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Dirk Nowitzki markierte als erster Europäer in der NBA-Geschichte 20.000 Punkte © getty

Weicheier? Das war einmal. Dallas präsentiert sich dank Vorbild Nowitzki als starke Einheit und erreicht auch deshalb die Finals.

Von Eric Böhm

München - Wenn es noch einen Beweises bedurft hätte, dass die Dallas Mavericks nicht mehr die mental wackeligen Schönspieler früherer Jahre sind, lieferte ihn Spiel vier der Halbfinals in Oklahoma. (Alle Playoff-Spiele im SPORT1+ LIVESTREAM)

Dirk Nowitzki und Co. gaben sich einfach nicht auf, holten mit einer Energieleistung in den letzten fünf Minuten einen 15-Punkte-Rückstand auf und erledigten die erstarrten Thunder in der Verlängerung (Bericht).

"Sie haben uns mit einem rechten Haken niedergestreckt. Wir standen wieder auf, sahen aber den linken Aufwärtshaken nicht kommen. Trotzdem sind wir nicht K.o. gegangen", bediente sich Jason Terry der Boxsprache.

Rückschläge weggesteckt

Die Wortwahl des "Jets" passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge zu der fantastischen Saison seines Teams.

Denn die Mavericks mussten nach einem sensationellen Start (24 Siege - fünf Niederlagen) einige Rückschläge hinnehmen - unter anderem die Verletzungen von Caron Butler und Dirk Nowitzki.

Doch davon ließen sie sich nicht umwerfen, sondern arbeiteten konzentriert weiter und präsentierten sich in den NBA-Playoffs - abgesehen von dem Einbruch in Spiel vier der Portland -Serie (Bericht) - als toughe und abgeklärte Einheit.

Nowitzki adelt Chandler

Die Frage ist: Wie konnten sich die fast körperlosen Playoff-Versager in diese abgezockte auf Verteidigung und Rebounds fokussierte Truppe verwandeln, die jede Chance, den Korb zu attackieren, eiskalt ausnutzt?

Neben Coach Rick Carlisles Defensivphilosophie, die nach drei Jahren endlich Früchte trägt, entwickelte sich die Verpflichtung von Tyson Chandler zum absoluten Glücksfall.

"Ich habe schon die gesamte Saison über gesagt, dass er unser MVP ist. Seine Präsenz in der Mitte hat unsere Verteidigung auf ein neues Level gebracht", adelte Nowitzki den Center. (STATISTIK: Der SPORT1-Nowitzki-Watch)

[kaltura id="0_fyin9s44" class="full_size" title="Dallas in den NBA Finals"]

"Ein wichtiger Baustein"

Gegen Oklahoma holte er im Schnitt mehr als zehn Rebounds pro Partie und stellte seinen immensen Wert erneut unter Beweis.

"Er ist ein ganz wichtiger Baustein. Die Chemie im Team ist seit vielen Jahren sehr gut. Das liegt vor allem an Dirk, aber mit Tyson konnte Coach Carlisle seine Vorstellungen hundertprozentig umsetzen", lobte Manager Donnie Nelson.

Dank Chandler sind die Zeiten in denen Nowitzki mangels Alternativen - Erick Dampier lässt Grüßen - als Center aushelfen musste endgültig vorbei.

Nowitzki färbt ab

Der deutsche Ausnahmespieler gibt aber auch im Angriff eine neue Richtung vor. Früher waren die Mavs reine Shooter. Egal ob die Würfe fielen oder nicht, sie warfen einfach weiter.

In den Playoffs 2011 färbt die aggressivere Gangart von Nowitzki auf die gesamte Mannschaft ab.

Bereits gegen Portland zog der 32-Jährige immer wieder unwiderstehlich zum Korb. Der furiose Halbfinal-Auftakt gegen die Thunder - 48 Punkte, 24 Freiwürfe (Bericht) - verjagte endgültig das "Softie-Image", das "Dirkules" und Dallas viele Jahre anhaftete.

"Dirk ist ein begnadeter Basketballer. Er wurde jahrelang unterschätzt. Weil er trotz seiner Größe ein guter Werfer ist, wurde ihm die Härte abgesprochen. Das hat sich jetzt wohl erledigt", zollte auch Lakers-Star Kobe Bryant Nowitzki Respekt.

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Wiedersehen für D-Steve

Auch Defensivspezialist DeShawn Stevenson trägt seinen Teil zu der neuen Toughness der Mavericks bei.

Der Guard wird in den Finals gegen Miami (Spiel eins, Mi., ab 3 Uhr SPORT1+ LIVESTREAM) mehrmals im direkten Duell auf seinen alten Rivalen LeBron James treffen.

Als der Superstar noch für Cleveland spielte, entwickelte sich zwischen beiden eine handfeste Fehde.

Legendäre Fehde mit LeBron

Nach einem Sieg der Washington Wizards - neben Stevenson spielten damals auch die heutigen Mavs Caron Butler und Brendan Haywood in der Hauptstadt - bezeichnete D-Steve James als "überschätzt".

In den Playoffs 2008 standen sich die Teams gegenüber und der 30-Jährige versuchte seinen berühmten Kontrahenten mit Trash-Talk und harten Fouls zu entnerven.

Daraus entwickelte sich sogar ein Hip-Hop-Krieg um James-Freund Jay-Z. Der "King" ließ sich davon aber nicht beeindrucken und schenkte den Wizards bei dem 4:2-Erfolg im Schnitt fast 30 Punkte ein.

"Ich glaube nicht, dass er es vergessen hat. Trotzdem liegt das lange zurück. Er ist so stark, also wollte ich ihn reizen und aus dem Konzept bringen. Mal sehen, wie es diesmal läuft", sagte Stevenson.

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