Dirk Nowitzki erlebt aktuell einen unglaublichen Hype. Im Prinzip hat er dies auch einem gewissen Detlef Schrempf zu verdanken.

Im Leverkusener Ortsteil Boddenberg spielte der junge Detlef Schrempf, wie es damals üblich war, erst einmal Fußball. Doch ihn unterschieden mit der Zeit zwei Dinge von den Teamkameraden: Er wuchs und wuchs ihnen über die Köpfe und hielt nichts von dem beginnenden Alkohol-Konsum.

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Ein Zufall sorgte dann dafür, dass dieser Leverkusener Junge später einmal den deutschen Basketball wachküssen sollte. Er ist es schließlich, der als erster Deutscher in einem NBA-Finale steht: 1996 mit den Seattle SuperSonics gegen die übermächtigen Chicago Bulls.

Zurück nach Leverkusen: Schrempf spielte mit einer Basketball-Schulmannschaft in der Wilhelm-Dopatka-Halle, dort, wo die Bundesliga-Profis von Bayer ihre Meisterschaftsbegegnungen austrugen.

Während derzeit die Basketball-Fans den Hype um NBA-Sieger Dirk Nowitzki miterleben, war damals an solche Zustände noch nicht zu denken, als sich der junge Schrempf für den Basketball begeisterte.

Ein gewisser Otto Reintjes sah den Schlaks dort spielen. Der Ex-Profi von Bayer und spätere Klub-Manager erkannte das Talent von Schrempf und war auch sein erster Förderer.

Reintjes empfahl den Sprung über den Großen Teich in die USA. Ein Glücksfall, wie sich später zeigte. Dort begann der inzwischen 2,08 Meter große Schrempf seine Laufbahn an der Centralia High School, wechselte dann zur University of Washington, wurde 1984 in die deutsche Nationalmannschaft berufen, bevor er dann 1985 zum großen Star des DBB-Teams bei der EM in Deutschland avancierte.

Nach dem Sieg über Frankreich hielt der französische Chefcoach praktisch einen Monolog. Ich konnte ihn damals kaum verstehen, doch ein Name wurde gebetsmühlenartig von ihm genannt: Schrempf.

Aber es lief nicht immer gut. Und Schrempf wurde auch kritisiert. Darum fragte Vater Berthold Schrempf völlig ratlos: "Warum steht denn nur der Detlef in der Kritik?" Die Antwort konnte ich ihm geben: "Er verdient das meiste Geld und ist der Superstar im Team."

Schrempf sorgte in Deutschland für Aufsehen. Das wurde dann noch gesteigert, als er wenige Wochen nach der EM ausgerechnet von den Dallas Mavericks in die NBA gedraftet wurde - von dem Klub, den Dirk Nowitzki jetzt zum Titel führte.

Über die Indiana Pacers, wo er als erster Europäer ins All-Star-Team berufen wurde, kam Schrempf 1993 zu den Seattle SuperSonics, mit denen er dann auch große persönliche Erfolge feierte. "Det the Threat" erreichte als erster Deutscher 1996 das NBA-Finale.

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Mit Shawn Kemp und Gary Payton gehörte Schrempf zu den Superstars seines Teams. Doch gegen die übermächtigen Bulls mit Michael "Air" Jordan kamen die Sonics nicht an und verloren die Serie mit 2:4. Schrempf im Rückblick: "Wir waren damals noch zu grün hinter den Ohren. Eigentlich war der Halbfinal-Triumph über Utah Jazz schöner als das Finale."

Schrempf aber bereitete mit dieser Finalteilnahme die Basis für den Hype vor, den Nowitzki heutzutage erlebt. Das Interesse am Basketball in Deutschland und für die NBA steigerte sich schlagartig.

Den ganz großen Coup konnte Schrempf aber nicht mehr landen. Nach seinem Abschied aus der NBA 2001 wendete sich Schrempf verstärkt mit seiner Frau Mary, einer ehemaligen deutschen Hürdenläuferin, gemeinnützigen Dingen zu.

Er hatte die "Detlef Schrempf Foundation" zu Gunsten von ärmeren Familien und Kindern gegründet. Schrempf: "Schon in den ersten zwölf Jahren hatten wir über acht Millionen Dollar gesammelt."

Das ist für Schrempf mindestens genauso wichtig.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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