlich schnell reifen lassen. Nach der Trennung seiner Eltern verbrachte er viel Zeit bei seiner Tante, die wenig später an Brustkrebs starb.

Durants High-School-Coach und Mentor wurde im Alter von nur 35 Jahren erschossen, deshalb trägt "KD" die Nummer 35.

"Es gab mir das Gefühl, dass er mit mir zusammen auf dem Court stand. Ich bin dadurch früh erwachsen geworden", so Durant.

Enwicklung im Zeitraffer

In gewisser Weise trifft das auch auf sein Team zu. Denn die vier besten Spieler - Durant, Westbrook, Blockspezialist Serge Ibaka, Sixth Man James Harden - sind allesamt 22 oder jünger.

Mit Durants Führungsqualitäten sowie der ruhigen Hand des selbst noch recht jungen Managers Sam Presti (34 Jahre alt) verlief die Entwicklung zu einem Spitzenteam im Zeitraffer.

"Wir haben keine Angst zu versagen. Denn wir haben die schweren Zeiten zusammen durchgestanden. Wir wurden gedemütigt, jetzt gehen wir einfach raus und spielen", so Forward Nick Collison.

Durststrecke ist vorbei

Diese Herangehensweise scheint gut zu funktionieren, immerhin gehört die Truppe nun zu den besten vier Teams der NBA und knüpft an die Sonics-Erfolge der 90er Jahre an.

1996 erreichten die Truppe um Gary Payton, Shawn Kemp und Detlef Schrempf die NBA-Finals und scheiterten an Michael Jordans Chicago Bulls.

"Ich glaube, diese Sache mit dem Alter ist jetzt überholt. Wir sind erwachsen geworden und werden immer besser", meinte Westbrook nach dem Spiel.

Die lange Durststrecke des Klubs scheint endgültig vorbei zu sein. Die Mavericks sind vor Spiel eins gegen die jungen Wilden in jedem Fall gewarnt.

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