Mit ihrer Party Mitte des Schlussviertels von Spiel 2 reanimiert "Miami Twice" die Mavs - und macht aus seinem Anhang Zombies.

Als ich nach Spiel zwei in die Kabine der Mavericks kam, war natürlich der Teufel los.

50 Reporter, Kamerateams, Mavs-Offizielle und Spieler auf 30 Quadratmeter ? es ging zu wie beim Sommerschlussverkauf. Nur ein Spieler saß ganz allein vor seinem Locker.

Handtuch um die Hüften, Eisbeutel auf Fuß, Knien, Ellbogen und Schulter. Er starrte ins Nichts. Schüttelte den Kopf. War nicht bereit, ein Interview zu geben.

Shawn Marion ist 33 Jahre alt, seit elf Jahren in der NBA. Aber so etwas hatte er noch nie erlebt. Es machte ihn fassungslos. Seine Mavs waren klinisch tot. Kein Puls mehr spürbar.

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Dwayne Wade hatte gerade einen Dreier getroffen. Direkt vor der Mavs Bank. 6:20 Minuten vor Ende der Partie, die Heat führten mit 88:73. Die Entscheidung in Spiel zwei. Die 2-0 Führung. Die Vorentscheidung in den NBA Finals 2011.

Wade blieb stehen, Handgelenk des Wurfarms abgeknickt. Er poste. Genoss den Jubel der 18.000 Zuschauer. LeBron James rannte auf ihn zu. Schrie ihn an und boxte gegen seine Brust.

Der Knock-out für die Mavericks. Wie nach jedem Heat-Sieg warfen die Zuschauer ihre weißen Sitzbezüge in die Luft.

Es waren Szenen, die auf die Spieler der Mavs wirkten wie ein 500-Watt-Stromstoß aus einem Defibrilator. Der Patient hatte wieder Puls, lebte wieder und wie: Ein 22:5-Lauf, ein 95:93 Sieg. Der Ausgleich in den NBA-Finals! Und ein Publikum, das wie Zombies aus der Arena schlich.

Genau das sind die Momente, die ein Spiel, eine Serie kippen können. Der Moment, an den sich jeder erinnert, sollten die Dallas Mavericks zum ersten Mal Meister werden. Von denen Großväter ihren Enkeln noch erzählen. Über den Dokumentarfilme gedreht und Bücher geschrieben werden.

Momente die Geschichte werden, wenn aus ihnen etwas entsteht.

"So ein emotionaler Sieg bringt überhaupt nichts, wenn wir in Spiel drei nicht nachlegen!", so die klare Aussage von Dirk Nowitzki. Spiel drei ist das wichtigste in der Geschichte der Mavericks.

Heute Nacht zählt es. Seit 1985 wird das 2-3-2-Format in den Finals gespielt wird. Seitdem gab es elf Mal ein 1-1 und der Sieger von Spiel drei gewann auch immer den Titel.

Keine 30 Minuten später treffe ich Shawn Marion auf dem Weg zur Pressekonferenz. Er lacht, er scherzt. Seine Augen leuchten, wie bei einem Kind in der Spielwarenabteilung. Er hat begriffen, was die Mavs geschafft haben. Und welche große Chance sie dadurch heute Nacht haben.

Sie haben nicht nur gegen die Heat, sondern auch eine ganze Halle gewonnen, die sie verhöhnt hatte. Wer weiß? Vielleicht sollten sich Nowitzki, Marion und Co. am Ende bei den feiernden Heat und deren Fans bedanken.

Markus Krawinkel ist NBA-Experte und berichtet für SPORT1+ aus den USA über die Finals-Serie.

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