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Alex Meruelo arbeitete in jungen Jahren im Smoking-Geschäft seines Vaters © getty

Der neue Hawks-Besitzer Meruelo ist ein Self-Made-Man und sorgt für ein Novum. Eine Legende ist begeistert. Ziel ist der Titel.

Von Eric Böhm

München - Solche Geschichten lieben sie in den USA ganz besonders.

Der Aufstieg des Alex Meruelo vom Sohn kubanischer Einwanderer zum Pizza-König von Südkalifornien bedient eindrucksvoll das klassische Klischee "vom Tellerwäscher zum Millionär."

Mit dem Kauf der Atlanta Hawks erfüllte sich der erfolgreiche Geschäftsmann nun einen lebenslangen Traum.

"Ich war nicht schnell oder groß genug, um es in die NBA zu schaffen. Dadurch wurde meine Leidenschaft irgendwie Teil der NBA zu werden nur noch verstärkt. Ich bin stolz, dass ich diese Gelegenheit bekommen habe", so der 48-Jährige.

"Fühle mich geehrt"

Wenn der Deal von der Liga abgesegnet, übernimmt Meruelo mehr als 50 Prozent der Anteile an den Hawks und wird somit zum ersten hispano-amerikanischen Klubbesitzer.

"Ich fühle mich sehr geehrt. Das ist ein Privileg und hat eine große Bedeutung. Ich hoffe, ich kann meine Gemeinde stolz machen", betonte der gebürtige New Yorker.

Über den Kaufpreis durfte Meruelo aufgrund des Lockouts nichts sagen. Das Wirtschaftsmagazin "Forbes" hatte die Hawks noch im Januar mit 295 Millionen Dollar (ca. 209 Millionen Euro) bewertet.

Berüchtigtes Kauf-Modell

Die bisherigen Besitzer, die sich zu der Unternehmensgruppe "Atlanta Spirit Group" zusammengeschlossen haben, bleiben Teilhaber und finanzieren sogar 40 Prozent des Kaufpreises über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Dieses Modell gibt es im US-Sport in der Regel nur bei finanzschwachen Teams - zum Beispiel beim Kauf des Baseballteams Los Angeles Dodgers durch den inzwischen bankrotten Frank McCourt.

Wilkins begeistert

Die Bedenken der Fans in Atlanta, die Hawks könnten ihre Stadt verlassen - wie das Eishockeyteam zuvor, das von den gleichen Eigentümern verkauft wurde - zerstreute Meruelo.

"Das ist für mich kein Thema. Ich möchte hier sein und werde hart für dieses Team und die Stadt arbeiten", betonte der 48-Jährige, der 1985 seine erste Pizzeria in Los Angeles eröffnete.

Inzwischen ist daraus die "La-Pizza-Loca"-Kette mit über 50 Restaurants geworden. Außerdem gehören dem Self-Made-Man eine Immobilienfirma, eine Investmentbank und ein Kasino.

Hawks-Legende und Team-Vizepräsident Dominique Wilkins freut sich über den neuen Chef: "Er ist ein echter Basketball-Fan und ein Gewinner. Diese Mentalität brauchen wir hier."

Hohe Ziele

Als sein Vorbild bezeichnet Meruelo den mexikanisch-stämmigen Arte Moreno, der als Hispano-Amerikaner ein amerikanisches Sportteam besaß. Ihm gehören die Los Angeles Angels aus der MLB.

"Keine Frage, er ist ein Vorbild für mich. Ich würde ihn gern einmal treffen. Ich hoffe, ähnlich erfolgreich zu werden", sagte der Pizza-König.

Seine Ziele steckt er ähnlich hoch wie in der Geschäftswelt: "Ich will eine Meisterschaft nach Atlanta holen. Ich verspreche, dass ich nie aufgeben werde."

Fragezeichen im Kader

Vom Titel ist die Truppe von Coach Larry Drew aber noch weit entfernt.

Nach der Vertragsverlängerung für den verletzungsanfälligen Joe Johnson (29), besteht kaum Handlungsspielraum, um Verstärkungen holen zu können.

Da ein neuer Tarifvertrag - wann auch immer er beschlossen wird - höchstwahrscheinlich eine noch geringere Gehaltsobergrenze haben dürfte.

Crawford zu teuer?

Außerdem ist Shooting Guard Jamal Crawford - er wurde 2010 zum besten sechsten Mann der Liga gewählt - Free Agent und könnte zu teuer sein. Speziell Chicago oder die Miami Heat sind für die Hawks nach jetzigem stand Lichtjahre entfernt.

Um seinem Anspruch gerecht zu werden, liegt also eine Menge Arbeit vor dem neuen Boss bevor er auch in der NBA zum Höhenflug ansetzen kann.

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