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In Spiel eins der legendären Conference-Finalserie gegen Oklahoma City stellt Nowitzki mit 24 verwandelten Freiwürfen ohne Fehlversuch einen Rekord auf
Dirk Nowitzki belegt hinter Kevin Durant Platz zwei bei den Playoff-Scorern mit 28,6 Punkten © getty

Dank des furiosen Schlussspurts kehren die Mavs mit Matchbällen nach Dallas zurück. Nowitzki erhält Lob von einer Legende.

Von Rainer Nachtwey

München/Dallas - Der Besitzer sprang wie ein Flummy hinter der Bank, die Fans feierten die Mannschaft bei der Ankunft frenetisch, und die Legenden adelten Dirk Nowitzki:

Was 43 Minuten lang wie eine bittere Niederlage aussah, entpuppte sich in der Schlussphase zu einem der größten Comebacks in der Geschichte der NBA-Playoffs.

Durch den 112:105-Erfolg nach Verlängerung (Spielbericht) holten sich die Dallas Mavericks dank ihres Superstars Nowitzki nicht nur Matchbälle für den Einzug in die NBA-Finals, sie widerlegten auch ihr "Softie-Image", das die Texaner seit 2:4-der Niederlage in den Finals 2006 gegen die Miami Heat mit sich herumtragen.

Lob von Lakers-Legende

Allen voran Nowitzki.

"Dirk, du bist der beste Spieler dieser Playoffs. So eine Leistung habe ich noch nie gesehen", lobte Lakers-Legende Magic Johnson den Würzburger nach dem Spiel im Fernsehsender "ESPN".

Bank-Spieler Jason Terry, der einzig weitere Verbliebene aus dem Mavs-Kader von 2006, meinte zum Softie-Image: "Es gibt Zeiten und Situationen, in denen der Mut und die mentale Stärke eines Teams auf die Probe gestellt werden. Dies war ein solcher Moment."

Nahezu perfekte Schlussphase

Der Moment bezog sich vor allem auf die herausragenden fünf Schlussminuten des letzten Viertels, als die Mavericks einen 84:99-Rückstand aufholten und durch einen 17:2-Lauf die Overtime erzwangen, sowie die fünfminütige Verlängerung.

"Es war eigentlich schon vorbei. Wenn wir noch einmal Mist gebaut hätten, ihnen noch einen Offensiv-Rebound gestattet hätten, wäre das Spiel vorüber gewesen", analysierte Nowitzki die Schlussphase. "In dieser Phase haben wir nahezu perfekt gespielt."

Brooks: "Sensationell, ohne Worte"

Insbesondere Nowitzki. Der deutsche Nationalspieler traf seine vier Würfe aus den schwierigsten Lagen und verwandelte drei seiner vier Freiwürfe. (STATISTIK: Der SPORT1-Nowitzki-Watch)

Thunder-Thunder Scott Brooks war nach der Partie schier ratlos. "Er hat einen schweren Dreier getroffen, das können wir nicht verteidigen. Er hat einen Wurf getroffen, obwohl er vom falschen Fuß abgesprungen ist, einen anderen, obwohl wir ihn doppelt verteidigt haben. Das war sensationell. Er hat einfach alles an sich gerissen, das ist ohne Worte", schwärmte der gegnerische Coach von Nowitzki.

Und Teamkollege Tyson Chandler meinte: "In der Offensive hat er uns im wahrsten Sinne des Wortes Huckepack genommen und uns getragen."

[kaltura id="0_58gs6lqc" class="full_size" title="Dallas mit einem Bein im Finale"]

Vertrauen in Jason Kidd

Zudem bewies der Würzburger Spielübersicht, als er in der Verlängerung, statt den Abschluss zu suchen, auf Jason Kidd passte.

"Ich wusste, dass der Ball zu mir kommen würde. Dirk hat sehr viel Vertrauen in mich. Mir war klar, dass sie ihn in Doppeldeckung nehmen würden. Mein Job war es dann, den Ball zu versenken", sagte der Aufbauspieler zum vorentscheidenden 108:105 40 Sekunden vor dem Ende. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Aber nicht nur für seinen entscheidenden Dreier erhielt Kidd großes Lob von Nowitzki.

"Ich bin sehr stolz auf Jason", sagte Nowitzki. "Er kämpft in der Verteidigung wie ein Wilder, er führt uns in der Offensive, er holt Steals, und dann versenkt er auch noch diesen Wahnsinns-Dreier, der uns mit drei Punkten in Führung bringt. Ich ziehe jeden Abend den Hut vor ihm, was er leistet."

Hardens Aus verändert Defense

Vor allem die verbesserte Defense in den Schlussminuten, als die Thunder nur 3 ihrer 16 Würfe trafen, sorgte für den Umschwung.

Dies lag auch an einer personellen Maßnahme bei den Thunder. Als James Harden 4:30 Minuten vor Ende wegen seines sechsten Fouls den Rest der Partie zuschauen musste, veränderte dies das Defensiv-Vorgehen der Mavericks.

"Als Harden raus musste, haben wir all unsere Konzentration auf KD gelegt. Das war der Grundstein", verriet Backup-Center Brendan Haywood.

Thunder versohlen Mavs den Arsch

Aber bei all der Euphorie vergaßen die Mavericks nicht, dass es auch 43 Minuten zum Vergessen bzw. zur kritischen Analyse gab. (STATISTIK: Die Tagesbesten)

"Wenn du bei den Rebounds so den Arsch versohlt bekommst wie wir, gewinnst du normalerweise nicht", merkte Haywood an.

Damit hat der Big Man recht. Dallas' gesammelten 33 Abprallern standen 55 der Thunder gegenüber, bei den Offensiv-Rebounds war das Verhältnis 5:20.

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Sieg trotz Negativ-Wert

Einen solchen Nachteil von 22 oder weniger Rebounds machten zuletzt die Washington Bullets 1986 noch wett. Damals lautete das Verhältnis 29:58.

"Das müssen wir dringend abstellen", meinte Kidd. "Wir dürfen nicht noch einmal 20 Offensiv-Rebounds zulassen."

Und Nowitzki warnte: "Noch ist nichts vorbei".

Statistik spricht gegen OKC

Allerdings spricht vor Spiel 5 in Dallas (ab 3 Uhr SPORT1+-LIVESTREAM) alles dafür. Bisher gelang es erst zwei Mannschaften einen 1:3-Rückstand zu drehen, wenn zwei der drei ausstehenden Spiele auswärts sind.

Houston 1995 in den Western-Conference-Halbfinals gegen Phoenix und Boston 1968 in der Finalserie der Eastern Conference gegen Philadelphia.

Und auch wenn Kevin Durant nach der Partie auf der Pressekonferenz sagte: "Es ist noch nicht vorbei" - seine Körpersprache sagte anderes.

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