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Für Dirkules geht damit ein Traum in Erfüllung. Doch die Realität holt ihn schnell wieder ein.
Dirk Nowitzki mit MVP-Trophäe und Teamkollege Jason Kidd (r.) mit Meister-Pokal © getty

Die Mavericks vollenden ihr Märchen: Dallas nutzt dank des "Jets" und dem unverzagten Dirkules den ersten Matchball in Miami.

Von Michael Spandern

Miami/München - Um 4:41 Uhr deutscher Zeit am Pfingstmontag schossen Dirk Nowitzki nach einem Linkskorbleger Tränen in die Augen, drei Minuten später war er bereits auf dem Weg in die Kabine, als die Schluss-Sirene seinen lang ersehnten Titel auch offiziell machte.

Das Trikot halb übers Gesicht gezogen, versuchte Dirkules zu begreifen, dass er in seiner 13. NBA-Saison die Dallas Mavericks zum ersten Titel der Klubgeschichte geführt hatte.

Zwar war der Würzburger beim 105:95 (53:51)-Erfolg in Miami, der das 4:2 in der Endspiel-Serie gegen die Glamourtruppe der Heat bedeutete, nicht so dominant wie in den fünf Spielen zuvor. An seiner Auszeichnung als wertvollster Spieler (MVP) der Finals gab es aber kein Deuteln. (EINWURF: Der beste Sportler der Welt)

Der "Jet" trägt sein Tattoo zu Recht

"Ich kann es nicht glauben", sagte Nowitzki, als er die Meistertrophäe vom NBA-Boss David Stern entgegen nahm. "Wir haben so hart dafür gearbeitet, haben Höhen und Tiefen durchschritten. Es war eine aufregende Fahrt."

Der Würzburger traf in Spiel 6 zwar nur neun seiner 27 Würfe und kam auf 21 Punkte, holte aber elf Rebounds und behielt im Schlussviertel die Nerven.

Topscorer der Partie war Dallas' Sechster Mann Jason Terry. Der "Jet", der sich die Trophäe bereits im Oktober auf den rechten Oberarm hatte tätowieren lassen, erzielte 19 seiner 27 Zähler vor der Halbzeit. Spielmacher Jose Juan Barea steuerte 15 Punkte und fünf Vorlagen bei.

Bosh taucht nach der Halbzeit ab

Bei den Heat war LeBron James mit 21 Punkten, sechs Assists und vier Rebounds bester Mann, agierte aber in Schlüsselsituationen ebenso fahrig wie Dwyane Wade (17 Zähler).

Chris Bosh tauchte nach 16 Punkten in der ersten Spielhälfte zusehends ab.

Playmaker Mario Chalmers überzeugte dagegen mit 18 Punkten und sieben Assists für die Heat, die nach Bareas Korbleger zum 57:56 rund eine Minute nach dem Seitenwechsel durchweg hinten lagen.

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James sofort auf Temperatur

Die ersten Punkte der Partie erzielte James per Dreier, zeichnete sich gemeinsam mit Wade für den 7:4-Start der Gastgeber verantwortlich. Shawn Marion und Barea hielten für Dallas dagegen.

Der seit Spiel 4 zum Starter beförderte Puertorikaner bescherte den Mavs per Alley-Oop-Anspiel auf Tyson Chandler und Mitteldistanzwurf zum 10:8 die erste Führung.

Während Nowitzki strauchelte, schraubte James sein Punktekonto bereits nach 4:12 Minuten und ohne Fahrkarte auf neun. Bosh und Wade vollendeten den 12:1-Run der Heat, bevor Nowitzki seinen ersten Wurf versenkte.

Sein Ersatzmann Cardinal war es aber, der nach zwei Treffern von Jason Terry mit einem Dreier das 23:22 der Mavs erzielte. Vor allem den vier Ballverlusten Miamis, die mit der Zonenverteidigung der Gäste überhaupt nicht klar kamen, hatte Dallas das 32:27 nach dem ersten Abschnitt zu verdanken.

14 Heat-Punkte in Folge

Stevenson traf binnen 24 Sekunden auch seinen zweiten und dritten Dreier: Dallas lag dank 23 Punkten der Einwechselspieler und eines 25:6-Zwischenspurts 40:28 vorn - so weit wie nie in den Finals.

Doch Miami antwortete mit 14 Zählern in Folge. Wade räumte hinten Chandler mustergültig ab, vorne netzte Bibby aus der Distanz zum 42:40 ein.

Und dann gerieten DeShawn Stevenson und Udonis Haslem aneinander, die erste Rudelbildung der Finals resultierte in Technischen Fouls für die beiden und den eifrig mitstreitenden Chalmers.

Der "Jet" läuft heiß

Nowitzki verzeichnete vor der Halbzeit bei zwölf Versuchen elf Fehlwürfe, aber Terry lief heiß, brachte die Texaner mit vier Würfen bis 33 Sekunden vor der Sirene wieder mit 53:49 nach vorn.

Aus den neun Turnovers der Heat hatten die Mavs 17 Punkte gemacht, umgekehrt waren es vier Miami-Zähler aus sechs Ballverlusten.

Nowitzki hatte in der Pause offensichtlich nachjustiert, traf zwei seiner ersten drei Würfe - auch unter Bedrängnis. Dank guter Arbeit an den Brettern zog Dallas auf 63:56 davon.

Klasse-Aktionen von Mahinmi

James und Wade agierten durchwachsen. "Flash" lief im Fast-Break auf Cardinal auf, kassierte das Offensivfoul und ein Technisches fürs Reklamieren.

Da Marion aber nach Zauberdribbling den freien Linkskorbleger versiebte, setzte sich Dallas nicht auf mehr als sieben Punkte ab - bis Kidd 47 Sekunden vor Ende des dritten Abschnitts einen Dreier zum 78:71 versenkte.

Mit dem Buzzer netzte dann Not-Center Mahinmi, der nur wegen der Hüftverletzung von Chandler-Ersatz Brendan Haywood zum Einsatz kam, aus vier Metern zum 82:71 ein. Zuvor hatte er Marions Fehlwurf eingesammelt.

Dallas zwölf Zähler vorn

Das erste Ausrufezeichen des Schlussviertels setzte allerdings Wade, der trotz deutlichen Fouls von Nowitzki den Korbleger vollendete.

9:30 Minuten vor dem Ende kam James zurück in die Partie - ohne positive Wirkung. Terry machte die nächsten Punkte für Dallas.

Wade dribbelte sich auf den Fuß, James traf aus zwei Metern nicht mal den Ring - im Gegenzug erhöhte Barea mit viel Fingerspitzengefühl auf 99:87.

Nowitzki im Zurückfallen

Auch Nowitzki kam gegen Haslem zweimal zu Körben, doch die Heat blieben durch Drei-Punkt-Spiele von Chalmers und Bosh sowie zwei Treffern von James im Rennen (87:94).

Die Mavs zermürbten Miami mit einigen Offensivrebounds, dann versenkte Nowitzki seinen patentierten Wurf im Zurückfallen über Bosh, Terry legte zum 101:89 nach. 115 Sekunden vor Schluss war der Titel zum Greifen nah.

James traf zwar einen Dreier, scheiterte aber danach ebenso aus der Distanz wie Wade. Nowitzkis Linkskorbleger zum 103:92 beseitigte die allerletzten Zweifel am Triumph. "Wir haben immer an uns geglaubt", sagte der 32-Jährige. "Die Mavs-Nation verdient diesen Titel."

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