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LeBron James (l.) wurde 2009 und 2010 zum MVP der Saison gewählt © getty

Nach den verlorenen Finals und Wades Majestätsbeleidigung herrscht in Miami Eiszeit. James spürt Gegenwind. Kommt "Superman"?

Von Eric Böhm

München - Der Sommer 2010 sollte für die Miami Heat zum Auftakt einer neuen Ära werden.

Nur ein knappes Jahr, nachdem die "Superfreunde" Dwyane Wade, LeBron James und Chris Bosh ihre Vereinigung zelebrierten, gibt es nun Ärger im sonnigen Paradies.

Nachdem der Versuch, die erste von mehreren Meisterschaften zu gewinnen, von Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks zunichte gemacht wurde, könnte das Experiment bereits wieder vor dem Aus stehen.

"Ich glaube James und Wade müssen sich genau überlegen, ob sie zusammen optimal funktionieren. Vielleicht würde Dwight Howard besser passen", sagte TV-Analyst Jeff van Gundy nach dem sechsten Finale (Video, Bericht und412486 Bilder).

Eiszeit zwischen Wade und James

Ein Wechsel des Magic-Centers nach Miami ist nicht mehr als reine Spekulation, aber was die Chemie zwischen den beiden Superstars angeht, pflichten immer mehr Experten dem ehemaligen NBA-Trainer bei.

Da Wade seit vielen Jahren das Gesicht der Heat ist, wäre James' Abgang der logischste Schritt.

Denn nach dem dritten Finale soll es zwischen den beiden mächtig gekracht haben. Wade hatte LeBron drei Minuten vor Schluss direkt auf dem Court vor den Fernsehkameras zusammengefaltet. James kann diese öffentliche Demütigung nicht gefallen haben.

"Wir klopfen uns nicht ständig auf die Schulter. Es ist unser Job, aus dem Team das Beste rauszuholen. Dazu gehört auch Kritik", spielte D-Wade die Situation im Anschluss herunter.

Passivität als Folge?

In den folgenden Spielen gingen die beiden Alphamännchen zunehmend frostig miteinander um.

LeBrons unerklärliche Passivität erscheint in diesem Licht als mögliche Reaktion auf Wades Majestätsbeleidigung plausibel.

James erzielte in der Finalserie im Schnitt neun Punkte weniger als in der regulären Saison und fiel in der Endphase der Spiele regelmäßig nur durch unmotivierte Dreierversuche auf.

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Heat ohne Spielraum

Für ein vorschnelles Ende der ehemaligen Traum-Ehe sprechen auch praktische Gründe.

Allein mit "Miami Thrice", Mike Miller, Udonis Haslem und Joel Anthony liegen die Heat für die nächsten drei Jahre bereits bei einem Gehaltsvolumen von 65 Millionen Dollar.

Die alte Gehaltsobergrenze lag bei 58 Millionen und wird mit dem neuen Tarifvertrag - wann auch immer er abgeschlossen wird - eher noch sinken. Außerdem hat Miami in den nächsten drei Jahren nur einen Erstrundenpick im NBA-Draft.

"Pat Riley (Teampräsident und Manager, Anm. der Red.) und ich werden alles dafür tun, um im nächsten Jahr einen neuen Anlauf zu nehmen. Wir stellen alles in Frage und müssen verstehen, was falsch gelaufen ist", meinte Miamis Trainer Erik Spoelstra, dessen Stuhl allerdings auch wackelt.

Veteranen müssen gehen

Flügelspieler James Jones hat eine einseitige Option für die nächste Saison. Der junge Aufbauspieler Mario Chalmers soll nach seinen starken Playoffs ebenfalls gehalten werden, wird jedoch jetzt erheblich teurer.

Die Veteranen Mike Bibby, Zydrunas Ilgauskas, Erick Dampier oder Juwan Howard müssen sich dagegen ihr Gnadenbrot wohl woanders suchen.

Trotzdem gibt es praktisch keinen Spielraum für Verpflichtungen von Free Agents. Entweder Riley füllt den Kader mit andernorts aussortierten Routiniers, die das Gehaltsminimum akzeptieren, oder er löst sein Dreigestirn per Trade schon wieder auf.

"Superman" statt "Superfreunde"?

Da kommt "Superman" Howard ins Spiel. Der amtierende Defensivspieler des Jahres hat bereits klargestellt, dass er seinen bis 2012 laufenden Vertrag mit Orlando nicht vorzeitig verlängert.

Daher könnten die Magic über ein Tauschgeschäft nachdenken, um einem ablösefreien Abgang ihres besten Spielers vorzubeugen.

Ein starkes Duo Howard/Bosh - mit dem jungen Dexter Pittman sowie Anthony als Backups - könnte eine ähnliche Wirkung haben wie einst Tim Duncan und David Robinson bei den San Antonio Spurs.

Auch in Miami Gegenwind für LeBron

Die ungewöhnlich schwachen Leistungen in den Finals und seine mangelnde Selbstkritik haben James auch in Miami extrem angreifbar gemacht. Die MVP-Rufe für Wade waren in allen Heimspielen unüberhörbar.

"Ich weiß, wie hart ich jeden Sommer an mir arbeite. Da sehe ich keine Fans oder Journalisten", blockte "LBJ" jegliche Fragen nach seiner Einstellung ab.

In Verbindung mit seiner Tirade gegen seine zahlreichen Feinde (Bericht) hat sich der einstmals extrem beliebte Star ins Abseits befördert. Einen Markt gäbe es für einen Mann seiner Fähigkeiten in der NBA trotzdem.

Psychisch angeschlagen

Er ist immer noch ein außergewöhnlicher Spieler und wird - egal wo - weiterhin auf einem hohen Niveau spielen. Dennoch entwickelt der 26-Jährige langsam eine Reputation als Playoff-Versager. Dabei scheint sein Problem vor allem im mentalen Bereich zu liegen.

Einige Spieler, die ungenannt bleiben wollten, behaupten selbst Jungtrainer Spoelstra hätte sich schon mit dem ehemaligen MVP angelegt haben und ihn zu mehr Ernsthaftigkeit aufgefordert haben.

Vor den Heat und LeBron liegen in jedem Fall entscheidende Monate. Die schillernde Vorstellung von "Miami Thrice" scheint weit länger als elf Monate zurückzuliegen.

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