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Dirk Nowitzki (r. mit Bauermann) spielt seit 1998 bei den Dallas Mavericks © imago

Bauermann glaubt, dass Dirkules in den Finals auch den "King" vorgesetzt kriegt. Bei SPORT1 sagt er Dallas' Taktik voraus.

Von Michael Spandern

München - Das Traumfinale zieht auch den Bundestrainer in seinen Bann.

"Die Begeisterung ist natürlich eine ganz andere als in all den Jahren außer 2006", sagt Dirk Bauermann, der je nach Tagesform und -programm nachts seinen Wecker stellt, um Dirk Nowitzki live zu sehen (Spiel 2, Fr., ab 3 Uhr im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).

Damals wie heute drückt er Nowitzkis Dallas Mavericks die Daumen, damals wie heute heißt der Widersacher Miami Heat - gemeinsam mit SPORT1 analysiert er die NBA-Finals und deren Hauptdarsteller.

Anders als vor fünf Jahren, als die Mavs mit 2:4 verloren, hat es der Würzburger mit drei aktuellen All-Stars zu tun: Dem 2006er-Helden Dwyane Wade, dem als MVP mit viel Brimborium nach Florida gewechselten LeBron James und Chris Bosh.

Bosh fällt aus dem Triumvirat

Doch Miamis Dreifaltigkeit schrumpft in Bauermanns Augen zu "Miami Twice". Er spricht bei SPORT1 von "zwei Superstars", da Bosh nicht auf einem Level mit James und Wade sei.

Und die Mavs bestünden schließlich nicht nur aus Nowitzi (STATISTIK: Der SPORT1-Nowitzki-Watch):

"Dallas hat ja Spieler, die früher Superstars waren. Kidd war etwa fünf Jahre lang der beste Spielmacher dieser Liga, Shawn Marion ist durch seine Athletik und unorthodoxe Spielweise unheimlich schwer zu verteidigen", hebt er die beiden Oldies heraus.

Dennoch sei es natürlich ein ungleiches Duell (Alle Playoff-Spiele im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) zwischen zwei Ausnahmespielern, "die auf dem Höhepunkt ihrer Karrieren und ihrer Fähigkeiten sind, und einem Deutschen, der sicherlich auch seinesgleichen sucht und großartige Playoffs spielt".

Bauermann fordert: Das Herz beschützen!

Was also tun aus Dallas' Sicht? "Es wird darauf ankommen, sich nicht von James und Wade schlagen zu lassen, sondern Miami zu zwingen, dass es andere versuchen", erklärt Bauermann.

"Dafür ist es erforderlich, exzellente Teamdefense zu spielen, die Picks früh zu erkennen und einander schnell und intelligent zu helfen", führt er aus.

[kaltura id="0_arwbryxt" class="full_size" title="Showdown kann beginnen"]

"Es geht darum, James und Wade vor sich zu halten. Wenn James oder Wade im Schlussviertel drei Dreier treffen - okay. Dann wird es ganz hart. Aber sie dürfen nicht ins Herz der Verteidigung eindringen!", fordert der neunmalige Meistertrainer.

Wieder Kombination aus Mann- und Raumdeckung?

Und er hat auch einen Defensivspezialisten ausgemacht, dessen Beinarbeit dafür genügen könnte: "DeShawn Stevenson kann das. Er dürfte aufgrund der Matchups wohl gegen Wade und Marion gegen James anfangen. Wie sich das dann während des Spiels entwickelt, hängt von den Wechseln ab."

Neben Stevenson, der 2010 aus Washington nach Dallas kam, und dem mittlerweile 33-jährigen Marion stehen den Mavs allerdings kaum Außenverteidiger mit der nötigen Athletik und Antrittsschnelligkeit zur Verfügung.

Doch Bauermann weiß, dass Dallas auch gut und gerne eine Kombination aus Mann- und Raumdeckung spielt, bei der sich die Duelle ständig ändern: "Ich glaube, dass Dallas wieder viel und erfolgreich auf die Match-up-Zone setzt - wie gegen Oklahoma City."

"Haslem tut den Heat extrem gut"

Dass auf der anderen Seite Nowitzki ähnlich leichtes Spiel hat wie in der Halbfinal-Auftaktpartie gegen die Thunder (48 Punkte, 24 Freiwürfe), glaubt der Bundestrainer nicht.

"Miami hat zwei, drei Spieler, die Nowitzki Eins-gegen-Eins wirkungsvoll verteidigen können", sagte er: "Udonis Haslem, der nach seiner Verletzung zurück ist und den Heat extrem gut tut. Vielleicht tut sich auch noch ein anderer Big Man hervor."

Doch in der entscheidenden Phase werde der "King" übernehmen:

"Ich glaube, dass im Schlussviertel oder dann, wenn es wirklich drauf ankommt, James gegen Nowitzki verteidigen wird. Er ist mittlerweile soweit, dass er Spieler auf allen fünf Positionen verteidigen kann."

Doppel-Deckung schreckt Dirkules nicht

Den Beweis habe Miamis letztes Spiel der Halbfinal-Serie gegen Chicago erbracht: "Da hat er in den letzten Minuten Derrick Rose gestoppt, der neben ihm selbst und Dirk Nowitzki der vielleicht am schwersten zu verteidigende Spieler ist - das sagt eigentlich alles."

Und auf einen Kräfteverschleiß dürfe man bei James nicht hoffen - "für den könnte eine Serie auch zehn Spiele dauern."

Natürlich würden die Heat Nowitzki auch phasenweise doppeln, meint Bauermann. Aber davor müsse keinem bange sein: "Dirk war schon immer ein bereitwilliger Passer, dem es aufgrund seiner Erfahrung nun noch besser gelingt, in diesem Situationen den freien Mann zu finden."

Wunder Punkt in der Mitte

Unabhängig von der Heat-Defense glaubt Bauermann aber, dass die Mavs an ihrem Plan festhalten und alles daran setzen, Nowitzki auf seinen Lieblingspositionen - den oberen Ecken der Zone, aber mittlerweile auch gern am unteren Zonenrand - an den Ball zu bringen.

In Korbnähe vermutet der Bundestrainer auch Miamis Schwachstelle. "Da kann man am ehesten die Center nennen."

"Allerdings ist es nun nicht so, dass Dallas einfach Tyson Chandler den Ball geben kann und er Joel Anthony oder Zydrunas Ilgauskas schwindlig spielt. Dafür ist seine Offensive nicht ausgereift, 30-Punkte-Spiele dürfen wir da nicht erwarten."

Barea und Marion als X-Faktoren

Für die Mavs spräche die im Vergleich zu 2006 und zu den Heat größere Erfahrung. Zudem hofft Bauermann, dass Shawn Marion und der schnelle Ersatz-Spielmacher J.J. Barea zu X-Faktoren werden.

Skeptisch ist er aber, was die eventuelle Rückkehr von Caron Butler nach dessen Patellasehnenriss im Januar angeht.

"Es kommt darauf an, wie fit er ist und wie groß der Beitrag ist, den er leisten kann", sagt er. "Sicherlich kann das auch nach hinten los gehen, wie bei Duke und Spielmacher Kyrie Irving im NCAA-Turnier. Aber es ist eine unter Umständen lange Serie, da hat Rick Carlisle durchaus die Möglichkeit, das auszuprobieren."

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