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Tyson Chandler (r.) kam 2010 aus Charlotte zu den Dallas Mavericks © getty

Tyson Chandler befürchtet, dass ihn Dallas nicht behalten kann. Der Center wettert gegen die "Diktatoren" und adelt Dirkules.

Von Eric Böhm

München - Die Dallas Mavericks haben vom Lockout die Nase gestrichen voll.

Aufgrund des andauernden Tarifstreits in der NBA durften Dirk Nowitzki und Co. am 1. November - dem eigentlichen Saisonstart - weder ihr Championship-Banner hissen noch die hochverdienten Ringe in Empfang nehmen.

Jetzt könnte die verfahrene Situation sogar das homogene Meisterteam sprengen. Das befürchtet zumindest Tyson Chandler.

"Bei den Regularien, die von den Besitzern gefordert werden, ist es für mich praktisch unmöglich, in Dallas zu bleiben", sagte der Center während eines Interviews bei einem Lokalsender in Dallas.

Strengerer Salary Cap droht

Der Hintergrund dieser Befürchtungen ist, dass speziell die kleineren Teams eine strengere Gehaltsobergrenze, weniger Ausnahmen sowie eine höhere Luxussteuer fordern. (BERICHT: Kobe warnt vor "nuklearem Winter)

In der vergangenen Saison zahlten die Mavericks in Person von Eigentümer Mark Cuban fast 15 Millionen Euro Luxussteuer, weil sie deutlich über dem "Salary Cap" lagen.

Nur aufgrund der bisherigen Regelung war es beispielsweise möglich, nach der schweren Verletzung von Forward Caron Butler im Januar 2011 den Routinier Peja Stojakovic zu holen.

Mavericks müssten sparen

Sollte nun die Liga ihre rigide Sparpolitik durchsetzen, hätte Dallas bereits mit den aktuell unter Vertrag stehenden Großverdienern Nowitzki, Jason Kidd, Jason Terry oder Shawn Marion kaum Spielraum.

Für die laut Nowitzki "wichtigste Verpflichtung" der vergangenen Saison wäre ebenso wenig Geld da wie für "Wirbelwind" J.J. Barea.

Dirkules hatte zuletzt die Bedeutung der beiden Schlüsselspieler nochmals herausgestrichen: "Es wäre extrem wichtig, beide zu halten."

Dämpfer für Titelambitionen?

Um sich überhaupt verstärken zu können, müssten eher weitere Akteure abgegeben werden. Kontinuität und Titelambitionen der Mavericks würden leiden.

"Die Lakers haben jahrelang Meisterschaften gewonnen, weil sie ihren Kern zusammenhalten konnten. Ausgerechnet nach unserem Titel passiert so etwas. Das stinkt mir gewaltig", echauffierte sich der 29-Jährige Chandler.

In Anbetracht des Ultimatums an die Spieler, das aktuelle Angebot von Liga-Boss David Stern zu akzeptieren, verliert auch "TC" langsam seinen Optimismus. (ANALYSE: Die Folgen des Lockouts)

"Ich hoffe noch, aber ich hoffe schon seit einer ganzen Weile und es tut sich nichts. Ich möchte einfach wieder spielen", erklärte Chandler.

"Führen sich wie Diktatoren auf"

Die Schuldfrage an dem aktuellen Schlamassel sieht der Weltmeister von 2010 ziemlich eindeutig.

"Ich glaube, wir sind den Besitzern schon sehr weit entgegengekommen. Eine Verhandlung ist eine Verhandlung, aber sie führen sich wie Diktatoren auf."

Nach über 130 Tagen Stillstand hält der zweite Pick des Drafts 2001 die Auflösung der Gewerkschaft für richtig, um einen drohenden Rechtsstreit als Druckmittel für eine Einigung einzusetzen.

"Das Gute ist, dass nach wie vor Meetings stattfinden. Es geht doch eigentlich nur noch um Kleinigkeiten. Der persönliche Stolz muss hinten anstehen, aber wir sind das Produkt", machte Chandler deutlich.

Großes Lob für Nowitzki

Trotz all seiner Frustration hellte sich die Miene des Modellathleten doch noch einmal auf, als er über Nowitzki sprach.

"Dirk ist für mich momentan der beste Spieler in der NBA. In den Playoffs hat er wie besessen gespielt. Neben seiner Stärke im Angriff hat er in der Abwehr ein ganz neues Level erreicht", schwärmte der Center.

Ob das so exzellent aufeinander abgestimmte Traumduo auch in Zukunft für Dallas gemeinsam unter den Körben aufräumt erscheint allerdings fraglicher denn je.

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