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Kevin Garnett (l.) wurde 2008 zum "Defensive Player of the Year" der NBA gewählt © getty

Trash Talk und Verhöhnen: Boston kommt oft ungestraft davon, kassiert aber dennoch die meisten technischen Fouls der NBA.

Von Michael Spandern

München - Durch den Heimerfolg gegen die New York Knicks haben die Boston Celtics einen Teamrekord aufgestellt: 18 Siege nacheinander, das schafften noch nicht einmal Larry Bird und Co. in ihrer Glanzzeit (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Doch der Ruf der "Kleeblätter" hat in dieser Saison gelitten. Nicht nur im Prestigeduell gegen die Knicks texteten die Celtics Gegner und Schiedsrichter nach Kräften voll. Wenig davon war sachdienlich, vieles nicht zitierfähig.

Der "Trash Talk" nimmt Überhand, meinen die Kritiker und unterstellen Boston einen Meisterbonus, obwohl Doc Rivers' Mannen mit 48 Technischen Fouls diese Statistik konkurrenzlos anführen. Zum Vergleich: Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks haben nur 13 "Technicals" kassiert.

"Sie haben es sich verdient"

Knicks-Guard Quentin Richardson hatte schon vor der Partie im TD Banknorth Garden gehöhnt, dass die Celtics sich wohl ohne den Schutz der Referees manches nicht zu sagen trauen würden.

Besonders auf Kendrick Perkins, der mit neun Technischen Fouls nur Rasheed Wallace nachsteht, ist er sauer. Spieler wie Perkins "sind noch nicht lang genug in der Liga, um so etwas zu machen."

Sein Trainer Mike D'Antoni hingegen gesteht allen Celtics den "Trash Talk" zu: "Sie haben sich dieses Recht verdient. Sie können herumlabern."

Provokationen gegen Calderon

Bostons Finals-MVP Paul Pierce betont jedoch, dass sich die Celtics Grenzen setzen: "Unser Team schaltet den Kopf ein und verstrickt sich nicht in Nebengefechte. Wir haben verstanden, dass dies dem Team langfristig nur schaden kann."

Den Zahlen nach könnte sein Mitspieler Kevin Garnett dies unterschreiben. Drei Technische Fouls sind für den All-Star noch im Rahmen.

Doch gerade er erzürnt seine Gegner durch - vermeintliche - Provokationen. Im Spiel gegen die Raptors in der vorvergangenen Woche verfolgte er Torontos Spielmacher Jose Calderon übers gesamte Feld, wedelte vor den Augen des Spaniers gebieterisch mit dem Zeigefinger. Schon im November provozierte er Calderon, indem er dem Spanier händeklatschend nachstellte - ebenfalls ungestraft.

Beschwerde vom Bucks-Coach

Seit er in eine Handgreiflichkeit mit Milwaukees Center Andrew Bogut geriet und für ein Spiel gesperrt wurde, sollte Garnett eigentlich auf dem Radar der NBA-Refs sein.

Bucks-Coach Scott Skiles hatte sich anschließend im "Milwaukee Journal-Sentinel" beschert, dass die Celtics eine Eskalation heraufbeschören würden.

Doch Garnett macht munter weiter, ging im Spiel gegen die Portland Trail Blazers vor dem Rookie Jerryd Bayless auf alle Viere, als dieser den Ball nach vorne dribbelte.

Selbst sein Coach gab zu: "Hätte er das bei mir versucht, hätte ich ihn über den Haufen gerannt. Legal natürlich."

Garnett unzurechnungsfähig?

Rivers plädiert bei Garnett auf Unzurechnungsfähigkeit: "Er macht das dauernd. Und ich wette, in der Hälfte der Fälle merkt er das gar nicht."

Einmal sei er von einem Schiedsrichter auf das abnorme Verhalten seines Verteidigungs-Künstlers hingewiesen worden, habe aber geantwortet: "Sagt dem Rest der Liga, es auch so zu machen. Will nicht jeder Coach, dass seine Spieler in der Defense tief hinuntergehen?"

Auch die Gegner gingen an die Grenzen des Erlaubten, wenn es gegen die Champions geht, erklärt Rivers. "Nicht nur körperlich, sondern auch verbal und emotional."

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