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Detlef Schrempf spielte vor seinem Wechsel nach Indiana von 1985 bis 89 für Dallas © getty

Im SPORT1-Interview spricht Detlef Schrempf über Nowitzkis Schlüsselqualität, Arbeitsmoral und eine Parallele zu sich.

Von Michael Spandern und Julian Meißner

München - Er bereitete Dirk Nowitzki den Weg in die NBA - und vermieste ihm den Einstand.

Detlef Schrempf, 1993 als erster Europäer fürs All-Star Game nominiert, startete seine NBA-Karriere 1985 bei den Dallas Mavericks und galt lange als "bester Import aus Deutschland seit Volkswagen".

Daran änderte zunächst auch Nowitzkis Ankunft in der amerikanischen Profiliga nichts. Schrempf - inzwischen für die Seattle SuperSonics am Ball - zeigte dem damals schmächtigen Dirkules beim Debüt 1999 die Grenzen auf.

Heute lebt der 48-Jährige, der neben drei All-Star-Berufungen zwei Auszeichnungen als bester sechster Mann der Liga in der Vita hat und 1996 in die Finals vorstieß, mit seiner Ehefrau und zwei Söhnen in Seattle - und hat Nowitzkis Triumph mit den Mavs in den Endspielen gegen die Miami Heat begeistert verfolgt.

Vor der von SPORT1-Kommentator Frank Buschmann moderierten Pressekonferenz mit Dirkules (Di., ab 12.45 Uhr im LIVESTREAM und im TV auf SPORT1) und dem Empfang in dessen Heimatstadt Würzburg (Di., ab 17 Uhr im LIVESTREAM und im TV auf SPORT1) ordnet Schrempf die Leistungen seines Nachfolgers für SPORT1.de ein.

Er spricht über Nowitzkis Ansehen in den USA, Arbeitsmoral und eine Parallele zu sich. Zudem erklärt "Det the Threat", warum die Mavericks so viel beliebter sind als die Heat.

SPORT1: Herr Schrempf, wie haben Sie den Triumph von Dirk Nowitzki und den Dallas Mavericks (Bericht) erlebt?

Detlef Schrempf: Vor dem Fernseher, es war überragend. In einer Situation, wo alle hinter den Dallas Mavericks standen, bin auch ich sehr glücklich, dass es so ausgegangen ist. Ich habe natürlich Dirk und den Mavs die Daumen gedrückt.

SPORT1: Können Sie erklären, warum die Sympathien in den USA so deutlich auf Seiten von Dallas waren?

Schrempf: Die Mavericks galten im Finale als der Underdog. Sie hatten viele erfahrene Spieler im Kader, die zwar schon Erfolg hatten, aber bislang eben auch nichts gewonnen. Sie sind als Mannschaft aufgetreten, das war schön zu sehen. Sie haben auch der Presse gegenüber die richtigen Dinge gesagt, sowohl vor als auch nach der Meisterschaft.

SPORT1: Für Dirk Nowitzki fand nach 13 Jahren Titeljagd eine lange Reise ihr vorläufiges Ende. Haben Sie sich als Landsmann besonders für ihn gefreut? (EINWURF: Der beste Sportler der Welt)

Schrempf: Auf jeden Fall. Er war ja bereits vor fünf Jahren ganz nah dran. Leider haben die Mavs in den Finals 2006 am Ende nicht mehr ihre Möglichkeiten ausgespielt und verloren. Alleine bis ins Finale zu kommen - das ist schon ein schwieriger Weg. Man hat an diesen Finals aber gesehen, wie entschlossen Dirk ist. Er hat immer weitergearbeitet und nie aufgegeben. Dadurch ist er auch immer besser geworden. Dieses Jahr hatte er zudem eine gute Mannschaft, die zur richtigen Zeit gut zusammengespielt hat, um am Ende Champion zu werden.

SPORT1: Sie haben in Nowitzkis ersten NBA-Jahren noch gegen ihn gespielt. Was hat ihn von Anfang an ausgezeichnet?

Schrempf: Es sticht als erstes in Auge, dass Dirk Basketball liebt. Das merkt man bei einigen Spielern. Wenn man sich zum Beispiel einen Kevin Durant von den Oklahoma City Thunder anschaut, dann sieht man, was der für einen Spaß, für ein Interesse auf und neben dem Court hat. Diese Spieler spielen mit Leidenschaft. Dazu arbeitet Nowitzki ziemlich hart. Das ist eine gute Voraussetzung. Er ist groß, er ist ein guter Shooter, er kann mit dem Ball umgehen.

SPORT1: Was haben die beiden Sportler Nowitzki und Schrempf gemeinsam?

Schrempf: Nun, wir sind beide aus Deutschland in die NBA gewechselt. Zumindest ich hatte damals keine großen Erwartungen. Ich bin in die USA gekommen, habe es ausprobiert, und dann habe ich Karriere gemacht. Ich denke, bei Dirk war es ähnlich. Er ist natürlich ziemlich schnell nach oben gekommen.

[kaltura id="0_6smjsdrz" class="full_size" title="Nowitzki Beginnt jetzt die n chste Titeljagd "]

SPORT1: Nowitzki hat unter anderem den Spitznamen "Dirk, the Work". Wie wichtig ist eine solche Arbeitsmoral für NBA-Stars?

Schrempf: Es ist ja leicht zu erkennen, was Dirk auch außerhalb der Mannschaft und innerhalb der Liga erreicht hat. Dirk macht einfach alle Sachen richtig. Man kann eine Person durchaus auch einschätzen, indem man mit den Leuten spricht, die mit ihm zusammenarbeiten. Nicht nur in der Mannschaft - auch Leute außerhalb des Sportlichen, die um die Mavericks herum arbeiten: Alle sagen nur Gutes über ihn. Er ist ein Superstar, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht.

SPORT1: Wie wichtig war der Titel für die Wertschätzung Nowitzkis in den USA?

Schrempf: Ich glaube nicht, dass Dirk jetzt nur wegen des Titels einen größeren Stellenwert hat. Wenn man mit den Spielern, Trainern und General Managers in der NBA spricht, dann weiß man, dass Nowitzki einer der besten fünf Spieler in der Liga ist und einer der Top 50, die jemals in der NBA gespielt haben. Den Respekt hatte er schon vorher. Dirk ist natürlich keiner, der besonders "flashy" ist, da gibt es andere Leute.

SPORT1: Nowitzki ist gerade 33 geworden, Sie standen mit 34 noch im All-Star-Game. Wie lange kann Nowitzki noch auf Top-Niveau spielen?

Schrempf: So wie Dirk arbeitet, kann er garantiert noch vier bis fünf Jahre oben mitmachen, im All-Star-Game spielen und eine Chance haben, die Meisterschaft zu gewinnen - wenn er gute Mannschaftskameraden hat.

SPORT1: Sie standen 1996 gegen Michael Jordans Chicago Bulls im Finale. Es hat damals kaum Auftrieb gegeben für den deutschen Basketball. Kann Nowitzkis Titel mehr bewirken?

Schrempf: Das ist schwer zu sagen. Dirk und ich haben neulich auch mal darüber gesprochen. In Deutschland hat sich in den letzten 20 Jahren eigentlich nicht viel getan. Wir hatten als Deutsche schon international Erfolge, zumindest in Europa, aber im deutschen Basketball ist nicht viel passiert. Fußball ist eben die Nummer eins, deswegen ist es schwierig. Und die guten Spieler, die die Chance haben, gehen natürlich ins Ausland.

SPORT1: Sie könnten Ihre Rolle als ehemaliger Superstar nutzen. Warum ist Ihr Engagement für den deutschen Basketball so überschaubar?

Schrempf: Ich habe viele Jahre etwas für den deutschen Basketball gemacht. Ich habe erst in den Nationalmannschaften gespielt, habe Camps in Deutschland gemacht - aber das Leben geht weiter. Jetzt sind andere Leute dran. Dirk Nowitzki kam nach mir, wir hatten viele gute Nationalspieler. Wir haben ein paar junge Spieler, die jetzt in den USA am College sind. Und ich habe andere Sachen, die ich machen muss. Ich muss arbeiten, ich habe eine Familie und aufwachsende Kinder. Mein Leben findet in den USA statt. Ich bin hier seit 1980, das ist eine sehr lange Zeit. Deswegen liegen meine Prioritäten hier.

SPORT1: Sie arbeiten als Vermögensberater. Wie viel Zeit bleibt für den Basketball?

Schrempf: Ich mache schon noch ein paar Sachen, hin und wieder etwas mit Adidas, hier und in Europa. Und im Sommer haben wir viele Profis und Universitäts-Spieler hier in Seattle. Dann mache ich zweimal in der Woche ein Workout. Das macht Spaß und ist auch gut, um noch etwas im Basketball zu machen. Aber Zeit zu finden, um überall in der Welt herumzureisen, ist halt schwierig.

SPORT1: Wichtig ist Ihnen Ihre Foundation, Sie setzen sich für Familien und Kinder im Nordwesten der USA ein. Warum liegt Ihnen das so am Herzen?

Schrempf: Ich bin seit über 30 Jahren hier - doppelt so lange wie ich in Deutschland war. Hier ist momentan unsere Heimat und das wird auch so bleiben. Hier habe ich meinen Erfolg gehabt, und hier kann ich Sachen machen, die ich in Deutschland nie machen könnte. Wir haben über zehn Millionen Dollar für gute Zwecke mit unserer Foundation gesammelt. Wir haben ein Golf-Turnier, einen Gala-Abend, einen St.-Patricks-Day-Lauf.

SPORT1: Zurück zu Nowitzki: Denken Sie, er wird die Europameisterschaft spielen?

Schrempf: Das kommt darauf an, wie er sich fühlt und was er machen will. Mein Körper brauchte damals in dem Alter ein bisschen mehr Ruhe. Ich habe ziemlich viele Sachen gemacht, das ganze Jahr über. Außerdem hatte ich zwei junge Kinder, deshalb war der Sommer eher die Zeit für die Familie. Für mich war es auch so: Ich wäre Tausende von Kilometern weg gewesen und hätte den ganzen Sommer in Europa bleiben müssen. Da habe ich beschlossen: Das geht einfach nicht mehr, ich verbringe den Sommer mit meinen Kindern. Zur gleichen Zeit hatte ich auch ein paar Knieprobleme. Die Pause hat mir geholfen, noch einige Jahre länger in der NBA zu spielen.

SPORT1: Sie könnten es also verstehen, wenn Nowitzki absagt?

Schrempf: Ja, sicher. Es ist eine lange Saison, vor allem wenn man bis ins Finale kommt. Gerade bei ihm, der ziemlich viel spielt, geht das auf den Körper, da muss man sich das überlegen. Natürlich will er für Deutschland spielen, weil ihm das super viel Spaß macht, im Nationalteam mit seinen Freunden. Aber die Mavericks haben vielleicht auch noch ein Wort mitzureden, ob er den ganzen Sommer unterwegs ist oder ob sie ihn lieber in Dallas haben wollen, damit er sich auskuriert.

SPORT1: Es könnte auch passieren, dass die NBA-Saison ausfällt. Denken Sie, dass es zu einem Lockout kommt?

Schrempf: So wie es aussieht, schon. Es kann zumindest sein, dass wie beim letzten Lockout 1998/1999 bis Februar Pause ist. Das könnte dann ein Grund sein, dass Dirk vielleicht doch in Deutschland oder Europa spielt.

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