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Michael Jordan wurde insgesamt fünfmal zum wertvollsten Spieler der NBA gewählt © getty

Der ehemals teuerste Athlet entwickelt sich im Lockout-Streit zum Hardliner unter den NBA-Besitzern. Die Spieler sind entsetzt.

Von Eric Böhm

München - Viele Stars erleiden nach dem Karriereende einen herben Absturz, weil sie im Privatleben nicht an ihre sportlichen Erfolge anknüpfen können.

Nun ist Michael Jordan nicht irgendein Sportler, sondern der wohl beste Basketballer und unbestritten kommerziell einflussreichste Athlet unserer Zeit.

Doch als Teilhaber beziehungsweise Besitzer eines NBA-Teams gerät "Air" Jordan nun in die Schusslinie aktueller und ehemaliger Profis, weil er im Lockout-Streit urplötzlich als unnachgiebiger "Hardliner" aufseiten der Eigentümer auftritt (BERICHT: Kein Deal: NBA-Boss "stoppt die Uhren").

"Michael Jordan ist ein Blender. Er hat vergessen aus, welchem Loch er gekrochen ist. Als er die Bulls für 36 Millionen im Jahr einwickeln wollte, hat jeder nur gesagt, das ist Michael", zog der frühere Knicks-Guard Stephon Marbury kräftig vom Leder.

Kehrtwende erzürnt Spieler

Golden States Rookie Klay Thompson twitterte: "So ein Heuchler. Er hätte als erster hinter uns Spielern stehen sollen."

Der Hintergrund für diese und weitere Angriffe anderer Spieler liefert die Kehrtwende Jordans, der sich vom nach wie vor bestbezahlten NBA-Spieler der Geschichte - 1998/1999 kassierte er mehr als 30 Millionen Dollar - zum Kämpfer für die Senkung der Gehälter aufgeschwungen hat.

Als Boss der Charlotte Bobcats ist der sechsmalige NBA-Champion nämlich keine große Nummer und muss um jeden Zuschauer und Dollar kämpfen.

Jordan will den Mavs ans Geld

Denn neben seinen mangelnden sportlichen Instinkten - er gab einst "Rip" Hamilton für Jerry Stackhouse ab und holte im Draft Kwame Brown sowie Adam Morrison - fehlt ihm auch das finanzielle Gespür.

Er wollte zum Beispiel den ehemaligen Mavericks-Center DeSagana Diop unbedingt haben - trotz eines unfassbaren 32-Millionen-Dollar-Vertrages.

Das aktuelle Angebot der Liga - praktisch ein 50:50-Split der Gesamteinnahmen, Gehaltsobergrenze mit Ausnahmen - geht ihm viel zu weit.

Jordan will eine 53:47-Verteilung zugunsten der Besitzer sowie einen Salary Cap ohne Ausnahmen für Klubs wie Dallas, Miami Heat oder die L.A. Lakers erreichen.

Vergangenheit holt "Air" ein

Auch das Argument, er habe seine letzten beiden unsäglichen Jahre bei den Washington Wizards für das Gehaltsminimum gespielt, deutet nicht auf ein soziales Gewissen hin.

Denn damals war "His Airness" Anteilseigner des strauchelnden Klubs und wollte dem Team Spielraum für teure Verpflichtungen wie die Super-Flops Brown oder Stackhouse verschaffen.

Als der damalige Wizards-Chef Abe Pollin über die gestiegenen Personalkosten klagte, entgegnete ihm Jordan eiskalt: "Wenn du keinen Profit machen kannst, verkaufe das Team!"

Glaubwürdigkeit leidet

Heute weist er zwar nicht zu Unrecht auf die Unausgewogenheit zwischen großen und kleinen Märkten hin und mahnt eine Verteilung der Luxussteuereinnahmen an die ärmeren Teams an - diese Regelung sorgt im Baseball für Ausgeglichenheit.

Doch die Glaubwürdigkeit leidet, wenn der eigene Agent Mitte der 90er Jahre immer wieder Verhandlungen über eine Kostensenkung torpedierte.

David Falk wurde damals nicht müde zu betonen, dass sein Klient eigentlich unbezahlbar wäre.

Das mag gestimmt haben, schließlich profitierte die NBA in unschätzbarem Maße von der Marke Jordan, aber von einem sozialen Gewissen war damals wenig zu spüren.

Schwere Anschuldigungen von Marbury

Der skandalumwitterte Marbury - er spielt seit 2010 in China - geht mit seiner Kritik sogar noch deutlich weiter.

"Er hat nie etwas an seine Leute zurückgegeben. Er klopft uns stattdessen mit immer neuen 100, 150 Dollar teuren Sneakers die Birne weich und schert sich nicht darum, dass sich Kids dafür immer noch gegenseitig umbringen", wettert "Starbury".

Der 34-Jährige, der aus einer berüchtigten Gegend von Brooklyn in New York kommt, wollte 2006 mit einem Schuh für 15 Dollar mit Jordans Marke konkurrieren und dem in Kriminalität ausufernden Konsumwahn der Jugendlichen entgegenwirken.

2008 gingen seine Partner jedoch Pleite und verklagten Marbury anschließend. Heute versucht er in China einen neuen Markt zu erschließen. Sein Online-Shop hatte seit 2009 keinen Kundeneintrag mehr.

Jordan schadet sich selbst

Der überzeugte Anhänger der demokratischen Partei sagte einst: "Auch Republikaner kaufen Schuhe."

Mit seiner unglaubwürdigen Verteufelung der freien Marktwirtschaft, die nicht zuletzt er selbst in die NBA gebracht hat, beschädigt MJ nun weiter seinen Ruf als Legende.

Dieser hat durch seine fragwürdigen Entscheidungen als Besitzer bereits ebenso gelitten, wie durch die inzwischen berüchtigte Tirade bei seiner Einführung in die Hall of Fame - damals rechnete er rigoros mit alten Wegbegleitern ab.

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