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Jeremy Tyler absolvierte zuletzt 33 Spiele für die Tokyo Apache in Japan © imago

Dallas sucht im Draft wohl einen Nowitzki-Ersatz. Ein Weltenbummler hat das größte Potenzial, wirft aber auch Fragezeichen auf.

Von Eric Böhm

München - Kaum ist die Meisterfeier der Dallas Mavericks zu Ende gegangen, steht schon wieder der Ernst des Lebens auf dem Programm.

Während Dirk Nowitzki und seine Teamkollegen in den wohlverdienten Urlaub aufbrechen, arbeiten Besitzer Mark Cuban und Teampräsident Donnie Nelson an der Zukunft.

Denn in der Nacht steht der NBA-Draft 2011 auf dem Programm. Die Mavericks haben den 26. Pick.

"Das ist ein Draft für die Zukunft. Es ist sicher nicht die qualitativ beste Klasse der letzten Jahre. Es würde mich dennoch nicht überraschen, wenn in acht Jahren noch viele von diesen Spielern in der Liga unterwegs wären", so Nelson.

Dallas ohne Draft-Glück

Dabei lagen die Mavericks bei der Auswahl der besten Jungtalente in den letzten Jahren fast schon traditionell daneben.

Immerhin holten sie keinen der 15 Akteure ihres Meisterkaders mit einem eigenen Zugriffsrecht.

1994 wählte Dallas zwar Spielmacher Jason Kidd mit zweiten Pick aus, er verließ jedoch zwischenzeitlich das Team und wurde per Tausch zurückgeholt.

Dirk Nowitzki wurde 1998 in einem inzwischen legendären Geschäft für den mittlerweile verstorbenen Robert "Tractor" Traylor von Milwaukee erworben.

Nelson gibt Hinweis

Die Mavs könnten ihr Zugriffsrecht natürlich auch tauschen, sollten sie aber auf ihrer Position bleiben, ergibt wohl ein talentierter Backup für den deutschen Superstar am meisten Sinn, der ihn vielleicht sogar beerben könnte.

Denn vor Brian Cardinals kurzem Aufflackern in den Finals musste meist Shawn Marion aushelfen, wenn Nowitzki eine Pause brauchte.

Nelsons gab einen Hinweis auf die Strategie: "Wir werden den besten Spieler auswählen, aber es gibt schon einige interessante junge Flügelspieler."

Sollte Dallas einen Guard oder Center auswählen, wäre das eine große Überraschung.

SPORT1 stellt mögliche neue Nowitzki-Kollegen vor:

Justin Harper (Position: Power Forward; Letztes Team: University of Richmond)

Sollte Harper (2010/2011: 31,8 Minuten; 17,9 Punkte pro Spiel; 6,9 Rebounds pro Spiel) spät in der ersten Runde noch zu haben sein, wäre der die sicherste Variante. Der 21-Jährige ist knapp 2,10 Meter groß, hat einen exzellenten Wurf - in seinem letzten College-Jahr traf er 49 Prozent seiner Dreierversuche - und ist sehr beweglich.

Harper könnte sofort weiterhelfen, muss aber in der Verteidigung noch hart an sich arbeiten. Diese Beschreibung erinnert an den jungen "Dirkules".

Jeremy Tyler (Power Forward; Tokyo Apache)

Der Risiko-Pick dieses Drafts ist Jeremy Tyler. Der Big Man galt in seiner Schulzeit als ähnlich großes Phänomen wie LeBron James und wurde bereits als 15-Jähriger von Fernsehkameras verfolgt.

Das Riesentalent entschied sich jedoch gegen ein Jahr am College und wechselte stattdessen für 140.000 Dollar Jahresgehalt zu Maccabi Haifa nach Israel.

Dort fühlte sich der Teenager ohne seine Familie überhaupt nicht wohl und zeigte dementsprechende Leistungen.

Tyler reift unter Ex-Spurs-Coach

Nach öffentlichen Beschwerden über seine Einsatzzeit von nicht mal acht Minuten pro Partie verließ er das Team und heuerte in Japan an. Dort nahm ihn der frühere NBA-Coach Bob Hill (San Antonio Spurs) unter seine Fittiche, und es ging langsam bergauf.

"Es war schon ein ungewöhnliches Abenteuer, aber dadurch bin ich als Mensch und Spieler gereift", sagte Tyler den "New York Daily News".

Als die Halle seiner Mannschaft zum Evakuierungscenter für die Erdbebenopfer umfunktioniert wurde, durfte sich der immer noch erst 19-Jährige für den Draft anmelden.

Tyler bringt physisch riesiges Potenzial mit, taugt aber auch zu einem großen Draft-Flop, wenn er Unruhe in das funktionierende Mannschaftsgefüge bringt.

JaJuan Johnson (Power Forward; Purdue University)

Johnson (10/11: 35,4 Minuten; 20,5 Punkte; 8,6 Rebounds) ist ein ähnlicher Typ wie Harper, hat aber am College auf höherem Niveau gespielt und ist ein stärkerer Verteidiger.

Er hat sein Fähigkeiten als Scorer und Rebounder stetig verbessert, ist aber von draußen nicht so gefährlich wie Harper.

Der 22-jährige Schlacks muss allerdings körperlich richtig zulegen, um in der NBA seinen Mann zu stehen.

Davis Bertans (Forward; Olympia Ljubljana) / Nikola Mirotic (Forward; Real Madrid)

Als amtierender Meister wären die Mavericks auch in der Lage ein europäisches Talent zu draften und den jeweiligen Spieler noch ein paar Jahre bei seinem jetzigen Team zu parken.

Der lettische Nationalspieler Bertans (10/11: 8,9 Minuten; 4,1 Punkte; 1,3 Rebounds) ist ein echter Scharfschütze und könnte ein sehr guter Small Forward werden.

Das gilt auch für Mirotic, der zuletzt mit Real Madrid im Final Four der Euroleauge stand. Der Montenegriner (10/11: 15,9 Minuten; 7,5 Punkte; 3,5 Rebounds) lebt schon lange in Spanien und ist in der Offensive ein sehr vielseitiger Spieler.

Das große Fragezeichen ist sein bisweilen mangelnder Einsatzwille. Beide Flügelspieler brauchen jedoch noch mindestens zwei bis drei Jahre, bis sie in der NBA Fuß fassen können.

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