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Dirk Nowitzki hat bisher 127 Länderspiele für Deutschland bestritten © getty

Dirkules will mit Dallas in den Finals gegen Miami den letzten Makel seiner Karriere ausmerzen. Das ungleiche Duell elektrisiert.

Von Eric Böhm

München/Miami - Dirk Nowitzki hat lange auf seine zweite Chance warten müssen.

Nach dem bitteren Kollaps 2006 - die Dallas Mavericks verspielten einen vermeintlich komfortablen 2:0-Vorsprung mit vier Pleiten in Folge - folgten fünf Jahre voller Enttäuschungen.

Jetzt sind sie endlich wieder zurück in der Endspielserie der NBA und treffen wie damals auf die Miami Heat (Spiel eins, ab 3 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).

"Nach den vielen Pleiten bin ich schon glücklich, dass wir überhaupt wieder in den Finals stehen. Der Gegner ist eigentlich unerheblich, aber es ist schon komisch, wieder auf Miami zu treffen", sagt Nowitzki.

Nowitzki zog Heat in Erwägung

So bietet sich dem besten deutschen Spieler aller Zeiten und Mannschaftskamerad Jason Terry - die letzten verbliebenen Mavs von 2006 - die unverhoffte Gelegenheit zur Revanche.

In der K.o.-Runde widerlegte Nowitzki mit seiner Truppe jene Kritiker, die Dallas ihr zehntes vorzeitiges Playoff-Aus innerhalb der letzen elf Jahre prognostizierten (Highlights der Conference-Finals, Di., ab 22.30 im TV auf SPORT1).

Dabei hätte er jetzt auch auf der anderen Seite stehen können: "Wenn die Heat auf mich zugekommen wären, hätte ich mir ein eventuelles Angebot zumindest angehört." 64410(DIASHOW: Nowitzkis NBA-Karriere)

Es kam nicht dazu, denn Power Forward Chris Bosh wurde aus Toronto nach Südflorida geholt und komplettierte mit James und dem alteingesessenen Dwyane Wade "Miami Thrice".

"Habe auf mien Herz gehört"

Grundsätzlich wollte "Dirkules" ohnehin nie weg aus Dallas, um für die Mavericks, Teambesitzer Mark Cuban und sich selbst den langersehnten Titel zu holen.

"Letztendlich habe ich auf mein Herz gehört. Außerdem sah ich mich nach 2006 auch in der Pflicht, den Job zu beenden. Ich wollte nur hören, dass der Klub weiter alles versuchen würde", so der 32-Jährige.

Mit den Verpflichtungen von Center Tyson Chandler sowie Nachkauf Peja Stojakovic hielt Cuban sein Wort und legte den Grundstein für die triumphale Rückkehr seines Teams in die Finals. (Hartgekochte Mavericks verjagen "Softie-Image")

[kaltura id="0_arwbryxt" class="full_size" title="Showdown kann beginnen"]

Heat als Lieblingsgegner

Die sechs Finalspiele von 2006 hat sich Nowitzki im Übrigen nie angeschaut und hat das in nächster Zukunft auch nicht vor.

"Darauf habe ich keine Lust. Wahrscheinlich würde ich mich total aufregen oder müsste mich sogar übergeben", gab der All-Star bei "espn" zu. (STATISTIK: Der SPORT1-Nowitzki-Watch)

Stattdessen hat er das Trauma auf dem Court verarbeitet. Seit dem bitteren Ende von damals verlor Dallas keines seiner zehn Spiele gegen die Heat.

Welten prallen aufeinander

Jede Mannschaft, die mit einer Siegesserie von mindestens fünf Spielen gegen den Finalgegner in die Endspiele ging, holte auch den Titel.

Allerdings prallten selten zuvor solch gegensätzliche Philosophien aufeinander. Auf der einen Seite steht die Glitzertruppe mit den drei Stars und einer Ansammlung von Nebendarstellern.

Auf der anderen Seite eine zusammengewachsene Einheit von Routiniers mit dem herausragenden Nowitzki als Speerspitze.

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LeBron tut sich schwer

Trotz "Miami Thrice" gewannen die Mavericks auch in dieser Saison beide Vergleiche mit Miami.

Speziell der "King" tat sich in diesen Spielen extrem schwer und traf lediglich elf seiner 36 Würfe aus dem Feld.

Damals hatte er es aber mit Caron Butler zu tun, der den Mavs seit Januar nach einer Operation an der Patellasehne fehlt.

Butler hofft noch

Seine Kollegen haben ihm den herausragenden Playoff-Lauf gewidmet. Der Flügelspieler kämpft unterdessen weiter verbissen um ein Comeback in den Finals.

"Ich bräuchte keine Anlaufzeit und könnte sofort helfen. Entscheidend ist aber, dass ich noch keine Freigabe von den Ärzten habe", meint Butler, der mit dem Team nach Miami geflogen ist.

Ohne Butler deutet jedoch nun alles auf ein direktes Duell zwischen den Schlüsselspielern Nowitzki und James hin.

"Die Leute sagen, er ist der beste Offensivspieler. Also werde ich ihn bewachen, wenn es nötig ist, auch über die gesamte Serie hinweg", stellte LBJ klar.

James und Nowitzki in einem Boot

Die beiden ehemaligen MVPs - Nowitzki wurde 2007 als erster Europäer ausgezeichnet - sind ohnehin die große Geschichte der Endspiele, schließlich gibt es in der NBA-Historie nur sieben wertvollste Spieler, die nie eine Meisterschaft gewinnen konnten.

Dieser Klub - Charles Barkley, Karl Malone, Allen Iverson, Steve Nash und Derrick Rose gehören auch dazu - wird also definitiv ein Mitglied verlieren.

Welcher Weg führt zum Ziel?

Die Frage wird sein: Welcher Weg führt zum Ziel? LeBron verließ als erster amtierender MVP seit 1982 seinen Klub, während Nowitzki seinen Mavericks auch im 13. Jahr die Treue hielt.

Beide haben Rekorde und Auszeichnungen en masse aufzuweisen, definieren sich aber mehr als manch anderer großer Name über den Mannschaftserfolg. Der fehlende Titel ist der letzte Makel auf ihrem jeweiligen Lebenslauf.

"Sie sind sehr stark und haben drei herausragende Leute. Aber wir sind ein ausgeglichenes Team. Bei uns können sieben oder acht Spieler jederzeit 20 Punkte liefern. Es wir interessant", kann es der Würzburger kaum noch erwarten.

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