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Kobe Bryant gewann mit den Los Angeles Lakers bisher fünf Meisterschaften © getty

Der Superstar befürchtet in Sachen Lockout das Schlimmste. Ein Kollege kämpft gegen Fisher. D-Wade konsultiert einen Anwalt.

Von Eric Böhm

München - In der NBA heißt es jetzt offenbar: Jeder gegen jeden.

Im andauernden Tarifstreit haben die völlig zerstrittenen Parteien einen extrem kritischen Punkt erreicht.

Schon vor dem Ende des Ultimatums der Liga an die Spieler zerfleischen sich Eigentümer und Spielergewerkschaft immer mehr selbst (BERICHT: Brechstangen-Angebot für NBA-Profis).

Kobe Bryant sieht beide Seiten auf einem gefährlichen Weg und versucht sich als Friedensstifter, denn die Konsequenzen könnten verheerend sein.

"Wir müssen alle wieder an einen Tisch bringen. Eine Einigung ist greifbar. Wir müssen die Situation jetzt retten, bevor es zu einem nuklearen Winter kommt", warnt der Superstar der Los Angeles Lakers bei "Yahoo Sports".

Spieler treffen sich

Die Skepsis der "Black Mamba" ist nachvollziehbar, da in seinem eigenen Team die Risse deutlich werden.

Die Führungsriege der NBPA um Präsiedent Derek Fisher hat bereits klargestellt, dass sie das Angebot der NBA - zwischen 49 und 51 Prozent der Gesamteinnahmen - nicht annehmen wird.

Am Dienstag soll mit den Repräsentanten der einzelnen Teams das weitere Vorgehen besprochen werden.

"Ich werde das Angebot ablehnen. Ich habe mit einigen Jungs gesprochen, nahezu alle sind der gleichen Meinung. Wir finden, es ist kein guter Deal", meint Anthony Parker von den Cleveland Cavaliers.

Bryant-Kollege sammelt Stimmen

Dabei befürworten nicht alle Spieler die harte Gangart von Fisher und Exekutivdirektor Billy Hunter.

Immer mehr NBA-Akteure wollen angeblich den Vorschlag von Commissioner David Stern annehmen, bevor die Besitzer wieder auf ihr ursprüngliches Angebot von 47 Prozent zurückgehen.

Fishers und Bryants Teamkollege Steve Blake wirbt angeblich für diesen Plan und gewinnt mehr und mehr Unterstützung. Laut "SI.com" ist auch Bryant nicht abgeneigt.

Gewerkschaft droht mit Auflösung

Sollte bis Mittwoch keine Bewegung in die verfahrene Situation kommen, droht ein monatelanger Rechtsstreit.

Dann bliebe den Spielern wohl nur noch die Auflösung der Gewerkschaft und eine Anti-Trust-Klage gegen die NBA vor einem ordentlichen Gericht.

Die Absage der kompletten Saison sowie ein monatelanger Rechtsstreit wären nur schwer zu verhindern.

Wade spricht mit Anwalt

Wie "AP" berichtet sollen Miamis Dwyane Wade, Orlandos Dwight Howard und Bostons Paul Pierce bereits mit einem Anwalt für Kartellrecht gesprochen haben.

30 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder müssten eine Petition unterschreiben, dann würde eine einfache Mehrheit bei einer eventuellen Abstimmung über die Auflösung genügen.

"Alles was wir bisher von den Besitzern gehört haben, sind Ultimaten und Drohungen. Wir können das auch", macht Bostons Guard Rajon Rondo deutlich.

"Es sind Machtspielchen"

Zuletzt hatten die Spieler ihre Forderung auf 51 Prozent der Einnahmen von ca. 2,9 Milliarden Euro heruntergeschraubt, wollten im Gegenzug aber die bisherige Regelung zur Gehaltsobergrenze - inklusive Ausnahmen bei der Luxussteuer - durchdrücken.

Das lehnte die Gegenseite ab. Nun drohen die Spieler offen mit der Auflösung ihrer Gewerkschaft, was den Eigentümern Ärger in Form von Schadensersatzansprüchen - von den Verlusten durch den Saison-Ausfall ganz zu schweigen. (ANALYSE: Die Folgen des Lockouts)

"Diese Drohungen schaden den Verhandlungen. Es sind Machtspielchen, die beide Seiten nur weiter auseinanderreißen", sagt Gabe Feldman - Fachmann für Sportrecht an der Tulane University in New Orleans.

Stern zieht NFL-Vergleich

"Die NFL-Spieler haben versucht, ihre Gewerkschaft aufzulösen. Das Gericht hat damals abgelehnt. Ich weiß nicht, was sie damit bezwecken wollen. Es liegt ein faires Angebot auf dem Tisch", bezieht sich Stern auf den Tarifstreit in der NFL.

Im Football einigten sich die Parteien noch vor Saisonstart auf einen neuen Tarifvertrag, daraufhin ließen die Spieler um Quarterback Drew Brees ihre Klage fallen.

Jordan als Hardliner

Vor Ablauf der Deadline am Mittwoch (23 Uhr deutscher Zeit) gibt es aber auch von Seiten der Besitzer Gegenwind für Stern.

Die "Hardliner" um Legende und Bobcats-Besitzer Michael Jordan - außerdem noch Atlanta, Cleveland, Milwaukee, Memphis, Philadelphia, Washington, Portland sowie Minnesota - wollten ohnehin nie mehr als 47 Prozent anbieten.

"Am Ende werden die Hardliner sagen, dass es nach Mittwoch nur noch einen Deal zu ihren Bedingungen geben wird, oder gar nichts", sieht ein anonymer Insider bei "CBSsports.com" keinen Ausweg aus der verfahrenen Situation.

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