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LeBron James (r.) wurde 2009 und 2010 zum wertvollsten Spieler der NBA gewählt © getty

Dallas vergibt beim Finals-Auftakt in Miami eine große Chance. Nowitzki strauchelt. Die Bank enttäuscht. James und Wade glänzen.

Von Eric Böhm

München/Miami - Die Dallas Mavericks haben einen klassischen Fehlstart in die NBA-Finals hingelegt.

Bei den Miami Heat kassierte die Truppe um Dirk Nowitzki eine 84:92 (44:43)-Pleite und steht vor dem zweiten Endspiel der Best-of-Seven-Serie in der Nacht auf Freitag (ab 3 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) schon unter Druck.

Der deutsche Superstar war mit 27 Punkten und acht Rebounds zwar bester Maverick, traf aber nur sieben seiner 18 Würfe. Außerdem riss er sich im letzten Viertel eine Sehne im Mittelfinger der linken Hand, als er Chris Bosh den Ball aus den Händen schlug.

"Es war eine komische Situation. Plötzlich konnte ich den Finger nicht mehr strecken. Ich werde eine Schiene tragen und im nächsten Spiel auf jeden Fall dabei sein", erklärte Nowitzk iauf der Pressekonferenz.

Erinnerungen an 2006

Der ehemalige MVP dürfte sich unter den Augen von Michael Ballack, der sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollte, speziell im letzten Viertel an die Finalserie von 2006 erinnert gefühlt haben. 64410(DIASHOW: Nowitzkis NBA-Karriere)

Denn nicht nur die schwache Quote des eigenen Teams (37 Prozent), sondern auch Dwyane Wades famose zweite Hälfte - der Guard markierte 15 seiner 22 Zähler nach der Pause - erinnerte an die unsägliche 2:4-Pleite vor fünf Jahren.

"Ich war einfach aggressiv. Wir hatten sie genau da, wo wir sie haben wollten. Sie haben nicht viele Punkte gemacht. Im Angriff gelangen uns am Ende die Big Plays", sagte D-Wade, der trotz Schmerzen an der Schulter noch zehn Rebounds holte.

James setzt Zeichen

Der zweite Matchwinner für die Heat war LeBron James (24 Punkte, neun Rebounds, fünf Assists).

"LBJ" setzte bereits früh Zeichen, als er per Schnellangriff trotz eines Fouls von Nowitzki zum 10:5 abschloss und Mavericks-Coach Rick Carlisle zu einer frühen Auszeit zwang.

Wenig später schickte er Jason Terry bei dessen Dunking-Versuch mit einem harten Foul auf die Bretter.

[kaltura id="0_51mxccba" class="full_size" title="Nowitzki Auftakt verpatzt und verletzt"]

Mavs verspielen Führung

Nowitzki und Co. arbeiteten sich nach und nach in die zerfahrene und über weite Strecken unansehnliche Partie herein.

Fünf Zähler von "Dirkules" und ein Dreier Terrys brachten den Texanern eine knappe Halbzeitführung, nach einem 7:0-Lauf führten sie im dritten Spielabschnitt zwischenzeitlich sogar mit acht Punkten. (STATISTIK: Der SPORT1-Nowitzki-Watch)

Dann übernahmen jedoch Wade und James das Kommando. Zum Ende des Viertels versetzte der "King" den Mavs mit einem Dreier im Rückwärtsfallen über Shawn Marion einen Stich ins Herz.

Nur Marion leistet Gegenwehr

Dadurch ging Miami mit einer 65:61 in die letzten zwölf Minuten und sollte diese Führung nicht mehr hergeben.

Bei Dallas zeigte neben Nowitzki einzig Marion (16 Punkte, zehn Rebounds) eine annehmbare Leistung. Der Flügelspieler ging in Abwehr und Angriff mit vollem Einsatz zur Sache.

"Wir werden ganz sicher nicht viele Spiele gewinnen, wenn wir nur 67 Würfe bekommen. Das ist nicht unser Stil", kritisierte "Matrix" den Spielaufbau und die Rebound-Schwäche.

Die Heat hatten an den Brettern mit 46:36 einen deutlichen Vorteil und schnappten sich gleich 16 Offensivrebounds.

Reservisten überfordert

Speziell die im Vorfeld hochgelobte Bank enttäuschte auf der ganzen Linie. Jason Terry steuerte zwar zwölf Zähler bei, ließ sich jedoch in der entscheidenden Phase von James komplett abmelden und blieb in der zweiten Hälfte ohne Punkte.

Ersatz-Spielmacher J.J. Barea (eins von acht aus dem Feld) und Peja Stojakovic standen völlig neben sich und wirkten total überfordert.

"Wir dürfen uns jetzt nicht unterkriegen lassen. Für ein Auswärtsteam in den Playoffs ist der Split der ersten beiden Spiele immer das Ziel. Jetzt müssen wir stark zurückkommen, um nicht mit einem 0:2 nach Dallas zu kommen", forderte Nowitzki

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LeBron macht Sack zu

Nachdem Wade mit einem Monster-Block Marion abgeräumt und einen Dreier zum 82:73 verwandelt hatte, schien die Partie bereits gelaufen zu sein, aber der nimmermüde Nowitzki brachte die Mavs eineinhalb Minuten vor Schluss mit sechs Zählern am Stück nochmal in Schlagdistanz.

Als jedoch Bosh (19 Punkte, neun Rebounds) einen Traumpass Wades verwandelte und James einen krachenden Dunking folgen ließ, war der Käse gegessen.

"Das überrascht mich nicht. Über ihre gesamte Karriere haben sie in den wichtigen Situationen ihre Leistung abgerufen", lobte Miamis Trainer Erik Spoelstra seine beiden Schlüsselspieler.

Carlisle mit Floskeln

Die Mavericks haben dagegen eine große Chance verpasst und liegen nach der ersten Schlappe gegen Miami seit den Finals 2006 erstmals in der K.o.-Runde im Hintertreffen.

Dabei wäre der sechste Auswärtserfolg in Serie leicht möglich gewesen, denn die Heat lieferten alles andere als eine großartige Vorstellung ab.

"Wir müssen viel besser spielen und das werden wir auch, da bin ich mir absolut sicher. Die Serie ist noch lang", flüchtete sich Carlisle in Durchhalteparolen.

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