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Terry (l.) und Nowitzki (2.v.l.) verloren 2006 mit Dallas gegen Miami in den Finals © getty

Vor Spiel 5 gegen Oklahoma City beschäftigt sich Dallas nur mit dem Gegner. Jason Terry hat sich eine Taktik zurechtgelegt.

Von Rainer Nachtwey

München/Dallas - Die Serie ist noch nicht durch, doch Fans und Medienvertreter spekulieren bereits über die Finals.

Vor dem fünften Spiel zwischen den Dallas Mavericks und den Oklahoma City Thunder (ab 3 Uhr SPORT1+-LIVESTREAM) drängt eine mögliche Final-Revanche gegen die Miami Heat das Duell um den Einzug in die NBA-Finals in den Hintergrund.

Nach dem unvorstellbaren Comeback der Mavericks und der daraus folgenden Overtime-Niederlage Oklahoma Citys in Spiel 4 (Nachbericht) sowie dem 1:3-Rückstand trauen die Experten den Gästen kaum noch etwas zu.

"Diese Niederlage ist eine wichtige Lektion für die kommenden Jahre", meinte der ehemalige Aufbauspieler und heutige TV-Kommentator Mark Jackson. An ein Aufbäumen der Thunder glaubt er nicht mehr.

Barkley schwärmt von Nowitzki

Zumal einstige Weggefährten Jacksons derzeit von Dirk Nowitzki schwärmen. Lakers-Legende Magic Johnson lobt den Würzburger in höchsten Tönen: "Dirk, du bist der beste Spieler dieser Playoffs. So eine Leistung habe ich noch nie gesehen."

Charles Barkley sieht "keinen auf der Welt, der Dirk verteidigen kann".

Selbst der gegnerische Coach Scott Brooks gibt sich bei der Analyse nach dem Spiel ratlos, wie seine Defense gegen Nowitzki agieren soll.

?Erst trifft Dirk einen schweren Dreier. Den kannst Du nicht doppeln. Dann dreht er sich auf dem falschen Fuß und dennoch trifft er den Wurf. Er nimmt einen unmöglichen Wurf, als wir ihn an der Grundlinie doppeln und er trifft ihn?, sagt Brooks kopfschüttelnd. (STATISTIK: Der SPORT1-Nowitzki-Watch)

"Gegen wen würdest Du lieber spielen?"

Trotz der Lobeshymnen warnt Nowitzki vor Spiel 5: "Noch ist nichts vorbei."

Und Teamkollege J.J. Barea fügt an: ?Wir müssen uns auf die Thunder konzentrieren und nicht auf das, was anschließend kommt.?

Dennoch gesteht der Puertoricaner ein, sich - wenn auch unfreiwillig - mit der Zeit nach der Serie zu beschäftigen.

"Ich habe viele SMS von Freunden bekommen, die mich gefragt haben: 'Gegen wen würdest Du lieber spielen?'", sagt Barea, schränkt aber sofort ein: "Wir haben nur OKC in unseren Köpfen."

[kaltura id="0_58gs6lqc" class="full_size" title="Dallas mit einem Bein im Finale"]

"Spiel fünf ist für uns Spiel sieben"

Auch Jason Terry, mit 20 Punkten in Spiel 4 zweitbester Scorer hinter Nowitzki, konzentriert sich ganz allein auf das fünfte Duell mit den Thunder. Dafür hat sich der Shooting Guard eine Taktik zurechtgelegt.

"Wir wissen, dass wir nur einen Sieg von den Finals entfernt sind. Wir werden in die Partie mit der Einstellung eines siebten Spiels reingehen. Spiel fünf ist für uns Spiel sieben", sagt der neben Nowitzki einzig verbliebene Maverick aus dem Finals-Kader von 2006.

"Ich habe nicht vor, noch einmal nach Oklahoma City zu reisen." (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Tyson Chandler fordert wie Terry ein schnelles Ende im Duell mit Oklahoma City. "Wir müssen diese Serie in fünf beenden. Wenn du die Möglichkeit dazu hast, musst du sie ergreifen", sagt der Center.

Blick auf das ultimative Ziel gerichtet

Diese Fokussierung auf das "ultimative Ziel" beeindruckt Coach Rick Carlisle. "Die Jungs sind wie ein Laser darauf konzentriert, den nächsten Sieg einzufahren. Die Jungs glauben das ganze Jahr schon an sich."

Und Nowitzki ergänzt: "Wir sind eine Einheit von erfahrenen Spielern, die alle nur ein Ziel haben. Unsere Augen sind nur auf den großen Preis gerichtet."

Dennoch erwarten die Mavericks einen hochmotivierten Gegner. "Sie werden mit allem, was möglich ist, versuchen, uns zu schlagen. Wir müssen unser bestes Spiel abliefern, um die Serie zu beenden", meint Carlisle.

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"Die Stadt im Stich gelassen"

Ein Erfolgsrezept hat der Coach allerdings gleich parat: "Spiel 3 war unser bestes Spiel bisher. Wir haben von Anfang bis Ende gut verteidigt. Das müssen wir wieder schaffen, um zu gewinnen."

Vor allem das Duell Shawn Marion gegen Thunder-Superstar Kevin Durant wird im fünften Aufeinandertreffen eine große Rolle spielen.

Denn der WM-MVP von 2010 hat sich nach seiner enttäuschenden Leistung während Dallas' Aufholjagd viel vorgenommen. Nach seinem Dreier, der den Thunder 5:06 vor Ende der regulären Spielzeit einen 15-Punkte-Vorsprung bescherte, erzielte er bei sechs Versuchen keinen einzigen Punkt mehr. (STATISTIK: Die Tagesbesten)

"Ich bin richtig sauer, weil ich meine Teamkollegen, die ganze Stadt im Stich gelassen habe", macht sich der 22 Jahre alte Forward Vorwürfe, kündigt aber kämpferisch an: "Es ist noch nicht vorbei. Wir haben schon einmal in ihrem Zuhause gewonnen."

Celtics als Vorbild für Thunder

Die Statistik spricht jedoch eine andere Sprache. Letztmals drehte vor 30 Jahren eine Mannschaft in den Conference Finals einen 1:3-Rückstand in einen Seriensieg. 1981 zwangen die Boston Celtics um Larry Bird noch die Philadelphia 76ers in die Knie.

Allerdings hatten die Celtics damals einen Vorteil auf ihrer Seite. Sie bestritten zwei der drei ausstehenden Spiele vor heimischem Publikum. Die Thunder hingegen müssten - sollten sie Spiel 5 in Dallas und Spiel 6 zu Hause gewinnen - auch im alles entscheidenden siebten Duell in Texas ran.

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