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Josh Childress war zwei Spielzeiten bei Olympiakos Piräus unter Vertrag © imago

Josh Childress nennt Gründe gegen ein Intermezzo in der alten Welt. Verträge könnten platzen, es gehe zu wie beim Militär.

Von Michael Spandern

München - Von Josh Childress hätte die Fachwelt erwarten dürfen, dass er Deron Williams im Falle eines fortgesetzten NBA-Lockouts (Bericht) nach Europa folgt oder zumindest zu den Fürsprechern eines Intermezzos in der alten Welt zählt.

Schließlich verdingte sich der Small Forward mit den Afrohaaren von 2008 bis 2010 selbst in Griechenland - für fürstliches Geld.

Der NBA-Dante, in der letzten Saison bei den Phoenix Suns für 5,0 Punkte und 2,9 Rebounds pro Spiel gut, war der vielbeachtete Pionier, der im Zenit seines Schaffens der NBA den Rücken kehrte.

Verträge könnten bei Verletzungen platzen

Der große Unterschied zu New Jerseys Deron Williams, der nun Besiktas Istanbul seine Zusage gegeben hat, oder den Lakers-Stras Kobe Bryant und Ron Artest, die einem Europa-Trip nicht abgeneigt sind: Childress war damals Free Agent, also vertragslos. 422464(DIASHOW: Die NBA-Wechselbörse)

Stammkräfte mit einem garantierten Vertrag jedoch würden ein auch ohne Spiele sicheres Gehalt aufs Spiel setzen, da selbst kleinere Verletzungen dazu führen könnten, dass ihr NBA-Team den Vertrag für nichtig erklärt.

"Nein, das würde ich nicht", sagte der 28-Jährige auf die Frage vom "ESPN"-Schreiber Ric Butcher, ob er derzeit für ein Europa-Engagement offen sei.

Childress appelliert an den Geschäftssinn

Aus gutem Grund: Childress ist in Phoenix mit einem noch bis 2015 laufenden 33-Millionen-Vertrag gesegnet, gilt damit als einer der überbezahlten Profis der Liga.

Lässt er sich etwas zuschulden kommen, würde Suns-GM Lance Blanks gewiss über die Gelegenheit nachdenken, durch seine Entlassung Platz unter dem bald wohl deutlich niedrigeren Salary Cap zu schaffen.

Childress schüttelt daher über alle, die weggehen wollen (Bericht), den Kopf: "Ich weiß nicht, warum diese Jungs das wollen. Ich verstehe, dass sie unbedingt spielen wollen. Aber manchmal muss man schauen, was man hat, und sich wie ein Geschäftsmann verhalten."

"Zu 90 Prozent Touristenklasse gefolgen"

Genau das tat Childress auch 2008, als er sich dagegen entschied, rund fünf Millionen US-Dollar brutto in den USA zu verdienen und das 20-Millionen-Angebot von Olympiakos Piräus über drei Jahre anzunehmen.

"Ich habe für einen der größten Klubs in Europa gespielt", erinnert sich Childress, der in dieser Zeit griechischer Pokalsieger wurde und zweimal im Final Four der Euroleague stand.

"Aber wir hatten sechs- und siebenstündige Busreisen, haben nicht in den besten Hotels übernachtet und sind zu 90 Prozent Touristenklasse gefolgen", klagt der langjährige Sixth Man der Atlanta Hawks.

"Gespannt, wie ihr Körper damit klarkommt"

Dass es auch auf dem Parkett durchaus ruppiger zugeht als in der NBA, die auch die Gesundheit ihrer Stars achtet, lässt Childress unerwähnt.

Nicht aber, dass die Trainer seiner Meinung nach wenig zimperlich mit ihren Spielern umgehen: "Nicht alle Coaches nehmen auf deinen Körper Rücksicht", so der ehemalige Schützling der Griechen-Legende Panagiotis Giannakis. "Es herrscht eher ein militärischer Stil. Müde werden ist tabu."

Und er schließt seine Warnung an die Auswanderer süffisant ab: "Ich bin gespannt, wie ihr Körper damit klarkommt."

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