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Dirk Nowitzki (r.) steht mit den Dallas Mavericks zum elften Mal am Stück in den Playoffs © getty

Dallas offenbart im zweiten West-Finale gegen Oklahoma alte Schwächen. Nowitzki übt auf und neben dem Court harsche Kritik. Cuban motzt wieder.

Von Eric Böhm

München/Dallas - Nach dem überzeugenden Erfolg zum Auftakt der Conference-Finals (Bericht) schwebten die Dallas Mavericks noch auf einer Wolke in Richtung NBA-Titel.

Doch die Oklahoma City Thunder haben Dirk Nowitzki und sein Team sehr unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt (Alle Spiele im SPORT1+-LIVESTREAM).

Der etwas überraschende 106:100-Auswärtserfolg des Außenseiters (Bericht) hat die Mavericks nicht nur den Heimvorteil, sondern auch ihre Aura der Unbesiegbarkeit gekostet, die sich nach dem Sweep gegen die Lakers breitgemacht hatte.

"Sie haben jetzt das Momentum auf ihrer Seite. Wir müssen es ihnen wieder wegnehmen. Das geht aber nur, wenn wir uns zusammenreißen und wieder Mavs-Basketball spielen", kritisierte Nowitzki den Auftritt seines Teams.

"Das war der Killer"

Vor allem in der Abwehr hinterließen die Mavericks erneut einen schwachen Eindruck und ließen zum zweiten Mal in Folge mehr als 100 Punkte zu.

In den beiden Serien zuvor kamen die Gegner im Schnitt noch auf magere 88,5 Zähler pro Partie. Doch gegen die dynamische Offensive der Thunder fehlen bisher die Mittel.

"In der Abwehr war es ein Rückschritt. Portland und L.A. sind größer und langsamer. Uns fällt es sehr schwer, sie zu stoppen. Als sie sich auf zehn Punkte absetzten, war das der Killer", so der deutsche Superstar.

Nowitzki nimmt sich Marion zur Brust

Bereits während der Partie hatte der deutlich frustrierte Nowitzki seinen Teamkollegen Shawn Marion nach einem Ballverlust harsch zusammengestaucht.

Im letzten Viertel versuchte der 32-Jährige vergeblich seine Teamkollegen aufzurütteln. Außer Nowitzki (16) punkteten in den letzten zwölf Minuten einzig J.J. Barea (zwei Dreier) sowie DeShawn Stevenson (zwei Freiwürfe).

Nach der Partie legte er nach und unterstellte Einstellungsprobleme: "Wir müssen nur ein bisschen mehr mit Kopf spielen, uns mehr anstrengen. Heute hatten wir es nicht verdient, zu gewinnen." (STATISTIK: Der SPORT1-Nowitzki-Watch)

[kaltura id="0_qawhlxne" class="full_size" title="Dämpfer für Nowitzki"]

Chandler bestätigt schwache Einstellung

Bestätigt wurde dieser Eindruck durch den erneut starken Tyson Chandler (15 Punkte, 13 Rebounds).

"Ich glaube, wir kamen in diese Serie und haben diese Jungs auf die leichte Schulter genommen. Wenn du sieben Playoff-Spiele in Folge gewinnst, vergisst du manchmal, was dich dorthin gebracht hat", gab "TC" zu.

Genau vor dieser Selbstzufriedenheit hatte Coach Rick Carlisle bereits nach dem ersten Spiel gewarnt, offenbar vernebelte die Nowitzki-Gala damals einigen Mavericks den Blick. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

2006 lässt grüßen

Dabei dürften sich viele Fans und Beobachter speziell im zweiten Viertel an die unsägliche Finalserie 2006 gegen Miami erinnert haben.

Die Thunder konnten wie im Training zum Korb ziehen, Dallas nahm reihenweise überhastete Sprungwürfe und Mark Cuban pöbelte gegen die Referees.

Als Schiedsrichter-Beobachter Bernie Fryer die Leistung seiner Schützlinge auf Nachfrage des Mavs-Besitzers als "großartig" bezeichnete, platzte Cuban der Kragen.

"Das kann ja wohl nicht ihr Ernst sein? Dann sehen Sie ein anderes Spiel als ich. Das ist ja grauenvoll", ereiferte sich der Milliardär.

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Carlisle ist gefordert

Doch nicht nur Cuban ließ sich gehen. Dallas' Trainer hatte bereits unmittelbar nach der 1:0-Führung in der Serie mehr Disziplin von seinen Akteuren gefordert und war demzufolge nicht überrascht.

"Mir hatte schon unsere Abwehrleistung im letzten Spiel nicht zugesagt. Heute ist es nicht besser geworden. Sie haben uns in den Hintern getreten. Das müssen wir wie Männer wegstecken", forderte Carlisle eine Reaktion.

Der Defensivfanatiker muss seiner Truppe mit Blick auf Partie Nummer drei in der Oklahoma City Arena (So., ab 3 Uhr im SPORT1-LIVESTREAM) jetzt wieder die Giftigkeit der bisherigen K.o.-Runde einimpfen.

Außerdem fehlt noch immer ein wirkungsvolles Mittel, um die dynamischen Drives von Kevin Durant, Russell Westbrook oder James Harden einzudämmen.

Butler und Beaubois kein Thema

Nach momentanem Stand werden weder Caron Butler - er kann nach wie vor nicht voll einsteigen - noch Roddy Beaubois dabei helfen.

Den kleinen Franzosen hält Carlisle trotz seiner Schnelligkeit offenbar nicht für eine ernsthafte Alternative, stattdessen berief er Defensivspezialist Corey Brewer in den Kader, setzte ihn aber nur in Spiel eins für knapp fünf Minuten ein.

"Wir müssen jetzt in einem Hexenkessel antreten und endlich wieder defensiv arbeiten, dann können wir erfolgreich sein. Wir haben das entscheidende Spiel in Portland und zwei Spiele in Los Angeles gewonnen", gab Nowitzki die Marschroute vor.

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