vergrößernverkleinern
Dirk Nowitzki war bester Schütze und MVP der Weltmeisterschaft 2002 © getty

Nowitzkis Aufstieg zum Superstar ist mit Rekorden und Ehrungen gepflastert. In den Finals gegen Miami soll die Krönung folgen.

Von Eric Böhm

München - Seit 13 Jahren spielt Dirk Nowitzki nun schon in der NBA und versetzt Fans, Experten und nicht zuletzt Gegner mit seiner einzigartigen Spielweise immer noch reihenweise ins Staunen.

Dabei hat der Ausnahmekönner der Dallas Mavericks einen langen, harten Weg aus Würzburg in die Riege der Superstars hinter sich.

Ein letzter Makel haftet Nowitzki allerdings noch an. In seinen zweiten NBA-Finals nach 2006 will er gegen die Miami Heat (Spiel zwei, Fr., ab 3 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) endlich seine Meisterschaft gewinnen.

James hat großen Respekt

Miamis Starensemble um LeBron James steht vor der fast unlösbaren Aufgabe, die Kreise des 32-Jährigen einzuengen, und hat demzufolge riesigen Respekt (Highlights der Conference-Finals, Di., ab 22.30 im TV auf SPORT1).

"Er ist großartig. Kareem Abdul-Jabbars Sky-Hook ist der beste Wurf aller Zeiten, aber ich würde Dirk mit seinem Fadeaway-Jumper von einem Bein unmittelbar dahinter einordnen. Dagegen kannst du nichts machen", bekannte James.

Seine Köpergröße gepaart mit dem gefühlvollen Händchen eines Scharfschützen macht Nowitzki seit vielen Jahren zum Matchup-Albtraum eines jeden Coaches.

Pitino vergleicht ihn mit Bird

Zu Beginn seiner Karriere sah das noch ganz anders aus. Nur zwei NBA-Teams erkannten das große Potenzial des schmächtigen 20-Jährigen. (STATISTIK: Der SPORT1-Nowitzki-Watch)

Trainerfuchs Don Nelson wollte Nowitzki unbedingt für seinen "Run-and-Gun-Angriff." Bostons Rick Pitino sah in ihm schon damals den neuen Larry Bird.

[kaltura id="0_arwbryxt" class="full_size" title="Showdown kann beginnen"]

Dank des inzwischen legendären Trades von Robert "Traktor" Traylor nach Milwaukee holte Nelson seinen Wunschspieler nach Dallas.

Schwerer Anfang

Der Sprung von der 2. Bundesliga in die beste Liga der Welt fiel Nowitzki aber nicht leicht. Gegen die athletischen NBA-Forwards hatte er zu Beginn große Probleme.

"Ich war so frustriert, dass ich fast wieder nach Deutschland zurückgegangen wäre. Ich kam mir vor als würde ich aus einem Flugzeug springen und hoffen, dass der Fallschirm aufgeht", beschrieb Nowitzki später seine ersten Monate. 64410(DIASHOW: Nowitzkis NBA-Karriere)

Seine schwache Verteidigung, die ihm teilweise noch heute nachhängt, brachte ihm damals sogar den despektierlichen Spitznamen "Irk" ein. Denn das "D" steht im US-Sport für Defensive.

Stetig verbessert

Um seine Qualitäten im Passspiel optimal zu nutzen, wollte ihn Nelson sogar als "Point Forward" (Wortspiel aus Point Guard und Power Forward, Anm.d.Red.) einsetzen.

Nach seiner kurzen Premierensaison - aufgrund eines Streiks gab es nur 50 Spiele - verbesserte sich Nowitzki stetig und wurde bei der Wahl zum Most Improved Player Zweiter hinter Jalen Rose.

Nachdem Mark Cuban das Team im Jahr 2000 für 280 Millionen Dollar gekauft hatte, krempelte er die Mannschaft komplett um.

Nowitzki schreibt NBA-Geschichte

Als reiner Power Forward startete das "German Wunderkind" durch und wurde 2001 zum ersten und einzigen Spieler der NBA-Geschichte mit 150 Dreiern sowie 100 Blocks in einer Spielzeit.

Im selben Jahr führte er die Mavericks auch zum ersten Mal seit 1990 in die Playoffs und schaffte es als erster Spieler der Klubgeschichte in ein All-NBA-Team.

Seit 2002 steht Nowitzki auch ununterbrochen im All-Star-Team des Westens und gewann mit der Nationalmannschaft 2002 sensationell WM-Bronze.

Vor jener Saison wurde er mit seinem Sechsjahresvertrag über 90 Millionen Dollar zum zu diesem Zeitpunkt zweithöchstbezahlten deutschen Sportler hinter Michael Schumacher.

[image id="9a4d27fd-6477-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Johnson formt ihn

In den folgenden Jahren kämpfte der inzwischen als "Dirkules" bekannte Superstar jedoch immer wieder gegen die Playoff-Windmühlen. (Hartgekochte Mavericks verjagen "Softie-Image")

Auch mit dem neuen Coach Avery Johnson wollte es mit einer Meisterschaft einfach nicht klappen. Der kolossale Einbruch in den Finals 2006 stellte den Höhepunkt dar (Späte Rache für den "Jet"?).

Immerhin formte ihn der kleine General zu einem überdurchschnittlichen Verteidiger und damit kompletten Basketballer.

MVP-Titel als Höhepunkt

Der Lohn für die harte Arbeit war die Wahl zum wertvollsten Spieler 2007 - kein Europäer schaffte dies vor ihm.

Nowitzki sammelte in diesem Jahr fast 25 Punkte im Schnitt, traf über 50 Prozent seiner Würfe und führte Dallas zu 67 Siegen - Mavericks-Rekord.

Das historische Erstrundenaus als topgesetzte Mannschaft gegen Nelsons Golden State Warriors war für "Big D" ein Schock: "Ich konnte dieser Serie nicht meinen Stempel aufdrücken. Ich bin sehr enttäuscht. Ein Titel ist viel wichtiger als jede Auszeichnung."

"Er ist ein Gigant"

Inzwischen wird nicht mehr über seine Klasse, sondern nur noch über den Platz unter den besten Spielern aller Zeiten diskutiert.

"Er ist ein Gigant. Du kannst nur versuchen, zu verhindern, dass er gegen dich ein völlig verrücktes Spiel abliefert", meinte Finalgegner Chris Bosh.

Um nicht in die Ecke von Karl Malone oder Charles Barkley gestellt zu werden, braucht er jedoch die Meisterschaft als Krönung seiner Karriere. Sonst wird - nicht zuletzt für Nowitzki selbst - immer ein dunkler Fleck zurückbleiben.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel