vergrößernverkleinern
LeBron James wurde 2009 und 2010 zum Most Valuable Player gewählt © getty

James Krise' in den Finals folgt auf Gerüchte um seine Verlobte. Coach Spoelstra baut ihn auf. Er selbst lobt Dallas' Defense.

Von Jakob Gajdzik

München - Die Bedeutung des Spiels war LeBron James bewusst.

"Das wichtigste Spiel meiner Karriere" nannte der Megastar der Miami Heat die fünfte Final-Partie der NBA-Playoffs gegen die Dallas Mavericks.

Am Ende stand ein 103:112 (Video, Bericht und 416565Bilder) , und "King James" hatte sein wichtigstes Spiel versiebt - trotz eines Triple-Doubles von 17 Punkten, zehn Assists und zehn Rebounds.

Und das zwei Tage, nachdem er Dallas mit einem "unentschuldbaren" Null-Punkte-Schlussviertel den Ausgleich in der Best-of-Seven-Serie ermöglicht hatte. (alle Spiele LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM)

Was sind die Gründe für das Tief von "LeNon", der diesen unrühmlichen Spitznamen von "HoopsHype"-Kolumnist Peter May verpasst bekam, da er schlichtweg nicht-existent ist, wenn die Finalspiele auf des Messer Schneide stehen?

Schmutzige Wäsche - wie 2010

Der Houstoner Radiosender "97.9 The Box" hatte mitten in den Finals das Gerücht verbreitet, James' Verlobte würde eine Affäre mit Rashard Lewis von den Washington Wizards haben.

"Ich weiß nicht, woher das kommt", sagte der ehemalige All-Star, "das versuche auch ich gerade herauszufinden. Ich komme nach Hause und höre dieselben Gerüchte. Die sind zu 100 Prozent falsch."

Parallelen zu den letzten Playoffs sind offensichtlich, als Gerüchte über eine Affäre von LeBrons Mutter mit seinem damaligen Cavaliers-Mannschaftskollegen Delonte West aufkamen, sich aber als unbegründet herausstellten.

Dennoch: Cleveland verlor als topgesetzten Team in der zweiten Runde mit 2:4 gegen Boston.

"Sie müssen den Mann in Ruhe lassen"

Lewis bemüht sich nun, die Wogen zu glätten, indem er sich umgehend an LeBrons Stiefvater wandte und ihm versicherte, dass diese Gerüchte "komplett falsch" sein.

"Sie sagten mir, sie wissen, dass es nicht wahr ist, und ich soll mir keine Sorgen machen", sagte Lewis und fügte hinzu: "Sie müssen den Mann in Ruhe lassen, er spielt gerade in den NBA-Finals."

[kaltura id="0_yo001vjs" class="full_size" title=" D rfen den Heat kein neues Leben geben "]

Doch von Ruhe kann keine Rede sein. Nicht wenige vermuten, dass private Probleme den MVP der vorigen beiden Jahre ausbremsen. "Ich habe keine Ahnung, was es ist, aber ich kenne ihn gut genug, um mir darüber eine Meinung bilden zu können. Leute aus seinem direkten Umfeld haben diesen Eindruck bereits bestätigt", sagte "ESPN"-Kolumnist Stephen A. Smith.

Seelenmassage vom Coach

Sportlich versucht Heat-Coach Eric Spoelstra den Druck von seinem Superstar zu nehmen und ihn aufzubauen. "LeBron war heute viel aggressiver. Er hatte einen großen Einfluß auf das Spiel", sagte der Trainer nach Spiel 5.

Auch Mannschaftskollege Chris Bosh, neben Dwyane Wade zweites Mitglied der "Miami Thrice", blickte auf die Statistik und sagte zur Leistung von "The Chosen One": "Triple-Double. Doch wir haben einfach nicht gewonnen."

Symptomatisch allerdings, dass die wichtigen Würfe bei James nicht sitzen.

"Würfe, die ich sonst gemacht habe"

Als sich beide Teams 2:55 Minuten vor dem Ende beim Stand von 100:100 ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten hatte James die Chance mit einem Sprungwurf über DeShawn Stevenson die Heat in Führung zu bringen.

Als das Team aus Florida eine Minute später mit zwei Punkten zurücklag versuchte es James jenseits der 3-Punkte-Line. Wieder nichts.

"D-Wade hat mir den Ball gegeben. Ich hatte genug Platz, also habe ich geworfen. Würfe, die ich sonst gemacht habe, gehen jetzt nicht rein."

Offensivfoul zieht James den Zahn

Hatte James noch in den Playoff-Runden zuvor einen Punkteschnitt von 26 und wurde seinem Ruf, der beste und talentierteste Spieler der NBA zu sein, gerecht, sank dieser in den Finals um fast zehn Punkte auf 17,2.

In Spiel 4 (Bericht) stellte er mit acht Punkten einen persönlichen Negativrekord auf. Eine einstellige Punktezahl hatte der Small Forward bis dato in 90 Playoff-Spielen noch nicht abgeliefert.

In seinem Spiel fehlt die Aggressivität, James agiert in vielen Situationen zu zögerlich. 2:27 Minuten vor Ende des fünften Spiel wurde ein strittiges Offensivfoul von ihm an Mavs-Center Tyson Chandler gepfiffen.

Im nächsten Angriff zog James dann nicht mehr zu Korb, sondern versuchte es aus großer Distanz und verfehlte sein Ziel.

Ohne Punch in der Crunch-Time

Die Schwäche im letzten Viertel zieht sich wie ein roter Faden durch die Finals von "King James".

Im letzten Abschnitt aller bisherigen fünf Finalspiele erzielte der 26-Jährige insgesamt erst elf Punkte, in den letzten fünf Minuten ist er - abgesehen vom bedeutungslosen Korbleger bei 29,6 Sekunden Restspielzeit in Spiel 5 und einem Alley-oop beim Schaulaufen in Spiel 1 - sogar noch ohne Treffer.

[image id="32bef9c5-6476-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Im Vergleich: Dirk Nowitzki erzielte in den letzten Final-Abschnitten im Durchschnitt fast elf Punkte (insgesamt 52), kommt alleine in den letzten fünf Minuten auf 26. (STATISTIK: Der SPORT1-Nowitzki-Watch)

Die Nerven - oder doch nicht?

Für die Fans ist wegen diesen Leistungen aus LeBron James,neben "LeNon" auch "LeJoke James" geworden, im "Star Telegramm" ist aufgrund der auf ihn einprasselnden Kritik auch von "LeBashing" die Rede.

James' momentane Unsicherheit und Verfassung zeigte sich nach der Niederlage im fünften Spiel, als er auf die Frage, ob er in den Finals mit seinen Nerven zu kämpfen hat, gleich drei Antworten gab.

"Ich denke nicht", sagte er als erstes. Kurz darauf folgte die Korrektur: "Ich glaube nicht". Am Ende schien er sich wieder zu besinnen und sagte abschließend: "Ich weiß, dass es nicht so ist".

Der Gegenspieler schlägt zu

Der Small Foward selbst sieht den Grund in erster Linie nicht in seiner Schwäche, sondern in der Schwäche der Defensive.

"Wir sind in der Finalserie defensiv einige Male auseinandergefallen, das ist uns in den anderen Runden nicht passiert. Also wissen wir, dass wir das wieder hinkriegen können."

Jedoch muss sich siebenmalige All Star auch da an die eigene Nase fassen. Sein Gegenspieler Jason Terry erzielte in der letzten Partie 21 Punkte, davon acht im letzten Viertel.

Auch 2007 unter den Erwartungen

Was James auch nicht verhehlen kann, sind die Erinnerungen an das Jahr 2007, als er noch im Dress der Cleveland Cavaliers auf die San Antonio Spurs traf.

Auch in diesen Partien erfüllt James die, auch selbstgesteckten, Erwartungen nicht und ging mit seinem Team sang- und klanglos mit einem 0:4-Sweep unter.

Zwar hatte James in diesen Spielen einen ordentlichen Punktedurchschnitt von 22, seine Unsicherheit bei Distanzwürfen zeigte sich aber schon damals. Von insgesamt 20 Versuchen von der Drei-Punkte-Linie traf er nur vier.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel