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Dirk Nowitzki wurde 2007 als erster Europäer zum MVP gewählt © getty

Nach seinem Fieber-Auftritt erkärt sich Dirkules für Finale 5 einsatzfähig. Bei SPORT1 spricht der DBB-Arzt über die Gefahren.

Von Eric Böhm

München/Dallas - Dirk Nowitzki hat seit Oktober immer wieder betont, dass für ihn einzig und allein der NBA-Titel zählt.

Nach seiner unglaublichen Willensleistung beim 86:83-Erfolg (Bericht) seiner Dallas Mavericks im vierten Finale gegen die Miami Heat stellt sich jedoch die Frage: Hat er diesmal übertrieben?

Mit über 38 Grad Fieber schleppte sich Nowitzki über den Court und markierte auch noch zehn seiner 21 Punkte im letzten Viertel - inklusive des entscheidenden letzten Korbes.

"Leistungssportler, die unter erheblichem physischen Druck stehen, sind anfälliger für Infekte. Gerade wenn man sich nach einer langen Saison in diesem Playoff-Modus befindet", sagte der Teamarzt der Nationalmannschaft Dr. Thomas Neundorfer gegenüber SPORT1.

Spätfolgen möglich

Nowitzki selbst spielte die Situation herunter: "Wir haben das Fieber unter Kontrolle. Das ist am wichtigsten. Husten oder Schnupfen sind egal. In den Playoffs denkst du nur an Basketball."

Im Gegensatz zu dem relativ unproblematischen Sehnenriss im linken Mittelfinger kann diese immense Belastung allerdings auch noch ernste Spätfolgen nach sich ziehen. (STATISTIK: Der SPORT1-Nowitzki-Watch)

"Die jungen Fußballer, die plötzlich umgefallen sind, litten häufig an einem verschleppten Virus, der nicht ernst genommen wurde. Trotzdem treiben Millionen von jungen Leuten Sport und nur bei wenigen passiert so etwas", so Neundorfer, gab jedoch zu Bedenken: "Aber das Restrisiko bleibt."

"Man geht ein Risiko ein"

Durch das Fieber ist der Körper ohnehin geschwächt und wird anfällig für weitere Infektionen, selbst Herzmuskel-Entzündungen oder Herz-Rhythmusstörungen sind denkbar. Im Vorfeld schloss sich Nowitzki mit dem DBB-Arzt kurz.

"Natürlich geht man ein Risiko ein. Das habe ich mit Dirk vor dem Spiel auch so besprochen. Herzmuskel-Entzündung ist ein Klassiker, der nach Infekten vorkommen kann, völlig unabhängig von Nowitzki. Letztlich mussten die amerikanischen Ärzte eine Entscheidung treffen. Ich bin ganz froh, dass ich dafür nicht meinen Kopf hinhalten muss, aber die zuständigen Mediziner haben sicher eine fundierte Entscheidung getroffen", so Neundorfer.

[kaltura id="0_6lib461u" class="full_size" title="Showdown in Dallas"]

"Ärzte hatten Bedenken"

Nowitzki wollte unbedingt antreten und setzte für seine vielleicht letzte Meisterschaftschance seine Gesundheit aufs Spiel.

"Die Ärzte hatten schon Bedenken, aber Dirk hat sich nicht aufhalten lassen. Wenn andere Jungs im Bett bleiben, tritt er gegen die besten der Welt an", beschrieb Kollege Tyson Chandler die Szenerie vor dem Spiel (Die Stimmen zu Spiel 4).

Während der Partie ließ sich der MVP von 2007 nichts anmerken, aber einige Mannschaftskameraden berichteten, er habe in den Auszeiten viel husten müssen und kaum sprechen können 412486(DIASHOW: Die NBA-Finals 2011).

Nowitzki gibt grünes Licht

So überrascht es auch nicht, dass er sich unmittelbar nach einem lockeren Training am freien Tag zwischen den Spielen für die fünfte Partie (ab 3 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) einsatzfähig erklärte.

"Ich möchte noch etwa 30 Minuten anschwitzen, um den Körper wieder an den Schweiß zu gewöhnen. Dann bin ich bereit für das Spiel", zerstreute Nowitzki alle Bedenken.

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Vergleich mit Reed

Während in den deutschen Medien sein Fieber-Auftritt durchaus kritisch betrachtet wurde, zementierte der Würzburger in den USA seinen Heldenstatus.

"Dirk ist unser Willis Reed. Wenn er sich nicht durchgebissen hätte, wäre ein Sieg utopisch gewesen. Ich weiß nicht, wie er im letzten Viertel noch stehen konnte. Es ist mir ein Rätsel", schwärmte Mavericks-Teampräsident Donnie Nelson.

Reed hatte im siebten Spiel der Finals 1970 mit einem Muskelriss im Oberschenkel gespielt, wie Nowitzki die ersten Körbe erzielt und seine New York Knicks zum ersten Titel getrieben.

Im Gegensatz zu dem Deutschen verfolgte Reed die Partie nach seinem glänzenden Auftakt von der Bank aus und biss sich nicht insgesamt 39 Minuten durch.

"Sie treffen keine dummen Entscheidungen"

Der deutsche Ausnahmespieler hätte gegen ein solches Happy End für die Mavericks sicher nichts einzuwenden, denn auch Dallas will seine erste Meisterschaft feiern.

Trotzdem hätte Nowitzki ohne das O.K. der Teamärzte definitiv nicht auf dem Feld gestanden.

"Wenn ein Sportler mit einem Virusinfekt spielt, heißt das nicht, dass er mit seinem Leben spielt. Die Ärzte haben ihn sicher gründlich untersucht und werden keine dummen Entscheidungen treffen. Das Risiko ist kalkulierbar, ist aber nicht ganz von der Hand zu weisen", war sich Dr. Neundorfer sicher.

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