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Dirk Nowitzki wechselte 1998 vom DJK Würzburg zu den Dallas Mavericks © getty

Matchwinner Dirkules spielt seine Handicaps in Spiel 4 herunter. Als "Crunch-Time-King" hängt er Miamis James um Längen ab.

Von Jakob Gajdzik

München/Dallas - Der König der Crunch-Time hat wieder zugeschlagen.

Wie so oft in den Playoffs war Dirk Nowitzki beim 86:83 gegen die Miami Heat (Bericht) in Spiel 4 der NBA-Finals (alle Spiele LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM)in der entscheidenden Phase für die Mavericks zur Stelle.

14 Sekunden vor dem Ende dreht er sich unnachahmlich um Heat-Forward Udonis Haslem herum und verwandelte den Korbleger zum vorentscheidenden 84:81.

Trotz Sehnenriss im linken Mittelfinger, trotz 38,8 Grad Fieber.

"Das deutsche Fieber"

"Das deutsche Fieber", wie die "Dallas Morning News" Nowitzki nach seiner überragenden Leistung taufte, lässt sich bei der mittlerweile 13-jährigen Jagd nach dem Ring, so scheint es, von Nichts und Niemanden aufhalten.

"Das sind die Finals", erwiderte der 32-Jährige nüchtern auf seinen maladen Gesundheitszustand angesprochen. "Jeder trägt so seine Kleinigkeiten mit sich herum. Doch man muss rausgehen und das Beste für das Team geben. Und das habe ich gemacht." (Die Stimmen zu Spiel 4)

Somit drehten die Mavericks einen Vier-Punkte-Rückstand zu Beginn des letzten Viertels dank eines 21:9-Laufs im letzten Abschnitt noch in einen Sieg. 412486(DIASHOW: Die NBA-Finals 2011)

Könige des Schlussviertels

In den diesjährigen Playoffs gelang dieses Kunststück, die Partie im letzten Viertel noch zu drehen, bereits zum sechsten Mal. Das schafften zum letzten Mal die Detroit Pistons 1989 - am Ende stand die Meisterschaft.

Doch nicht nur am Ende war Nowitzki der entscheidende Mann auf dem Court, auch zu Beginn sorgte er mit drei Körben für eine 6:0-Führung der Texaner. Zehn seiner insgesamt 21 Punkte (bei zusätzlich noch elf Rebounds) folgten dann im letzten Viertel. (STATISTIK: Der SPORT1-Nowitzki-Watch)

[kaltura id="0_nlbja4t9" class="full_size" title="Fieber-Nowitzki on Fire"]

In der Mitte war bei "Dirkules" viel Leerlauf. Diesmal sprangen jedoch seine Teamkollegen für ihn in die Bresche. Jason Terry (17 Punkte), Shawn Marion (16) und Tyson Chandler (13) hielten die Mavs auch ohne Nowitzki-Punkte im Spiel.

Auf den Spuren von "His Airness"

Mit seiner unglaublichen Leistung ist der Forward auf den Spuren der NBA-Legende Michael Jordan. Auch "His Airness" spielte für die Chicago Bulls in den Finals 1997 mit Fieber gegen die Utah Jazz und war mit über 38 Punkten der umjubelte Matchwinner.

Ob Nowitzki im Spiel gegen Miami an diesen Vergleich dachte?

"Ich habe zu keiner Zeit über MJs Autritt damals nachgedacht. Ich war nur auf mich fokussiert."

Während Nowitzki also erneut die Lebensversicherung der Mavericks ist, blieb der Superstar der Miami Heat weit unter seinen Möglichkeiten.

James kann Schatten nicht abschütteln

LeBron James konnte bei der Heat-Niederlage dem Offensivspiel seines Teams nie den Stempel aufdrücken und beendete die Partie mit mickrigen acht Punkten und neun Rebounds. Den Ansprüchen von "King James" wird diese Leistung alles andere als gerecht.

"Wenn wir gewonnen hätten und ich hätte acht Punkte erzielt, wäre es mir egal gewesen", sagte James nach der Partie. "Die Tatsache, dass ich dem Team in der Offensive besser hätte helfen können, ist das Ärgerliche daran - und auch an meiner Leistung."

In der Tat musste sich James das ganze Spiel mit zwei Schatten namens DeShawn Stevenson und Shawn Marion rumschlagen und fand in der gesamten Partie kein probates Mittel gegen die Mavs-Spieler.

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Historische Negativbilanz

Eine einstellige Punkteanzahl hatte James in seinen bislang 90 Playoff-Spielen noch nie geworfen. Dazu verloren seine Mannschaften alle bisherigen Playoff-Begegnungen, wenn "King James" unter 15 Punkten blieb.

So stellt sich weiterhin die Frage, ob "Dirkules" im Vergleich zu "The Chosen One", nicht doch die höhere Qualität aufbringt, besonders durch seine Eigenschaft, im entscheidenden Moment zur Stelle zu sein.

Im Vergleich des letzten Viertel in den bisherigen Finals, ist der Dallas-Star klar vorne. Zusammengerechnet erzielte Nowitzki in den vier letzten Abschnitten der Endspiel-Serie 44 Punkte. James dagegen nur neun. Dazu erzielte der Würzburger so viele Treffer wie der Miami-Star Würfe hat und traf sechs Mal so viele Freiwürfe.

SPORT1-User pro Nowitzki

Beeindruckende Zahlen zu Gunsten von "The Real Dirk", der "King James" damit nahezu auf den Status eines Bettlers herunterstuft.

Auch die SPORT1-User halten den deutschen Nationalspieler eindeutig für den besseren der Beiden.

Bei der Frage nach dem besten NBA-Spieler liegt Nowitzki (Stand: 8.6.2011, 13.00 Uhr) mit 57,8 Prozent unangefochten an der Spitze, während James mit 16,2 Prozent auf Rang drei liegt und sogar Kobe Bryant noch den Vortritt lassen muss (20,5).

Doch eine Gemeinsamkeit haben die beiden Superstars.

Wie Nowitzki wartet James ebenfalls noch auf seinen ersten Ring am Finger.

Doch möglicherweise wird der Würzburger durch seine Crunch-Time-Stärken eben den kleinen Tick vor dem König sein.

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