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Dirk Nowitzki wurde in den NBA-Finals 2011 als zweiter Europäer überhaupt zum MVP gewählt © getty

Die Fronten zwischen NBA und Spielern sind verhärtet. Was machen Dirkules und Co.? Real lockt Nowtziki-Kollege mit Mega-Angebot.

Von Eric Böhm

München - Die Jagd auf die ausgesperrten NBA-Spieler hat offiziell begonnen.

Nicht zuletzt Liga und Spielergewerkschaft selbst äußern sich gleichermaßen pessimistisch über ein baldiges Ende des Lockouts (Bericht).

Ex-Spieler und TV-Experte Charles Barkley geht noch einen Schritt weiter: "Es wird hässlich. Ich glaube nicht, dass in der kommenden Saison überhaupt gespielt wird."

Wenn die Lage tatsächlich so ernst und verfahren ist, stellt sich die Frage: Was machen Dirk Nowitzki und die anderen NBA-Stars? Ein Engagement in der Heimat könnte vor allem für die Europäer an Attraktivität gewinnen.

Perez als Vorreiter

Kein geringerer als Florentino Perez - seines Zeichens Präsident von Real Madrid - betätigt sich als Vorreiter und will Dirk Nowitzkis neuen Teamkollegen Rudy Fernandez umgehend zurück nach Spanien holen.

Die Madrilenen locken den Guard laut der spanischen Zeitung "Mundo Deportivo" mit einem Sechsjahresvertrag über knapp 18 Millionen Euro.

Diese erste Offerte an einen unter Vertrag stehenden Akteur wirft auch für Nowitzki neue Fragen bezüglich eines Engagements in Europa auf.

Komplizierte Situation

Denn die Vertragssituation in der besten Liga der Welt ist durch den Lockout noch komplizierter geworden, als sie ohnehin schon war.

Einzig NBA-Profis ohne Vertrag - eingeschränkte und uneingeschränkte Free Agents - können überall unterschreiben.

Wer wie Nowitzki und Fernandez noch unter Vertrag steht, muss beim Weltverband (FIBA) eine schriftliche Freigabe des US-Verbandes einreichen.

[kaltura id="0_qh6i89ec" class="full_size" title="W rzburg feiert Nowitzki"]

"Spieler können machen, was sie wollen"

Eigentlich wird ein solcher "Letter of Clearance" aber nicht ausgestellt, wenn noch ein NBA-Vertrag besteht.

Liga-Commissioner David Stern sieht dennoch kein Problem: "Die Spieler können während des Lockouts machen, was sie wollen."

Er darf aber auch nichts anderes sagen, sonst würde er gegen amerikanisches Arbeitsrecht verstoßen.

Denn während eines Arbeitskampfes muss Arbeitnehmern die Chance gegeben werden, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Klage als Möglichkeit

Die einzige Möglichkeit für NBA-Stars außerhalb Nordamerikas zu spielen, wäre eine Freigabe durch den US-Verband mit einem spezifischen Verweis auf die Aussperrung.

Ansonsten bliebe nur eine Klage gegen die FIBA oder die nationalen Verbände. Ein Präzedenzfall könnte dann sogar das bestehende Transfersystem gefährden.

Real Madrids Angebot an Fernandez, der erst während des Drafts von den Mavericks verpflichtet wurden war (Bericht), enthält eine Klausel, wonach der Spanier nach dem Ende des Lockouts in der NBA die Saison zu Ende spielen würde und dann zurück in seine Heimat gehen würde.

Denkt Nowitzki um?

Ob Fernandez darauf eingeht oder der US-Verband überhaupt die Freigabe erteilt, bleibt abzuwarten.

Eine ähnliche Klausel könnte aber auch bei Nowitzki ein Umdenken auslösen, speziell wenn der Lockout doch länger dauert.

Dirkules äußerte sich im "Spiegel" zum Zustandekommen eines neuen Tarifvertrages verhalten optimistisch: "Ich bin sicher, dass es eine Einigung geben wird und ich noch drei, vier Jahre bei den Mavericks auf höchstem Niveau durchspielen kann."

"Kann keine komplette Saison aussetzen"

Was aber passiert, wenn die Aussperrung nicht vor Beginn der Spielzeit 2010/2011 beendet wird? "Dazu wird es hoffentlich nicht kommen", wollte sich Nowitzki nicht festlegen.

Bei seiner Pressekonferenz in Würzburg sagte der MVP der Finals jedoch: "Ich kann in meinem Alter keine komplette Saison aussetzen."

Sollte es tatsächlich zur Absage von Spielen kommen, würde ihn sein Weg mit ziemlicher Sicherheit in die Beko BBL führen. Dann stünden Berlin, Bamberg oder München - trotz aller Dementis - sicher bereit.

Lockout verbessert EM-Chance

Zuvor steht jedoch die Europameisterschaft in Litauen (31. August bis 18. September LIVE im TV auf SPORT) auf dem Programm. Offenbar tendiert Nowitzki jetzt deutlich zur Teilnahme (Bericht).

"Ich will den anderen nicht die Chance verbauen, an Olympia teilzunehmen. Deshalb möchte ich unbedingt spielen. Vorausgesetzt, ich werde endlich gesund", sagt Nowitzki, der sich seit vier Wochen mit einem grippalen Infekt herumplagt.

"Es bringt nichts, nur halbfit anzutreten", führt der 127-malige Nationalspieler weiter aus.

Der Lockout verbessert die Chancen, denn es liegt im Bereich des Möglichen das die Aussicht auf weniger Spiele in der kommen Saison seine Entscheidung positiv beeinflusst.

Fakt ist auch: Je länger der Arbeitskampf in der NBA dauert, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass Nowitzki handfeste Angebote a la Fernandez auf den Tisch flattern.

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