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Silke Nowitzki (l. mit Dirk) ist Leiterin der "Dirk Nowitzki Stiftung" © imago

Bei SPORT1 spricht Silke Nowitzki über eventuelle Motivationsprobleme nach dem vollkommenden Triumph ihres Bruders.

Von Michael Spandern

München - Dirk Nowitzki ist ein selbständiger Mann von 32 Jahren.

Vor 13 Jahren kam er als Teenager in die Vereinigten Staaten. Nun ist er NBA-Champion (Bericht, 412486Bilder und Video). Nowitzki hat sich durchgebissen, weiß wo es langgeht.

Trotzdem haben zwei Frauen großen Einfluss auf den deutschen Basketball-Helden. In Dallas hat "Dirkules" in seiner Freundin Jessica Olsson eine Partnerin gefunden, die ihn ergänzt und unterstützt.

Aus seiner deutschen Heimat Würzburg greift Schwester Silke Nowitzki Dirk unter die Arme.

Schwester leitet "Dirk Nowitzki Stiftung"

Die 37-Jährige ist Leiterin der "Dirk Nowitzki Stiftung", übernimmt hier und da Management-Aufgaben für den erfolgreichen Bruder.

Vor allem aber baut sie ihn nach Niederlagen auf, lenkt ihn ab, hört zu. Nach großen Siegen - so wie gestern Nacht - feiert sie mit ihm.

Bei SPORT1 spricht sie über eventuelle Motivationsprobleme nach dem vollkommenden Triumph, Nowitzkis Trinkfestigkeit und die Reaktionen im Freundeskreis (Bericht: die Stimmen).

SPORT1: Wie haben Sie das entscheidende Finalspiel und den Triumph von Dallas erlebt?

Silke Nowitzki: Da ich zwei kleine Kinder habe, die ich nicht allein lassen konnte, habe ich zu Hause geschaut. Unsere Freunde und Familie haben das Spiel zusammen in einer Sportgaststätte verfolgt. Da waren rund 200 Leute beisammen. Zum Ende des Spiels hin wurde es natürlich sehr emotional. So ganz begriffen habe ich das alles noch nicht. Die letzten Wochen waren für uns alle eine anstrengende Zeit. Mit dem Ausgang sind wir nun natürlich überglücklich.

SPORT1: Wo haben Ihre Eltern Dirks Sieg verfolgt?

Nowitzki: Meine Mutter kam um fünf Uhr morgens zu mir. Wir haben dann kurz zusammengesessen und den Augenblick genossen. Der Rest der Familie war noch im Vereinsheim, kam aber auch später noch dazu. Wir durchleben einen ganz speziellen, tollen Moment. Es wird sicherlich noch einige Tage dauern, bis wir begreifen, was überhaupt passiert ist. Das muss man erst mal verarbeiten.

SPORT1: Warum waren ihre Eltern in Würzburg und nicht bei Ihrem Bruder in Dallas?

Nowitzki: Mein Vater war in der ersten Playoff-Runde gegen Portland vor Ort. Meine Mutter schaut sich die Spiele ohnehin lieber allein an und macht es mit sich selbst aus. Der Medienrummel und große Menschenmassen werden ihr schnell zu viel. Insofern war das Schauen im Familienkreis für alle Beteiligten die schönere Lösung.

SPORT1: Welche Reaktionen von Freunden und Familie haben Sie erfahren?

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Nowitzki: Wir haben von überallher Unterstützung bekommen. Das war in diesem Jahr wirklich fantastisch. Es hat diesmal viel größere Kreise gezogen als die Finals 2006. Direkt nach dem Spiel gab es jede Menge Anrufe, SMS und Emails. Viele Menschen aus dem Umfeld haben mitgefiebert und gönnen Dirk den Triumph nach 13-jähriger harter Arbeit von Herzen.

SPORT1: Was haben Sie selbst ihrem Bruder gesagt?

Nowitzki: Wir haben unmittelbar nach dem Spiel telefoniert. Da war Dirk noch in der Halle. Und dann noch einmal nach dem Feiern. Es war sehr emotional. Das kann man ganz schwer in Worte fassen. Er hat erzählt, dass die Mavericks über Nacht in Miami bleiben, um weiter zu feiern. Dann geht?s zurück nach Dallas, wo die große Parade ansteht. Ihm selbst ging es auch so, dass vieles erst nach und nach bewusst wird. Die nächsten Wochen werden noch der reine Wahnsinn werden für Dirk und das Team. Er wird sich erst mit der Zeit klar darüber werden, was dieser Tag für ihn als Mensch und sein sportliches Lebenswerk bedeutet.

SPORT1: Sie wissen, wie hart ihr Bruder für seinen Traum geschuftet hat. Was verändert nun der Titel?

Nowitzki: Da bin ich auch sehr gespannt. Die Situation hat sich verändert. Das Ziel, auf das man jahrelang zusammen hingearbeitet hat, ist erreicht. Es kann natürlich sein, dass er lockerer in gewisse Situationen geht. Denn: Der ganz große Druck ist weg. Allerdings ist jetzt natürlich eine ganz neue Motivationsfrage zu stellen. Er ist jetzt NBA-Champion, MVP der Finalserie und der regulären Saison, er hat Olympia erreicht. Es gibt also kaum mehr Superlative, die in seinem Sport zu finden sind (EINWURF: Der beste Sportler der Welt). Ich bin sehr gespannt, wie sich das auswirkt. Im Moment soll er sich aber für die harte Arbeit belohnen, die er geleistet hat.

SPORT1: MVP ist er in der Saison 2006/'07 geworden. Wie hat er sich menschlich als auch sportlich seither verändert?

Nowitzki:Wenn man länger in der NBA spielt, Höhen und Tiefen durchlebt, reift man logischerweise auch als Persönlichkeit. Das hat man ja der ganzen Mannschaft angemerkt. Jason Kidd oder "Jet" Terry beispielsweise haben unbändigen Siegeswillen gezeigt, weil es für alle die erste Meisterschaft bedeutet hat. Dirk hat sich durch herbe Niederlagen weiterentwickelt, aus Fehlern gelernt. Im Nachhinein kommt es einem so vor, als hätte alles so passieren müssen, um auf diesen Weg zu gelangen. Die Meisterschaft hat er dann mit einem Team eingefahren, dem vor der Saison niemand etwas zugetraut hat. Das macht die Angelegenheit noch spezieller.

SPORT1: Nowitzki ist schon Sekunden vor dem Abpfiff in die Kabine geflüchtet. Wissen Sie warum?

Nowitzki:Da kamen sicherlich schon die ersten Emotionen hoch. Auch das ein oder andere Tränchen. Das wollte er natürlich nicht vor allen Fernsehkameras und Millionen von Zuschauern zeigen. Deswegen hat er wohl einen Moment für sich gebraucht. Das war ja nach der Olympia-Qualifikation ähnlich. Damals musste er sich auch kurz in der Umkleide sammeln. Er hat in diesem Moment einfach realisiert: Es ist vorbei. Danach konnte er wieder in die Halle kommen und die Trophäe in Empfang nehmen.

SPORT1: Hat Dirk Nowitzki auch beim anstehenden Party-Marathon Leader-Qualitäten?

Nowitzki (lacht): Das wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Die Jungs haben es sich absolut verdient, sich und das Erreichte zu feiern. Für Dirk und die Mannschaft bricht jetzt eine tolle Zeit an. Ich bin gespannt, was in den kommenden Tagen an Feierlichkeiten stattfindet. Groß wird sicherlich die Parade durch Dallas. Da wird buchstäblich die ganze Stadt Kopf stehen. Für die Mannschaft wird das ein ganz toller Moment.

SPORT1: Haben Sie Ihren Bruder denn schon einmal als Feierbiest erlebt?

Nowitzki:Früher fast mehr als in jüngster Vergangenheit. Er war in den vergangenen Jahren sehr streng zu sich, was Alkohol und seine Ernährung anging. Er war nicht so exzessiv unterwegs. Aber: Feiern kann er schon auch, so ist es nicht!

SPORT1: Ihr Bruder verbringt die Ferien auch gerne mit Ihnen zusammen. Verraten Sie uns, wie er sich nach Feierlichkeiten und Terminen erholen wird?

Nowitzki: Das weiß ich nicht. Die Saison ist ja gerade einmal ein paar Stunden vorbei. Ich gehe davon aus, dass er noch keine Pläne gemacht hat. Zunächst wird er mit der Mannschaft die Tage genießen. Danach geht es sicherlich in den Urlaub. Aber mit wem und wohin ist noch nicht klar. Bis vor wenigen Stunden stand Urlaub auch noch gar nicht auf dem Plan.

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