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NBPA-Präsident Derek Fisher (2.v.l.) spielt für die Los Angeles Lakers © dapd

Die Spielergewerkschaft lehnt das Angebot der Klubbesitzer ab und will sich auflösen. Die Saison-Absage scheint kaum abzuwenden.

Von Matthias Becker

München/New York - Die NBA-Saison 2011/2012 steht vor der Absage!

Die NBA-Profis haben nach einer vierstündigen Sitzung ihrer Gewerkschaft NBPA am Montag in New York das Angebot der Klubbesitzer abgelehnt.

Die Offerte, mit der die Liga den am Montag seit 137 Tagen andauernden Lockout beenden wollte, umfasste eine Teilung der Einnahmen in einem Verhältnis von 50:50. Bei einer Einigung hätten ab dem 15. Dezember noch 72 Saisonspiele pro Team durchgeführt werden können.

In der abgelaufenen Saison hatten die Spieler noch 57 Prozent der jährlichen Gewinne in Höhe von ca. 2,9 Milliarden Euro kassiert, bei Akzeptanz des NBA-Angebots hätte für sie einen Verlust von mindestens 205 Millionen Euro im Vergleich zur Vorsaison bedeutet.

Dennoch gab die Struktur des "Salary Cap" den Ausschlag. Zwar bot die Liga eine Gehaltsobergrenze mit nahezu allen bisherigen Ausnahmen an, doch die exorbitant hohe Luxussteuer hääte daraus faktisch einen harten Cap gemacht.

NBA-Boss David Stern hatte betont, im Falle einer negativen Entscheidung der NBPA zum Angebot der Liga die Spielzeit komplett abzusagen.

"Wir sind gut vorbereitet"

Billy Hunter, Geschäftsführer der Gewerkschaft, bezeichnete das Ultimatum Sterns als "extrem unfair". Die NBPA will sich nun auflösen und Kartell-Klage gegen die NBA einreichen.

"Wir sind gut auf diese Aktion vorbereitet, für die Spieler ist es die beste Lösung", sagte NBPA-Präsident Derek Fisher.

Bei seinem Auftritt auf einer Pressekonferenz in New York wurde er von zahlreichen Spielern flankiert, unter ihnen Teamkollege Kobe Bryant von den Los Angeles Lakers.

Spieler wollen Klage einreichen

NBA-Commissioner David Stern reagierte enttäuscht auf die Entscheidung der Spieler. "Durch diese unverantwortliche Vorgehensweise zu diesem späten Zeitpunkt hat Billy Hunter die Saison aufs Spiel gesetzt und die Spieler um einen großen Zahltag gebracht", sagte Stern in einer ersten Reaktion.

Die NBPA geht ihren Weg aber unbeirrt weiter. "Wir bereiten uns momentan darauf vor, die NBA kartellrechtlich zu belangen. Nur so haben die Spieler eine Chance auf ein gerechtes Verfahren", sagte Hunter.

Gerichte rücken in den Mittelpunkt

Allerdings entschieden sich Hunter und Fisher selbst für den Rückzug - ein sogenannter "Disclaimer of Interest" - und vermieden somit eine erzwungene Auflösung durch Abstimmung unter den Spielern ("Decertification"), die mögliche nächste Schritte um 45 bis 60 Tage verschoben hätte.

Die Spieler wollen sich nun in einer Handelsgesellschaft zusammenschließen, um so Kartell-Klage gegen die Liga einreichen zu können.

Das soll innerhalb der nächsten beiden Tage passieren, dabei lassen sich die NBA-Profis von den Anwälten Jeffrey Kessler - er hatte mit seiner "Plantagen-Arbeiter"-Bemerkung zuletzt für Aufsehen gesorgt - und David Boies vertreten, die beide auch schon in den letzten Arbeitskampf der NFL verwickelt waren (BERICHT: NBA-Boss "stoppt die Uhren").

Hoffen auf die Anwälte

Ein Gericht untersagte im Sommer aber den Football-Profis die Auflösung ihrer Gewerkschaft, danach einigten sich die beiden Parteien doch noch vor Saisonstart.

Die NBA wird nun ähnlich argumentieren, nämlich dass diese Aktion eine bloße Verhandlungstaktik ist, und die Gewerkschaftsspitzen weiterhin die Interessen der Spieler vertreten.

"Die Spieler kamen zu dem Schluss, dass weitere Verhandlungen nichts bringen würden. Deshalb haben sie sich so entschieden", bestätigte Kessler.

Nachdem die Klage eingereicht wurde - vermutlich in Kalifornien, weil dort das Arbeitnehmer-freundlichste Recht Anwendung findet - könnten die Anwälte beider Seiten verhandeln, um eine außergerichtliche Einigung zu erzielen - so kam in der NFL der neue Tarifvertrag zu Stande.

Lockout seit 1. Juli

Der Lockout hält seit dem 1. Juli an. Ursprünglich sollte die Saison am 1. November mit dem Spiel von Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks gegen die Chicago Bulls eröffnet werden.

"Wir wollen weiterhin wieder an die Arbeit, dafür müssen wir verhandeln. Aber dieser Prozess ist jetzt erst einmal gestoppt", erklärte NBPA-Präsident Fisher.

Er strich die Bedeutung der Entscheidung heraus: "Ich möchte darauf hinweisen, dass wir nicht nur einen Beschluss für die aktuellen Spieler erzielen wollten, sondern auch für die in den nächsten Jahrzehnten."

Der Imageverlust für die Liga und ihre Spieler bei einer kompletten Absage der Saison dürfte allerdings auch Auswirkungen für die kommenden Jahre haben.

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