vergrößernverkleinern
Dirk Nowitzki steht mit den Dallas Mavericks zum elften Mal in Folge in den Playoffs © getty

Der angeschlagene Star untermauert seinen Heldenstatus und bringt Dallas zurück in die Serie. Wades vorschnelle Feier rächt sich.

Von Eric Böhm

München/Miami - Nachdem Dwyane Wades Verzweiflungsdreier mit der Schlusssirene sein Ziel verfehlt hatte, hielt Dirk Nowitzki kurz inne, bis seine jubelnden Teamkollegen über ihn herfielen.

Der deutsche Superstar hatte seinen Dallas Mavericks kurz zuvor mit seiner lädierten linken Hand den größten Comeback-Erfolg in den NBA-Finals seit fast 20 Jahren beschert. (Die Finals LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM)

Sollten sie jetzt tatsächlich die drei noch benötigten Siege gegen Miami einfahren und damit den Titel holen, wird der unnachahmliche Korbleger um Chris Bosh herum als größter Moment in Nowitzkis Karriere in die Geschichte eingehen.

"Ich bin schon etwas früher zum Korb gezogen, denn ich war sicher, sie würden foulen, aber das Foul kam nicht und ich habe den Ball reingelegt. Das war ein Big Play", so Nowitzki.

Druck bei den Heat

Die Heat hätten den MVP von 2007 noch einmal foulen können, ohne ihn an die Freiwurflinie zu schicken, entschieden sich aber dagegen.

Nach dem 1:1 in der Best-of-Seven-Serie lastet der Druck nun plötzlich auf den Heat. Denn sie müssen eines der nächsten drei Spiele in Dallas gewinnen, um noch eine Chance auf die Meisterschaft zu haben.

"Er ging über links, wie er es eigentlich immer macht. Ich war für den Bruchteil einer Sekunde unaufmerksam. Darauf hat er gewartet", stöhnte der entsetzte Bosh.

Stevenson adelt Nowitzki

Nowitzki (24 Zähler, elf Rebounds) markierte - trotz der im Vorfeld viel diskutierten gerissenen Sehne im linken Mittelfinger - die letzten neun Punkte seines Teams.

"Es hat sich sehr gut angefühlt. Ich hatte mir schon vor dem Spiel gedacht, dass es mich nicht stören würde und das tat es auch nicht", meinte der 32-Jährige auf der Pressekonferenz. (Bericht: Rätselraten um den "Finger der Nation")

Sein einzigartiger Auftritt - auch in der Defensive schonte er die linke Hand nicht - brachte auch die Mannschaftskameraden zum Staunen.

"Dirk ist ein Krieger. So etwas habe ich noch nie gesehen. Mit diesem Finger den entscheidenden Korb zu machen, ist unfassbar. Er ist ein echter Krieger", zollte ihm Abwehrspezialist DeShawn Stevenson Respekt.

[kaltura id="0_nghw5w48" class="full_size" title="Mavericks gewinnen Spiel 2 in Miami"]

Filmreifes Ende

Der vorläufige Höhepunkt einer von dominanten Nowitzki-Schlussphasen gespickten K.o.-Runde untermauerte endgültig seinen Heldenstatus. (STATISTIK: Der SPORT1-Nowitzki-Watch)

"Es ist unglaublich. Ich weiß nicht, wie sich der Finger angefühlt hat, aber es war klar, dass Dirk uns nicht enttäuschen würde", hatte Jason Terry keinen Zweifel am Ausgang.

Dass ihm der goldene Treffer auch noch mit der angeschlagenen Hand - vor dem Spiel hatte Nowitzki genau diese Bewegung als problematisch beschrieben - gelang, wird speziell in den USA auch den letzten Rest seines ohnehin ungerechtfertigten Softie-Images vertreiben.

Schließlich lieben die Amerikaner ein filmreifes Ende und diesen Schluss hätte Hollywood nicht besser in Szene setzen können.

Wades Feier pusht Mavs

Siebeneinhalb Minuten vor Schluss verwandelte D-Wade einen Dreier zum 88:73 und vollführte im Anschluss einen Siegestanz direkt vor der Mavericks-Bank, bevor LeBron James mit in die vorschnelle Feier einstimmte. 412486(DIASHOW: Die NBA-Finals 2011)

Diese Szene gab den Texanern offenbar den letzten Kick für die größte Aufholjagd im letzten Viertel eines NBA-Finals seit Michael Jordans Chicago Bulls 1992 gegen Portland das Blatt noch wendeten.

"Seine Feier hat uns extrem geärgert. Wenn dich ein Gegner so vorführen will, sagst du dir, das Spiel ist noch nicht vorbei. Ich glaube, wir haben die Antwort gegeben", beschrieb Center Tyson Chandler den Wendepunkt.

[image id="1e87248f-6477-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Endlich Revanche

Urplötzlich ging bei Miami gar nichts mehr, während Nowitzki und Terry (sie erzielten 17 der letzten 22 Mavs-Punkte) die Kontrolle über das Spiel übernahmen.

Gerade die letzten Verbliebenen aus dem unsäglichen Finale 2006 vertrieben mit dem grandiosen Comeback die letzten Schatten der Vergangenheit.

Vor fünf Jahren hatten die Texaner in den Finals bereits 2:0 geführt, verspielten aber im Schlussabschnitt der dritten Partie einen Vorsprung von 13 Zählern und gewannen kein Spiel mehr.

Ein ähnliches Schicksal könnte der kolossale 22:5-Endspurt der Mavs jetzt den Heat bescheren. Vor Spiel drei in der Nacht auf Montag in Dallas (ab 2 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) liegt der psychologische Vorteil klar auf Seiten des Nowitzki-Teams.

"Definitiv Schimpfwörter"

Dabei ließen sich die beiden Routiniers auch nicht von Terrys Blackout aus dem Konzept bringen.

Nach Nowitzkis Dreier zur 93:90-Führung ließ der sechste Mann seinen Gegenspieler Mario Chalmers völlig frei stehen und zum Ausgleich treffen.

"Dirkules" knöpfte sich seinen Kumpel entsprechend vor: "Ich werde es in den Medien sicher nicht wiederholen, aber es waren definitiv einige Schimpfwörter dabei."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel