vergrößernverkleinern
Dirk Nowitzki wechselte 1998 aus Würzburg zu den Dallas Mavericks © getty

In Spiel 6 der Finals stehen Nowitzkis Mavericks vor der Krönung. Ein Reservist beißt auf die Zähne, James soll weg vom Korb.

Von Jakob Gajdzik

München/Miami - Nach "Cough-Gate" steht nun wieder der Sport im Vordergrund.

Der misslungene Husten-Scherz der beiden Miami-Stars LeBron James und Dwyane Wade, von den amerikanischen Medien zum Skandal hochstilisiert, gerät vor Spiel 6 der Finals (Mo., 1.50 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) aus dem Fokus. (Bericht und Video)

Für Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks ist der große Wurf nur noch ein Sieg entfernt. Und so cool und fokussiert sich der deutsche Nationalspieler gibt, er wird mit Sicherheit mit etwas mehr Wut im Bauch in die Partie gehen.

Wechsel in der Defensive

Sollten die Mavs den ersten Matchball in Miami verwandeln, würde sich der Würzburger seinen 13-Jahre dauernden Traum erfüllen und sich als erster deutscher Basketballer die NBA-Krone aufsetzen.

Eins der Erfolgsgeheimnisse in den Finals ist die flexible Defensive der Mavs.

"Wenn wir fließend zwischen Zonen- und Manndeckung variieren, ist es schwer für sie", sagte DeShawn Stevenson, der meist als Bewacher von Heat-Superstar James eingesetzt wird.

Oft wird gegen den vermeintlich Auserwählten auch im Doppel verteidigt.

"King James" kommt nicht zum Freiwurf

Somit hält man "King James" vom Korb weg und verhindert Freiwürfe. In Zahlen: Im fünften Spiel waren für James nur zwei Fouls notiert, in den gesamten Finals kommt er bislang auf nur 16 Freiwürfe. Das sind 28 weniger als Nowitzki.

Dennoch dürfen die Mavericks die anderen Heat auch nicht zu oft frei aus dem Feld werfen lassen, im fünften Spiel hatte das Team von Coach Eric Spoelstra eine Trefferquote von 52,9 Prozent.

[kaltura id="0_be9zaqgx" class="full_size" title="Nowitzkis wichtigstes Spiel"]

Stevenson klaglos auf die Bank

Im sechsten Spiel wird Rick Carlisle auf die flexible Defensive und seine Starting-Five J.J. Barea, Jason Kidd, Shawn Marion, Dirk Nowitzki und Tyson Chandler bauen.

Seitdem der Mavs-Coach im vierten Spiel den offensivstärkeren Barea in die ersten Fünf stellte und Defensivspezialist Stevenson die Rolle als James' Schatten von der Bank verordnete, gewannen die Mavs beide Spiele.

Im vierten Spiel gelangen Barea acht Punkte und vier Assists, in Spiel 5 konnte er seine Ausbeute auf 17 Zähler und fünf Vorlagen steigern.

Auch "Dirkules" sieht diese Änderung als möglicherweise entscheidend an: "Dass J.J. in die Starting Five kam, war mit Sicherheit die größte Änderung. Er ist phänomenal für uns im Angriff."

"Spiele immer noch eine Schlüsselrolle"

Stevenson, ganz Teamplayer, nimmt seine Versetzung problemlos hin: "Wir brauchen genau das momentan. Wir haben so zuletzt zwei Spiele in Serie gewonnen und ich spiele immer noch eine Schlüsselrolle in der Mannschaft." Von verletzten Eitelkeiten keine Spur.

Denn egal, wer für Dallas auf dem Court steht, die Mannschaft ist nur auf das Ziel Meisterschaft eingeschworen und lässt keinen Platz für Eigeninteressen.

"Der Coach hat maximales Vertrauen in jeden Spieler, der im Kader steht", betont Tyson Chandler den Teamgedanken der Mavericks. "Wir konnten uns immer aufeinander verlassen."

Verlassen konnten sich die Mavs zumeist auch auf ihren langen Atem:

Da liegen die Mavericks klar im Vorteil. Das erste Spiel ausgenommen, erzielten die Texaner in den finalen sechs Minuten 50 Punkte, Miami mit 26 lediglich die Hälfte.

Mit Nowitzki haben sie zudem den König der Crunch Time, der mit überragenden 52 Punkten im Schlussviertel glänzt. (STATISTIK: Der SPORT1-Nowitzki-Watch)

[image id="16a26241-6476-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Personal:

Nowitzki hat sein Fieber längst überwunden, und sein Sehnenriss am linken Mittelfinger ist bereits beinahe komplett in Vergessenheit geraten.

Einer, der im sechsten Spiel unbedingt dabei sein will ist Brendan Haywood. Der Center hatte im letzten Viertel des zweiten Spiels eine Hüftverletzung erlitten.

Trotz Schmerzen will der 33-Jährige auf die Zähne beißen, auch wenn er gesteht: "Ich werde bestimmt noch ein paar Wochen damit zu tun haben."

Jedoch ist Haywood auch die Bedeutung des Spiels bewusst: "So ist das nun mal, ich muss jetzt für ein Spiel damit klarkommen".

Ebenfalls an der Hüfte verletzt war Miamis Dwyane Wade nach einem Foul von Brian Cardinal im fünften Spiel.

Doch "D-Wade" gibt für Partie Entwarnung. "Es ist alles okay", ließ der NBA-Champion von 2006 keinen Zweifel an seinem Einsatz aufkommen.

Ein Ausfall von Wade wäre für die Heat sehr schmerzhaft, "Flash" ist mit 28,4 Punkten pro Partie bester Scorer der Finals, noch vor Nowitzki (27).

Das sagen die Trainer:

Eric Spoelstra (Miami Heat): "Wenn ich meinem Team beim ersten Treffen vergangenen September gesagt hätte, egal wie die regulären Saison verläuft, wenn wir ins sechste Spiel der Finals gehen und in zwei Heimspielen die Meisterschaft holen können, sie hätte alle ja gesagt"

Rick Carlisle: "Es sind zwei Teams mit unterschiedlichen Spielstilen. Wenn wir erfolgreich sein wollen, müssen wir als komplettes Team funktionieren und uns gegenseitig helfen. Unser Gegner hat enorme individuelle Stärken, aber sie sind trotzdem ebenfalls ein gutes Team."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel