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David Stern arbeitet seit 1978 in verschiedenen Funktionen für die NBA © dpa Picture Alliance

Commissioner Stern kippt das Ultimatum. Doch die neuen Gespräche bringen keinen Fortschritt. Ein Anwalt erhitzt die Gemüter.

Von Eric Böhm

München/New York - Das Ultimatum ist verstrichen, passiert ist trotzdem nur wenig (BERICHT: Kobe warnt vor "nuklearem Winter).

Am 132. Tag des andauernden Lockouts ist ein neuer Tarifvertrag zwischen der NBA und den Spielern nicht in Sicht.

Auch die kurzfristig anberaumte zwölfstündige Gesprächsrunde in der Nacht auf Donnerstag brachte keinen entscheidenden Durchbruch. Immerhin soll weiterverhandelt werden.

"Wir haben die Uhren gestoppt. Es gibt keinen Grund, optimistisch oder pessimistisch zu sein. Wir sind nicht gescheitert, aber auch nicht erfolgreich", sagte Commissioner David Stern.

Angebot bleibt bestehen

Zumindest bleibt das Angebot - 49 bis 51 Prozent der jährlichen Gesamteinnahmen von ca. 2,9 Milliarden Euro - an die Spielergewerkschaft (NBPA) vorerst auf dem Tisch.

Zuvor hatte der Liga-Boss noch betont, dass nach der Deadline am Mittwoch (23 Uhr deutscher Zeit) ein deutlich unattraktiverer Vorschlag folgen werde.

"Es ist eine Geste des guten Willens. Wir sprechen morgen weiter. Es liegt noch viel Arbeit vor uns, eine Chance gibt es immer", zeigte Stern Kompromissbereitschaft.

NBPA kontert Bluff

Die Spieler konnten ihre Position stärken, da sie sich von dem Ultimatum nicht einschüchtern ließen und den Bluff der Liga konterten.

In Feierlaune bricht die Führungsspitze der Gewerkschaft deswegen aber noch lange nicht aus.

"Ich kann wenig dazu sagen, ob die Besitzer flexibler sind. Wir hätten eine Einigung, wenn sie die nötige Flexibilität gezeigt hätten", erklärte NBPA-Präsident Derek Fisher (Los Angeles Lakers).

Anwalt schießt übers Ziel hinaus

Zuvor hatte Anwalt Jeffrey Kessler - er vertrat im Sommer bereits die NFL-Profis - zusätzlich Öl ins Feuer gegossen.

"Es sind schwierige Verhandlungen. Die Besitzer behandeln die Spieler wie Plantagen-Arbeiter", polterte Kessler gegenüber der "Washington Post".

Diese unbedachte, dumme und politisch unkorrekte Äußerung - nahezu alle Eigentümer sind weiß, ein Großteil der Spieler sind Afroamerikaner - trägt sicher nicht zu fruchtbaren Gesprächen bei.

Salary-Cap-Ausnahmen bleiben umstritten

Aus Spielerkreisen ist durchgesickert, dass ein 50:50-Split mittlerweile eine realistische Option ist, wenn beim System Zugeständnisse gemacht werden.

Neben der Gewinnverteilung bleiben nach wie vor die Art und Weise der Gehaltsobergrenze, Luxussteuer sowie Vertragslaufzeiten die Hauptstreitpunkte.

Vor allem die kleineren Teams wollen die zahlreichen Ausnahmen abschaffen oder wenigstens begrenzen, die es reichen Mannschaften erlauben, den Salary Cap praktisch außer Kraft zu setzen.

Rechtsstreit droht

Am Donnerstag sollen die Debatten weitergehen. Die Zeit drängt, auch wenn Stern die baldige Absage von allen Partien bis Weihnachten bestreitet: "Das ist nicht geplant."

Sollten die aktuellen Gespräche wieder stecken bleiben, würden die Eigentümer ihr Angebot wohl drastisch reduzieren.

Die NBPA müsste sich auflösen, eine Anti-Trust-Klage einreichen und damit höchstwahrscheinlich einen monatelangen Rechtsstreit auslösen (ANALYSE: Die Folgen des Lockouts).

Stern hofft

In diesem Fall wäre die Durchführung einer NBA-Saison fast ausgeschlossen. Stern gibt die Hoffnung aber noch nicht auf.

"Morgen wäre ein guter Tag, um hier zu sein", meinte der Liga-Boss. Die Aussage klingt zwar sehr vage, deutet aber nicht auf ein Platzen der Verhandlungen hin.

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