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Dirk Nowitzki (l.) nahm seit 2002 immer am All-Star Game teil © getty

Dallas' Star zerstreut Zweifel an seiner Fitness und sorgt mit seinem goldenen Treffer für den Ausgleich. Die Heat brechen ein.

Von Eric Böhm

München/Miami - Die Dallas Mavericks haben dank ihres fantastischen Kampfgeistes Spiel zwei der NBA-Finals noch herumgerissen.

Das Team um Dirk Nowitzki gewann bei den Miami Heat dank eines furiosen 22:5-Endspurts mit 95:93 (51:51) und eroberte damit in der Best-of-Seven-Serie den Heimvorteil. (Die Finals LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM)

Der deutsche Ausnahmespieler krönte die nicht mehr für möglich gehaltene Aufholjagd 3,6 Sekunden vor der Schlusssirene per Korbleger mit seiner lädierten linken Hand.

"Ein riesiges Comeback für uns. Entscheidend war, wir haben nie aufgegeben", sagte der Matchwinner.

Alles sprach für Miamis 2:0-Führung

Dabei deutete bei noch sechseinhalb Minuten auf der Uhr alles auf eine 2:0-Führung Miamis hin, schließlich hatten sie sich aufgrund teilweise haarsträubender Mavericks-Fehler einen 88:73-Vorsprung erspielt.

Plötzlich bewies Dallas jedoch seine in den Playoffs schon häufiger zu bewundernde Extraklasse in der Crunch-Time und überrannte die verdutzte Startruppe.

Acht Punkte von Sixth Man Jason Terry, die immense Aggressivität in der Abwehr und ein eiskalter Dreier von Jason Kidd (sechs Zähler, acht Rebounds, fünf Assists) brachten die Mavs im Eiltempo wieder zurück.

Nowitzki trumpft auf

Dann nahm aber der Hauptdarsteller die Bühne eindrucksvoll in Beschlag.

Nowitzki traf vier von fünf Würfen, erzielte die letzten neun Punkte seines Teams, zog in der entscheidenden Szene - trotz der gerissenen Sehne in seinem linken Mittelfinger - unwiderstehlich an Chris Bosh vorbei und setzte mit Links über Udonis Haslem den goldenen Treffer.

Genau diese Bewegung hatte "Dirkules" (insgesamt 24 Zähler, elf Rebounds) aufgrund seiner Fingerverletzung aus der ersten Partie im Vorfeld explizit als problematisch bezeichnet. (Bericht: Rätselraten um den "Finger der Nation")

"Am Ende hat sie unsere Verteidigung entnervt. Wir haben sie schon in der eigenen Hälfte attackiert. Das gab den Ausschlag", zeigte er sich gewohnt bescheiden und lobte stattdessen die Steigerung in der Abwehr. (STATISTIK: Der SPORT1-Nowitzki-Watch)

[kaltura id="0_nghw5w48" class="full_size" title="Mavericks gewinnen Spiel 2 in Miami"]

Terry-Blackout ohne Folgen

Im Angriff fehlte dem MVP von 2007 über weite Strecken der Partie die Präzision - von seinen ersten 17 Versuchen aus dem Feld fanden nur sechs ihren Weg in den Korb - aber als es darauf ankam, enttäuschte der Würzburger seine Kollegen nicht und brachte die Texaner 26 Sekunden vor dem Ende mit einem Dreier zum 93:90 erstmals seit der ersten Hälfte in Führung.

Selbst ein übler Blackout von Terry, der Mario Chalmers übersah und den Heat-Guard völlig frei zum 93:93 vollenden ließ, brachte Nowitzki vor dem finalen Ballbesitz nicht aus der Ruhe.

"Man konnte es in uns einfach spüren, dass wir nicht aufgeben würden", meinte "Jet", der 16 Zähler sowie fünf Assists verbuchte.

Stojakovic abgestraft

Nach der schwachen Leistung bei der Auftaktniederlage (Bericht) ging Dallas von Anfang sehr bissig zur Sache und führte schnell mit 12:6. 412486(DIASHOW: Die NBA-Finals 2011)

Die Heat kamen aber mit einem 10:1-Lauf postwendend zurück, als sie den indisponierten Peja Stojakovic - der nach grauenvollen fünf Minuten nicht mehr eingesetzt wurde - als Schwachpunkt ausgemacht hatten.

Vor allem Dwyane Wade (insgesamt 36 Punkte) knüpfte an seine grandiose Schlussphase des ersten Duells an und brachte den Gastgebern nach zwischenzeitlichem 42:51-Rückstand kurz vor der Pause den Ausgleich, obwohl Superstar LeBron James mit Foulproblemen auf der Bank schmorte.

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Spoelstra entsetzt

Bei den Mavericks lief urplötzlich überhaupt nichts mehr zusammen. Mit reihenweise unnötigen Ballverlusten wurden die athletischen Heat zu reihenweise spektakulären Dunkings eingeladen.

Als dann auch noch Aufbauspieler Mike Bibby seinen vierten Dreier zum 69:61 einstreute und "King James" (20 Zähler, acht Rebounds) ins Rollen kam, hätte wohl niemand mehr auf die Mavericks gesetzt.

"Wir wussten, sie würden noch einen Lauf starten. Aber dieses vierte Viertel war schon extrem. Es wurde einfach immer schlimmer", stöhnte Miamis Coach Erik Spoelstra.

Der herausragende Wade beschwerte sich nach seinem Verzweiflungsdreier mit dem Buzzer noch über ein angebliches Foul von Nowitzki, aber die Pfeife des Referees blieb stumm und die Mavericks konnten jubeln.

Revanche für 2006

Dallas' famose Auferstehung übertraf sogar noch die Leistung im vierten Halbfinale gegen Oklahoma City, als ebenfalls ein Rückstand von 15 Punkten aufgeholt wurde. Damals wurde der Sieg jedoch erst in der Verlängerung sichergestellt.

"Das war eine andere Serie, aber der Glaube an unsere Chance ist immer da, egal wie es steht. Das Spiel ist zu Ende, wenn die Sirene ertönt", so Shawn Marion.

Der Flügelspieler unterstrich seine gute Form und steuerte 20 Zähler sowie acht Rebounds zu dem extrem wichtigen Sieg bei.

Fünf Jahre nach dem legendären Einbruch an gleicher Stätte - die Mavs verspielten in der Schlussphase des dritten Finales einen sicheren 13-Punkte-Vorsprung - revanchierten sich Nowitzki und Co. eindrucksvoll.

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