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Dirk Nowitzki (r.) wurde mit den Dallas Mavericks 2011 zum ersten Mal NBA-Champion © getty

Die Tarifverhandlungen sind gescheitert, wie geht es weiter? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zum NBA-Lockout.

Von Eric Böhm

München - Um 6.01 Uhr deutscher Zeit war es traurige Gewissheit.

Die NBA hat die Spieler ausgesperrt, nachdem auch die letzte Verhandlungsrunde über einen neuen Tarifvertrag mit der Spielergewerkschaft keine Annäherung - geschweige denn eine Einigung - ergeben hatte.

Erstmals seit 1994 sind damit zwei der großen US-Ligen lahmgelegt. In der NFL dauert die Aussperrung bereits mehr als 100 Tage, obwohl die Differenzen nicht so groß sind wie in der NBA.

Die Saison 2010/2011 ist gefährdet. Zuletzt kam es vor 13 Jahren zu einer ähnlichen Situation. Damals begann die Saison später und wurde auf 50 Spiele verkürzt.

SPORT1 klärt die wichtigsten Fragen zum Lockout.

Was sind die Ursachen?

Der große Streitpunkt ist - genau wie im American Football - das liebe Geld.

Derzeit erhalten die Spieler 57 Prozent der gesamten Einnahmen. Die Liga will diesen Anteil stark reduzieren, da 22 ihrer 30 Besitzer angeblich jedes Jahr Verluste in Millionenhöhe einfahren.

Die Spieler hatten angeboten, den Anteil ihrer Gehälter auf 54,3 Prozent zu senken. Das wäre einer Entlastung von 500 Millionen Dollar über fünf Jahre gleichgekommen. Die Klubs lehnten jedoch ab und fordern ein Verhältnis von 60 zu 40 zu ihren Gunsten.

Außerdem drängen sie auf kürzere Vertragslaufzeiten mit drastisch reduzierten Garantiezahlungen.

Gehaltsobergrenze entscheidend

Die Diskussion über eine sogenannte harte Gehaltsobergrenze brachte die Verhandlungen letztendlich zum Scheitern und stellt eine scheinbar unüberwindbare Hürde für zukünftige Gespräche dar.

Bisher gab es einige Ausnahmen, um die Gehaltsobergrenze zu umgehen, zum Beispiel wurden Minimalverträge für Rookies und Veteranen nicht eingerechnet. Die reicheren Teams aus großen Märkten machten reichlich Gebrauch davon. Nur so konnten die Miami Heat ihre großen Drei formieren.

[kaltura id="0_cpiad98s" class="full_size" title="Nowitzki singt wieder"]

Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks gaben fast 90 Millionen Dollar an Gehältern aus, um ihren ersten Meistertitel zu holen - der Salary Cap lag bei knapp 57 Millionen Dollar.

Dieser bisherigen Regelung wollen vor allem die kleineren Klubs einen Riegel vorschieben. Die Gewerkschaft ist strikt dagegen. "Es macht mir Sorgen, dass wir uns nicht annähern konnten. Die unterschiedlichen Philosophien zu dem Thema spalten uns", zeigte sich Commissioner David Stern pessimistisch.

Was passiert jetzt?

Zunächst sind jetzt alle Geschäfte der Teams auf Eis gelegt. Es dürfen weder Verträge noch Tauschgeschäfte abgeschlossen werden. In der nächsten Woche soll es neue Gespräche geben.

Da der Saisonstart aber noch Monate entfernt ist, hat keine der beiden Seiten Grund nachzugeben. Stattdessen sind die Fronten verhärtet. Die Parteien stellen sich auf eine lange Kraftprobe ein.

"Das Problem ist, dass wir so weit auseinanderliegen. Wir werden nicht nachgeben. Egal wie lange der Lockout dauert, wir stehen für unsere Überzeugungen ein", sagte Oklahoma Citys Star Kevin Durant.

Im schlimmsten Fall droht sogar der Ausfall der kompletten Saison. Die Sommerliga in Las Vegas wurde bereits abgesagt. Eine Verkürzung der Spielzeit scheint bereits jetzt wahrscheinlich.

Wer hat Schuld?

Da Stern und Gewerkschaftsboss Billy Hunter bereits 1998 am Ruder waren, wird ihnen jetzt der Schwarze Peter zugeschoben. Die Wahrheit ist: beide Parteien setzen legitime Mittel ein. Solange keine Spiele ausfallen, ist dieser Prozess völlig normal.

Die Spieler wollen am Produkt, das in erster Linie sie repräsentieren, beteiligt werden. Die Besitzer wollen schwarze Zahlen schreiben. An einem Punkt muss ihnen klar werden, dass ihr gemeinsames Produkt gefährdet ist, dann werden sie sich bewegen müssen.

Wer sind die Gewinner?

Echte Profiteure gibt es in dieser verfahrenen Situation nicht. Erfahrene und eingespielte Teams wie Nowitzkis Mavericks oder die San Antonio Spurs könnten jedoch von einer kürzeren Vorbereitung oder einem späterem Saisonbeginn profitieren. Die physische Belastung wäre nicht so groß.

1999 trafen mit den New York Knicks und den San Antonio Spurs zwei der erfahreneren Teams in den Finals aufeinander.

Außerdem könnten die europäischen Ligen einen Aufschwung erleben. Denn es gibt einige Free Agents, die sofort zu einem Topklub wechseln könnten. David West, Tyson Chandler oder Jason Richardson wären Zuschauermagneten.

Wer sind die Verlierer?

In erster Linie leidet die NBA. Dieser Konflikt kommt für die Liga zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die abgelaufene Saison war die erfolgreichste seit dem letzten Arbeitskampf.

Damals brachen die Einschaltquoten und Zuschauerzahlen drastisch ein und erreichten erst innerhalb der letzten zwei Jahre wieder ein ähnliches Niveau. Dieses Szenario könnte jetzt wieder drohen.

Außerdem werden die unbekannteren Profis und "nomalen" Arbeitnehmer der Klubs unter deutlichen Einbußen leiden. Die Superstars werden auch weiterhin ihre fürstlichen Gehälter einstreichen.

Neben den Rookies, die auf ihren ersten Vertrag warten müssen, und vertragslosen Routiniers sind Teams wie Miami oder die Lakers große Verlierer. Die Heat werden mit einer neuen Vereinbarung ihren teuren Kader wohl nicht halten können, während der Ex-Meister kaum Zeit haben dürfte, um den Kader neu zu strukturieren.

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