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Im November bleiben die Arenen, wie hier in Orlando, definitiv leer © getty

Besitzer und Gewerkschaft streiten sich weiter um Millionen. Doch der Schaden für die Liga ist weit größer. Die Folgen des Lockouts.

Von Eric Böhm

München - Die NBA hätte in eine rosige Zukunft blicken können.

Durch die vergangene Saison erlebte die Liga einen riesigen Popularitätsschub.

Jeder liebte es, die Miami Heat zu hassen, neue Stars schafften den großen Durchbruch, und Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks krönten ihre märchenhafte Saison mit dem langersehnten Titel.

Doch am 1. Juli diesen Jahres beendete der Lockout abrupt die Hoffnungen auf die nächste goldene Ära. Stattdessen dreht sich seitdem alles um Gewinnverteilung, Gehaltsobergrenze und Luxussteuer (BERICHT: Keine Spiele im November).

Der Schaden, den sich Spieler und Besitzer damit zufügen, ist bereits jetzt gewaltig. SPORT1 beleuchtet die Folgen:

Imense Kosten durch Spielausfälle

"Es wird von Tag zu Tag schlimmer. Wir werden uns davon lange nicht erholen", vermutet der MVP von 1993 und jetzige TV-Experte Charles Barkley.

Nach Michael Jordans Abschied von den Chicago Bulls und dem letzten Lockout hatte es zwölf Jahre gedauert, das Interesse wieder auf das Niveau von 1998 zu hieven.

Mit jedem Tag ohne Basketball zerstören die zerstrittenen Parteien mehr und mehr von dieser mühsamen Aufbauarbeit, und schneiden sich damit ins eigene Fleisch.

Die Teameigentümer verlieren pro ausfallendem Spiel geschätzte 750.000 Euro, die Spieler kostet jeder Monat gar rund 270 Millionen Euro.

Besitzer geben nicht nach

Trotz allem wird weiter erbittert um zwei Prozent der Gesamteinnahmen (ca. 72 Millionen Euro) gefeilscht.

Für die Besitzer scheint der 50:50-Plan also eher symbolische Bedeutung zu haben, um zu zeigen, wer in der NBA der Boss ist. Rein wirtschaftlich ist die Sturheit nur schwer nachvollziehbar.

"Eine Verhandlung sollte Zugeständnisse von beiden Seiten enthalten. Wir sind von 57 auf 52 Prozent runtergegangen. Sie verhalten sich wie Diktatoren", echauffierte sich Nowitzkis Temkollege Tyson Chandler in einem Radiointerview.

Die Profis haben sogar schon damit gedroht, die Spielergewerkschaft aufzulösen (Bericht), was zu einer enormen Prozesswelle führen könnte.

Zu wenig Schuhverkäufe

Dabei sind diese jährlichen ca. 2,9 Milliarden Euro, um deren Verteilung seit vier Monaten so zäh gerungen wird, nur ein Stück des Kuchens.

Bei den Spielern brechen auch persönliche Werbegelder weg. Wegen der andauernden Aussperrung verkaufen die Stars beispielsweise wesentlich weniger ihrer Basketball-Schuhe.

Die Hersteller des Schuhwerks müssten demnach mit Verlusten von bis zu 370 Millionen Euro rechnen, falls die komplette Saison ausfiele. Denn zwei Drittel der verkauften Sneakers werden nicht von aktiven Spielern gekauft.

"Das wäre für den Industriezweig eine Katastrophe", erklärte Analyst Marshall Cohen der "USA Today".

Arbeitnehmer trifft es hart

Im Vergleich zu den großen und kleinen Millionären ist es allerdings die Mittelschicht, die wirklich unter den wirtschaftlichen Auswirkungen der Situation leidet.

So verliert laut einer Studie eine durchschnittliche Bar in einer Stadt eines NBA-Teams zwischen 7500 und 10.000 Euro.

Diverse Arbeitsplätze in Hotels, Pubs und auch bei den Klubs stehen auf dem Spiel.

Jedes Team beschäftigt etwa 1000 Mitarbeiter, die in den Hallen für Aufbau, Verkauf oder Reinigung zuständig sind. Einige mussten bereits Lohnkürzungen hinnehmen, andere wurden entlassen und kämpfen um ihre Existenz.

Großer Imageverlust

Diese Menschen zahlen die Zeche für die Gier von Besitzern und Spielergewerkschaft.

Die wirtschaftliche Seite wird aber von dem desaströsen Bild der Verhandlungs-Farce in der Öffentlichkeit überschattet.

Der Imageverlust wird von Tag zu Tag größer, und die positiven Tendenzen der Spielzeit 2010/2011 werden sofort wieder vernichtet.

"Die Millionäre haben uns vergessen"

Die vergangene Saison brachte dem TV-Partner "TNT" die höchsten Einschaltquoten seit 27 Jahren. Nun ersetzen die Sender die ausgefallenen Spiele mit College-Basketball.

"College-Basketball ist ein viel interessanteres Produkt. Es geht nicht nur ums Geld. Viele Spieler sind wegen des Lockouts nicht vorzeitig in die NBA gegangen", bestätigt Tony Pace, der Boss einer großen Fast-Food-Kette.

Viel schlimmer sind jedoch die Auswirkungen auf die Fans: Die Anhänger wenden sich ab.

"Die Millionäre haben uns vergessen. Nur wegen uns sind sie berühmt", fasst der 14-Jährige Troy Taylor aus Boston beim "Republican" zusammen.

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