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Nowitzkis Ex-Coach Pit Stahl ist seit neun Jahren Trainer in Österreich © getty

Bei SPORT1 spricht Dirk Nowitzkis Jugendcoach Pit Stahl über die Anfänge, seinen eigenen Anteil am NBA-Titel und Familie Nowitzki.

Von Christian Akber-Sade

München - Ohne ihn wäre Dirk Nowitzki heute womöglich kein NBA-Champion:

Pit Stahl (47) war Jugendtrainer von "Dirkules" bei der DJK Würzburg und in der Unterfrankenauswahl. (Hintergrund: "German Wunderkind" erklimmt den Olymp)

Er war es auch, der vor allem Vater Nowitzki davon überzeugen musste, dass nicht Tennis oder Handball, sondern Basketball der richtige Sport für dessen Sohn ist. Stahl selbst ist heute erfolgreicher Trainer beim UBSC Graz in Österreich.

Im SPORT1-Interview spricht er über die Anfänge von Nowitzkis Karriere, über Holger Geschwindner und seinen eigenen Anteil am Erfolg (412486die Bilder des Mavs-Triumphs ).

SPORT1: Pit Stahl, Ihr ehemaliger Schützling Dirk Nowitzki hat es geschafft. Er hat seine Karriere mit dem NBA-Titel gekrönt. Was bedeutet Ihnen dieser Erfolg persönlich?

Pit Stahl: Erst einmal freue ich mich extrem für Dirk. Er hat sich das wirklich verdient. Und ich persönlich freue mich einfach darüber, dass ich jemand bin, der einen kleinen Anteil daran hat. Ich habe ihn ja sechseinhalb Jahre trainiert. Es ist eben einfach ein Glücksfall. Es gibt nicht viele Leute, die behaupten können, dass aus Ihrem Jugendprogramm mal ein so großer Spieler hervorgegangen ist.

SPORT1: Hatten Sie während der Finals und jetzt nach dem Triumph Kontakt zu ihm?

Stahl: Nein, da ist er ziemlich abgeschottet. Er schottet sich selbst ab. Ich hätte auch gar nicht versucht, ihn zu erreichen. In dieser Phase sollte man ihn in Ruhe lassen. Generell ist es eher weniger geworden aufgrund der Entfernung und der Zeitunterschiede.

SPORT1: Sie waren es aber, der Dirk zum Basketball gebracht hat. Das war 1989?

Stahl: Wir sind damals mit der Bezirksauswahl Zweiter geworden. Ich habe ihn in die Unterfrankenauswahl geholt, obwohl er noch gar nicht im Verein gespielt hat. Er war damals ein sehr guter Tennisspieler. Er hat auch Handball gespielt bei seinem Vater im Verein. Und im Hinterhof eben immer Basketball mit seinem Cousin auf den eigenen Korb.

[kaltura id="0_azrvsuwa" class="full_size" title="Nowitzki holt den Titel"]

SPORT1:Wie ist der Kontakt zum jungen Dirk damals zustande gekommen?

Stahl: Im Prinzip über seine Familie. Seine Schwester Silke war ja auch eine sehr gute Basketballerin, die Cousine Tina ebenfalls. Beide haben in der Jugendnationalmannschaft gespielt. Holger, sein ein Jahr älterer Cousin, war bei mir in der Auswahl und im Vereinsteam. Dadurch habe ich natürlich auch Dirk gesehen. Er war für sein Alter sehr groß und ein Bewegungstalent. Wenn man so jemanden sieht, muss man natürlich alle Hebel in Bewegung setzen, um ihn zu bekommen.

SPORT1: War es schwer, ihn weg vom Tennis und Handball hin zum Basketball zu lotsen?

Stahl: Natürlich, das war nicht einfach. Die Familie hat mit Dirk ja auch sportlich intensiv gearbeitet. Und gerade im Tennis war er gut. Es ist ja nicht so, dass er da keine Perspektiven gehabt hätte. Insofern war es sicherlich schwierig, die Familie davon zu überzeugen, dass er zum Basketball soll.

SPORT1: Wie sehen Sie Ihren persönlichen Anteil am Erfolg?

Stahl: Das kann man nicht sagen. Ich bin wohl mit dran schuld, dass er zum Basketball gekommen ist. Das ist natürlich die Grundlage für eine Basketballkarriere. Die letzten 13 Jahre war er in der NBA, da hatte ich natürlich überhaupt keinen Einfluss drauf. Vorher in Würzburg, denke ich, habe ich schon ganz ordentlich mit ihm gearbeitet. Zumindest kann man im Nachhinein sagen, wir haben nicht allzu viel falsch gemacht.

SPORT1: Aber die Familie müsste Ihnen heute sehr dankbar dafür sein?

Stahl: Ich war ja noch lange genug in Würzburg, während der Dirk in die NBA gegangen ist, und hatte guten Kontakt zur Familie. Da hat dann sicherlich keiner mehr geschimpft (lacht).

SPORT1: War in der Anfangszeit schon absehbar, dass die Karriere so einen Verlauf nehmen wird?

Stahl: Als Dirk 14 war, gab es ein Grillfest bei den Nowitzkis. Da hat mich sein Vater Jörg gefragt, wie gut Dirk meiner Meinung nach werden kann. Und da habe ich gesagt: Ich glaube, er wird besser als Toni Kukoc (Anm. d. Red.: Kroatischer Basketballspieler, von 1993 bis 1999 für die Chicago Bulls aktiv). Da haben sie mich alle ein bisschen komisch angeschaut, aber ich denke, ich hatte Recht.

SPORT1: Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Punkte in Nowitzkis bisheriger Karriere?

Stahl: Im Nachhinein betrachtet sind sehr viele Sachen für ihn optimal gelaufen. Entscheidend war zunächst, dass die übrigen Kinder der Familie Basketball gespielt haben. Das war der Anstoß für ihn, dazuzukommen.

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Dann natürlich der schwere Schritt in die NBA, wo er mit den Nelsons und Marc Cuban Leute gefunden hat, die sehr an ihn geglaubt haben (Anm. d. Red.: Don Nelson und sein Sohn Donnie waren Nowitzkis erste Trainer bei den Dallas Mavericks, Marc Cuban ist seit 2000 Eigentümer des Clubs).

Aber das hat alles nichts mit Glück zu tun. Den größten Anteil hat Dirk sich selbst verdient. Eine sicherlich wichtige Entscheidung von mir persönlich war, dass ich ihn nie unter dem Korb, sondern immer draußen habe spielen lassen. Ich wollte, dass er an seinem Wurf arbeitet.

SPORT1: Eine die Mannschaft wohl eher schwächende Entscheidung ?

Stahl: Richtig, ich habe nicht unbedingt auf das Gewinnen Wert gelegt, ich wollte Spieler herausbringen. Es bringt nichts, Jugendmeister zu werden, wenn letztlich keiner der Jungs später Bundesliga spielt.

SPORT1: Wenn vom Mann hinter Nowitzki gesprochen wird, dann ist in der Regel Holger Geschwindner gemeint. Er wird dann häufig auch als Entdecker bezeichnet, der Sie eigentlich sind. Wie gehen Sie damit um?

Stahl: Mich stört es nicht. Holger hat den Dirk, als dieser 16 wurde, quasi als Trainer von mir übernommen. Im Nachhinein kann man sagen, dass Holger dann auch alles richtig gemacht hat. Das zeigt das Ergebnis. Dirk ist zurzeit der wohl weltbeste Basketballer. Es gibt also keinen Streit über den Entdecker von Nowitzki. Das ist Blödsinn. Ich glaube einfach, viele Leute haben viele Dinge richtig gemacht.

SPORT1: Denken Sie, dass Dirk an der Basketball-EM im September in Litauen teilnehmen wird?

Stahl: Jeder Basketballer ist ja auch ein Basketballfan. Ich hoffe natürlich, dass Dirk mitspielt. Auch mit Blick auf die Olympiaqualifikation der Nationalmannschaft. Auf der anderen Seite kann ich mir aber auch vorstellen, dass die Saison für Dirk ziemlich heftig war und er deshalb eine Pause braucht. Dirk ist jetzt sicherlich erst einmal baff und danach sehr zufrieden. Aber dann kommt das große Loch. Denn: Was soll jetzt noch kommen? Wie will Dirk das toppen? Von daher glaube ich, dass es mit seiner Entscheidung noch etwas dauern wird. Ich hätte Verständnis, wenn er nicht spielt.

SPORT1: Insbesondere, da er noch das Versprechen einzulösen hat, mit der TG Würzburg ein Saisonspiel in der Tennis-Kreisklasse zu bestreiten?

Stahl: Ich habe davon gehört. Das ist eine Mannschaft, in der ein Haufen Freunde von mir mitspielen. Ich glaube allerdings nicht, dass sein Einsatz bei der Basketball-EM von diesem Tennismatch abhängig ist (lacht).

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